Was macht eigentlich eine Marte-Meo-Fachberaterin?Zusatzqualifikationen für die Kita (7)

Weg vom Fokus auf Verzögerungen und Auffälligkeiten – Tanja lenkt den Blick auf das Positive und hilft ihren Kolleg*innen dabei, Interaktionen mit Kindern zu analysieren und bewusst zu gestalten.

Was macht eigentlich eine Marte-Meo-Fachberaterin?
© privat

1. Wie sieht Ihr Aufgabenfeld in der Praxis aus?

Wenn es Kolleg*innen schwerfällt, Zugang zu einem Kind zu finden, kann ich mit ihnen gemeinsam die „Marte-Meo-Brille“ aufsetzen und gute Momente aufzeigen. Dafür werden einige Sequenzen mit dem Kind gefilmt und im Anschluss gemeinsam betrachtet. Das ermöglicht, auf Details und kleine Dinge zu achten, die im Alltag oft übersehen werden. Zudem kann man die Aufnahme stoppen, um miteinander zu sprechen und Sequenzen danach erneut anzusehen. Ich kann den Kolleg*innen passgenau zeigen, wo und wie sie ein Verhalten angewandt haben, auf das das Kind gut reagiert hat, ohne dass sie es gemerkt haben. Auch ohne zu filmen, ist es mir möglich, sie auf solche Momente direkt im Alltag hinzuweisen und damit Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Das Filmen ist jedoch weitaus effektiver und ein wichtiger Teil der Methode. Ebenso ist diese Art der Beobachtungen für Elterngespräche förderlich, konkret und wertschätzend.

2. Gibt es bestimmte Grundvoraussetzungen?

Es ist hilfreich, an positiver Interaktion und Kommunikation mit Menschen interessiert zu sein. Man sollte eine Kamera bedienen und die Sequenzen auf einem Gerät abspielen können, wobei das auch im Kurs gezeigt wird. Für die aufbauenden Weiterbildungen sollte man die Zeit aufbringen können, über die nötige Technik und über gewisse empathische und kommunikative Züge verfügen. Wer sich über die Grundqualifikation hinaus weiterqualifizieren möchte, braucht die Möglichkeit, Klient*innen für Beratungsprozesse zu finden.

3. Wie umfangreich war die Qualifizierung?

Die Grundausbildung zum Marte-Meo-Practitioner umfasst in der Regel vier bis sechs Tage und endet mit einer Präsentation vor der eigenen Fortbildungsgruppe. Hier wird das Grundwissen vermittelt und die Umsetzung geübt. Diese Fortbildung lässt sich gut in den Alltag einbinden, da es um ein bewussteres und achtsameres Interaktionsverhalten zwischen Menschen geht. Die darauf aufbauende Weiterbildung nennt sich Marte-Meo-Fachberater*in/Marte-Meo-Therapeut*in und dauert etwa anderthalb Jahre. Die finale Weiterbildung führt zum Abschluss als Marte-MeoSupervisor und umfasst mindestens zwei Jahre.

4. Wie kann das Wissen an die Kolleg*innen weitergereicht werden?

Die Kolleg*innen verinnerlichen bereits nach kurzer Zeit die Grundidee und achten bewusster auf ihren Umgang mit Kindern. Es findet außerdem ein permanenter Austausch statt, wenn Situationen aufgezeichnet und besprochen werden. 

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