Mit Fachassistenz gegen Fachkräftemangel?Die geplante verkürzte Ausbildung und der Protest dagegen

In diesem Frühjahr will die Kultusministerkonferenz (KMK) die bundesweite Einführung einer Ausbildung zum/zur „staatlich geprüften Fachassistent* in für frühe Bildung und Erziehung“ beschließen, die insgesamt kürzer dauern soll als die klassische Erzieher*innen-Ausbildung. Im Vorfeld hat sich bereits starker Widerstand dagegen formiert.

Gedacht ist der neue Ausbildungsgang ausschließlich für eine Tätigkeit in Kita und Hort. Interessierte müssen einen mittleren Bildungsabschluss mitbringen. Stattfinden soll diese berufsqualifizierende Erstausbildung an Berufsfachschulen. Angesiedelt ist die Fachassistenz auf Level 4 des Deutschen Qualitätsrahmens (DQR), stellt aber keine Fachkraft im Sinne von §72 SGB VIII (Fachkräftegebot) dar. Eine Durchlässigkeit für höhere Qualifikationsstufen ist demnach auch nicht vorgesehen. Die KMK verspricht sich von dieser neuen Ausbildung sowohl eine Steigerung der Attraktivität des Berufs als auch der Zahl an Auszubildenden.

Kritik in der „Gemeinsamen Erklärung“

Offensichtlich wurde über die bevorstehende Einführung der neuen Ausbildung ohne die zentralen Akteure des Berufsfeldes, sprich Trägervertreter, Fachschulverbände und Gewerkschaften, verhandelt. Deren Einspruch ließ deshalb auch nicht lange auf sich warten. Gleich elf Verbände, AG’s und Vereinigungen wie Diakonie, AWO, ver.di u. a. veröffentlichten Anfang November eine gemeinsame Erklärung, mit der sie sich an die Kultusministerkonferenz sowie alle Kultus- und Sozialministerien der Länder wenden. Verwiesen wird zunächst auf die breiten Diskussionen über fachliche Anforderungen an die Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe, die sich schon 2012 im kompetenzorientierten Qualifikationsprofil niederschlugen und zusammen mit der KMK-Rahmenvereinbarung von 2002 das Level 6 des DQR für die Erzieher* innen „erkämpften“. Die seither auch stetig wachsende Akademisierung im Arbeitsfeld ist dabei noch gar nicht berücksichtigt.

Mit der Einführung neuer Ausbildungsmodelle, deren Qualifikation unterhalb derjenigen von Erzieher*innen liegt, würden die Bundesländer auf den offensiven Kita-Ausbau und den daraus resultierenden Fachkräftemangel reagieren. Für die so gewonnenen neuen Arbeitskräfte, deren Tätigkeits- und Verantwortungsbereich nicht wirklich definiert sei, gelte eine niedrigere Eingruppierung. Zudem stehe das neue Ausbildungsformat unverbunden neben klassischen Ausbildungen wie Sozialassistent* in oder Kinderpfleger*in. Wegen der fehlenden Durchlässigkeit zu höheren Qualifikationen wird die neue Ausbildung auch als Sackgasse (oder Einbahnstraße) gesehen.

Solche Strategien gegen den Fachkräftemangel führen nach Ansicht der Verbände unweigerlich zur Senkung von Qualitätsstandards, obwohl die notwendige Steigerung von Kita Qualität in der Fachdiskussion seit langem außer Frage steht. Gleichzeitig werde der Erzieher* innenberuf abgewertet und der Verlust von Fachlichkeit drohe. In der „Gemeinsamen Erklärung“ werden deshalb 12 Forderungen aufgestellt, die auf eine Stärkung des Erzieher* innenberufs, eine Sicherung bzw. Steigerung der Qualität sowie auf verbesserte Rahmenbedingungen zielen.

Zwischenruf der AGJ

Ähnlich kritisch wie die Verbände und Gewerkschaften äußert sich die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) in einem „Zwischenruf“ zu dem neuen Berufsprofil. Sie will damit eine öffentliche Diskussion anstoßen, um die Etablierung einer Schmalspur- Ausbildung zu verhindern. Diese werde nicht nur große Unsicherheit für alle Akteur*innen mit sich bringen, sondern auch die immer wieder geforderte Aufwertung des Erzieher*innenberufs konterkarieren.

Auch die AGJ bemängelt, dass die Kinder- und Jugendhilfe nicht in die Aushandlungsprozesse zur Einführung verkürzter Ausbildungswege einbezogen wurde. Bekräftigt wird die Forderung, Veränderungen der Ausbildungsmodelle nur unter der Berücksichtigung fachlicher Standards und Gewährleistung von Qualitätsanforderungen vorzunehmen. Statt Einführung einer neuen Ausbildung, die zu einer Dequalifizierung führe, macht sich die AGJ für eine systematische Herangehensweise an den Fachkräftebedarf stark, die z. B. die Frage klärt, warum ein Großteil der Absolvent*innen der Erzieher* innen-Ausbildung nicht in diesem Berufsfeld tätig wird, mit welcher Strategie sich die hohe Teilzeitquote absenken ließe und wie die Attraktivität des Berufs gesteigert werden könne.

Stellungnahme der BAG-BEK

Zum geplanten Ausbildungsgang bezieht auch die „Bundesarbeitsgemeinschaft Bildung und Erziehung in der Kindheit e.V.“ (BAG-BEK) kritisch Stellung. Sie warnt vor einer weiteren Deprofessionalisierung im Arbeitsfeld und hält die Ausweitung der Assistenzberufe für nicht zielführend im Hinblick auf die pädagogische Qualität in Kitas. Insofern wird die Fachassistenz auch im Widerspruch zu Bemühungen beispielsweise im Rahmen der Fachkräfteoffensive von Bundesfamilienministerin Giffey gesehen. Die Eingruppierung der neuen Fachassistent* innen unterhalb des Niveaus der Erzieher* innen bei gleichzeitigem Einsatz als Fachkraft – womöglich als Gruppenleitung/ Erstkraft – wertet die BAG-BEK als Versuch, ein verstecktes finanzielles Sparmodell zu Lasten des Personals einzuführen. Als weiteren wichtigen Kritikpunkt nennt sie den schon jetzt bestehenden Mangel an qualifizierten Lehrkräften und Raumkapazitäten im System, der durch die neue Ausbildung zu Mehrbelastungen des Lehrpersonals führen werde.

Die BAG-BEK fordert, auch weiterhin die Erzieher* innen-Ausbildung auf Level 6 des DQR als zentralen Fachkraft-Zugang zum Arbeitsfeld Kindertageseinrichtungen zu betrachten, und mahnt bessere Ausbildungsbedingungen und Vergütung an. Sie empfiehlt, bei dem (noch fehlenden) Gesamtkonzept zur Qualifizierung frühpädagogischer Fachkräfte auch stärker die akademisch ausgebildeten Kindheitspädagog* innen zu berücksichtigen, die in den Plänen zur Fachkräftegewinnung bislang kaum eine Rolle spielen. 

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