„Schärfung des Blickes für das, was ich im Team beitragen kann“Interview zur Positiven Pädagogik

Kinder gehen gerne auf Schatzsuche. Fachkräfte bevorzugen eher die Fehlerfahndung. Warum es bereits in Kitas wichtig ist, den Blick nicht auf die Defizite zu richten, erklärt Experte Olaf-Axel Burow.

Schärfung des Blicks für das, was ich im Team beitragen kann
© privat

Welche Erkenntnisse der Positiven Pädagogik könnten auch für Kitas relevant sein?

Kinder benötigen ein gemeinsames Basiswissen, doch darüber hinaus geht es darum, individuelle Neigungen und Talente zu entdecken und zu fördern. Kitas sollten nicht zu früh mit formalen Leistungsansprüchen arbeiten, sondern Spielräume für die Entfaltung kreativer Potenziale bieten. Wichtig ist, Kindern vielfältige Gelegenheiten zu bieten, ihre Interessen zu entdecken und in ersten Schritten zu entwickeln. Die Psychologin Barbara Fredrickson hat in ihren Forschungen gezeigt, dass das Verhältnis aus drei positiven Rückmeldungen zu einer kritischen Aussage hilft, damit Kinder ein positives Selbstbild aufbauen.

Braucht man selbst eine wertschätzende Grundhaltung, um einen positiven Blick auf Kinder zu haben?

Nur wer in der Lage ist, seine eigenen Stärken und Schwächen angemessen einzuschätzen, und ein entwicklungsorientiertes Selbstbild hat, wird auch in der Lage sein, Kindern als Beispiel zu dienen und sie aus einer authentischen Haltung zu fördern. Wer mit sich überkritisch umgeht, wird das auch mit den anvertrauten Kindern sein.

Führt die positive Sichtweise dazu, schlechte Rahmenbedingungen zu ignorieren?

Nein, aus Sicht der Positiven Pädagogik geht es darum zu analysieren, welche Bedeutung die Rahmenbedingungen, die Zusammenarbeit im Kollegium sowie die eigene Einstellung am Erfolg der pädagogischen Arbeit haben. So gibt es unter guten Rahmenbedingungen Einrichtungen, in denen eine schlechte Zusammenarbeit herrscht und sich zu viele Kolleg*innen überfordern. Umgekehrt weisen selbst unter schlechtesten Rahmenbedingungen manche Einrichtungen eine gute kollegiale Zusammenarbeit und gute Selbstfürsorge auf. 

Was kann Teams helfen, aus der pessimistischen Grundstimmung herauszukommen?

Einrichtungen wachsen, wenn sie drei Grundhaltungen praktizieren:

  • Seien Sie leidenschaftlich! Finden Sie heraus, was Sie an Ihrer Arbeit begeistert, und versuchen Sie es umzusetzen. 
  • Seien Sie visionär! Glauben Sie daran, dass Ihre Arbeit Sinn macht und dass Sie sie zusammen mit Ihren Kolleg*innen optimieren können.
  • Machen Sie es einfach! Sorgen Sie dafür, dass alles, was Sie unternehmen, verstehbar, persönlich bedeutsam und handhabbar ist.

Laufen pädagogische Fachkräfte Gefahr, sich zu sehr auf die Selbstoptimierung auszurichten?

Schwächen, Missstände oder Fehlentwicklungen müssen genauer betrachtet werden, aber ein zu starker Blick auf Defizite kann die Kräfte aller Beteiligten lähmen und zur Resignation beitragen. Anders als bei Konzepten der Selbstoptimierung, bei denen man versucht, sich so fit zu machen, dass man alles selbst kann, gehe ich davon aus, dass gerade die Schwächen Andockpunkte für mögliche Synergien sind. Gerade weil ich bestimmte Dinge nicht kann, bin ich für andere interessant, die dort ihre Stärke haben. Es geht doch nicht länger darum, dass jede*r alles, sondern dass jede*r etwas Besonderes kann. Stärkenförderung zielt also nicht auf Selbstoptimierung, sondern auf die Schärfung meines Blicks für das, was ich zur Teamarbeit beitragen kann. 

Fachbegriff erklärt: Positive Pädagogik

Die Positive Pädagogik vereint wissenschaftliche Erkenntnisse aus unterschiedlichen Feldern wie Psychologie, Pädagogik, Medizin (Salutogenese), Philosophie oder Neurobiologie.1 Sie lenkt den Blick auf die Stärken des Kindes, wertschätzende Interaktionen und Beziehungen, Selbstwirksamkeit.2

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