"Wir brauchen eine Bestandsgarantie für Sprach-Kitas"Ein Interview mit dem Bundestagsabgeordneten Erik von Malottki

Mehr als 200.000 Menschen haben die Petition zum Erhalt der Sprach-Kitas unterzeichnet. Hat das Förderprogramm des Bundes nun doch eine Zukunft? Ein Interview mit dem Bundestagsabgeordneten Erik von Malottki, der die Kampagne unterstützt.

Wir brauchen eine Bestandsgarantie für Sprach-Kitas
© Ida Fries

Hätten Sie mit so einem Erfolg gerechnet?

Als die Sprach-Kitas im Sommer über das Ende des Förderprogramms informiert worden sind, brach ein Sturm der Entrüstung los und ich persönlich war entsetzt von dieser Entscheidung. Ich habe auch deshalb sofort Unterstützung zugesagt, als Wenke Stadach, Kita-Leiterin einer SprachKita aus meinem Wahlkreis, auf mich zugekommen ist, weil sie aktiv werden wollte. Alle Fachkräfte in den Einrichtungen, die Träger, Verbände, Gewerkschaften und auch die Eltern waren von Anfang an überzeugt, dass das Aus des Bundesprogramms ohne guten Übergang ein großer Fehler ist. Dazu kommt die fehlende Bestandsgarantie für die Sprach-Kitas seitens der Länder. Die Entschlossenheit aller Beteiligten, die Sprach-Kitas zu retten, trägt schlussendlich die Kampagne und hat dafür gesorgt, dass so viele Unterschriften zusammengekommen sind.

Damit ist das Förderprogramm noch nicht automatisch gerettet. Wie geht es nun weiter?

Am 17. Oktober findet im Bundestag eine Anhörung vor dem Petitionsausschuss des Bundestages statt. Hier wird die Petentin Wenke Stadach das Anliegen der Petition vortragen und das Bundesfamilienministerium wird sich positionieren. Wichtig ist jetzt eine parteiübergreifende Verständigung zwischen Bund und Ländern, um die Sprach-Kitas erhalten zu können. Wir brauchen eine Bestandsgarantie für die Sprach-Kitas in den neuen Staatsverträgen zwischen Bund und Ländern im Rahmen des Kita-Qualitätsgesetzes. Die Kampagne „Sprach-Kitas retten“ plant für den 19. Oktober einen bundesweiten Aktionstag. Zeitgleich wird im Haushaltsauschuss über den Einzelplan des Bundesfamilienministeriums beraten. 

Die Petition hat auch außerhalb der Fachwelt für Aufsehen gesorgt. Was können Sie uns über die Unterzeichnenden sagen?

Die Petition ist deshalb so erfolgreich, weil alle Beteiligten der Kampagne in den Einrichtungen gesammelt haben. Fachkräfte, Eltern, Großeltern und Freundeskreise haben auf Unterschriftenlisten ihre Bereitschaft zur Unterstützung deutlich gemacht. Auch die Unterstützung der Gewerkschaften und der Verbände sowie der Träger ist von großer Bedeutung. Alle sehen den großen Erfolg der SprachKitas, und auch wenn es gerade darum geht, den Status quo zu halten, verfolgen alle Beteiligten das Ziel, langfristig für mehr Sprach-Kitas im Land zu sorgen. Neben der alltagsintegrierten Sprachbildung, der Inklusionsarbeit, der Arbeit mit den Familien und der Digitalisierung geht es beim Ringen um die SprachKitas auch um die Frage, wie wir die Bedingungen in den Kitas noch besser gestalten können. 

Welche Chancen rechnen Sie der Petition aus?

Der Erfolg der Petition macht deutlich, wie groß die Unterstützung für die Sprach-Kitas im Land ist. Bund und Länder müssen sich jetzt zusammen schnell auf den Weg machen und einen guten Kompromiss im Sinne der Beschäftigten und der Familien in den Einrichtungen finden. Ohne die Petition wäre das Schicksal der Sprach-Kitas wohl schon besiegelt. Die Petition und das Engagement haben bereits dabei geholfen, dass die Bundesfamilienministerin alles dafür unternehmen wird, dass keine Fachkraft einer SprachKita ab dem 1. Januar 2023 auf der Straße steht. 

Sollten die Länder die Finanzierung des Programms übernehmen?

Langfristig ist die Übergabe der Sprach-Kitas vom Bund an die Länder der beste Weg für eine Verstetigung und Ausweitung des Konzepts. Hierfür benötigen wir einen geordneten Übergang, damit neben der Finanzierung auch die bewährten Strukturen übernommen werden und der Bestand jeder Sprach-Kita garantiert wird. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass der Bund mehr Verantwortung im Bildungsbereich übernehmen muss, also auch mehr in (frühkindliche) Bildung investieren muss. Das gehört für mich zur Pflicht, für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen.

Erik von Malottki vertritt die SPD-Fraktion im Bundestag in den Ausschüssen für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie im Petitionsausschuss. Als Stellvertreter gehörte er dem Bildungsausschuss an und engagiert sich seit Langem für die Verbesserung der Rahmenbedingungen von Erzieher*innen. 

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