Von Ameisen bis WeltallGesprächsszenen aus einer Kita

Wie und worüber kommunizieren Kinder miteinander? Erzieherin und Autorin Sandra Jestand hat ganz genau zugehört und die Dialoge für uns aufgeschrieben.

Von Ameisen bis Weltall
© Manuela Olten, Offenbach am Main

Ameisenrettung

Während der Ameisenbeobachtung im Außengelände entsteht folgendes Gespräch zwischen zwei Kindern im Alter von 2;6 und 3 Jahren: 

Max: „Ich habe eine Meise (Ameise) gefunden! Carla, komm mal schauen!“
Carla: „Oh, die ist ja groß.“
Max: „Ja, und sie hat Beine.“
Carla: „Und sie hat Augen. So wie wir.“
Max: „Aber mehr Beine als wir.“
Carla: „Aber die Augen sind gleich wie wir.“
Max: „Und sie ist ganz stark. So wie ich, sagt Papa. Schau mal, jetzt läuft weg.“
Carla: (ruft zur Erzieherin) „Wir brauchen was. Schnell!“ Erzieherin: „Was benötigt ihr denn? Und wofür?“
Max: „Na, für die Meise. Sie läuft weg.“
Carla: „Und dann wird sie tot gelaufen von den anderen Kindern.“
Max: „Und dann ist sie tot.“
Carla: „Wir brauchen ein Karton.“
Max: „Dann kann sie da schlafen und viele Beine ausruhen.“ (Erzieherin bringt einen alten Schuhkarton.)
Carla: „Wir brauchen noch ein Blatt.“ (Carla und Max sammeln Blätter vom Boden auf.) 
Carla:
„So, jetzt hat sie Fußboden im Karton.“ 
Max: „Jetzt kann sie schlafen. Ich bin auch müde. Wann gibt es Mittagessen?“

Meere und Berge von oben sehen

Wir sind mit drei Kindern auf dem Weg zu einem Briefkasten. Während des Spaziergangs sprechen die 6-jährigen Mädchen über die bevorstehenden Ferien und kommen darüber auf das Thema Weltall.

Anette: „Nur noch zehn Mal schlafen, dann sind Sommerferien.“
Marlene: „Nein, es sind schon Sommerferien, nur wir haben keine.“
Anette: „Wenn schon Ferien sind, warum haben wir dann keine?“
Paula: „Das würde mich auch interessieren.“
Marlene: „Also meine große Schwester sagt, in der Schule ist es viel anstrengender als im Kindergarten. Deswegen hat sie viel länger Ferien als ich.“
Anette: „Das ist aber gemein.“
Marlene: „Aber dafür fliegen wir im Urlaub weg.“
Anette: „Ich bin auch schon geflogen.“
Paula: „Ich bin noch nie geflogen.“
Anette: „Das ist schön. Das siehst du die Wolken von oben. Und das Meer und die Berge. Alles von oben. Wie wenn du im Himmel bist.“
Marlene: „Du fliegst ja auch im Himmel.“
Paula: „Nein, man fliegt im All.“
Marlene: „Aber dann würdest du doch den Mond sehen und nicht die Erde. Im All sieht man den Mond.“
Paula: „Hm (denkt nach). Vielleicht ist das All ja im Himmel?“
Marlene: „Oder der Himmel ist im All? Aber wo ist dann die Sonne? Hast du die beim Fliegen auch gesehen?“
Anette: „Nein, die Sonne sieht man im Flugzeug nicht, glaube ich.“
Marlene: „Dann fliegst du auch nicht auf der Erde. Von da sieht man die Sonne.“

Der Briefkasten ist erreicht und das Gespräch vorläufig beendet

Eine Ritterburg mit mehr

Zwei Jungen im Alter von 4 und 6 Jahren wollen zusammen mit Legos bauen. Zur Diskussion stehen eine Burg oder ein Bauernhof. 

John: „Komm, lass uns eine Burg bauen.“
Philipp: „Lieber einen Bauernhof und dann stellen wir ganz viele Tiere dazu.“
John: „Das ist langweilig. Wir bauen eine Burg und dann werden wir angegriffen und müssen uns verteidigen. Dafür müssen wir erst mal alle Figuren raussuchen, die es gibt.“
Philipp: „Okay. Aber unsere Ritter werden die Burg so gut verteidigen, dass sie nicht zerstört wird.“
John: „Natürlich, wir sind doch die stärksten und mutigsten Kämpfer, die es gibt. Wir geben unsere Burg nicht her.“ (Beide bauen.)
John: „Wir könnten noch einen Pool einbauen.“
Philipp: „Warum denn das?“
John: „Die Ritter müssen schwimmen lernen. Ich lerne auch gerade schwimmen. Jeden Nachmittag gehe ich mit Mama an den See und gehe ins Wasser. Erst wenn man schwimmen kann, ist manrichtig groß. Und unsere Ritter sollen auch schwimmen können.“
Philipp: „Ich gehe nicht an den See, da ist es zu tief. Ich gehe nur ins Freibad. Aber ich kann noch nicht schwimmen. Kann ich trotzdem ein starker Ritter sein?“
John: „Ja, du bist auch noch klein. Du kannst Ritter sein, ohne schwimmen zu können.“
Philipp: „Okay. Bauen wir nun einen Pool oder sollen wir lieber doch den Bauernhof bauen?“
John: „In einer Burg gibt es keinen Bauernhof.
Philipp: „Aber die Ritter müssen doch was essen. Und das wird auf dem Bauernhof gepflanzt. Was sollen die denn sonst essen?“
John: „Okay. Dann lass uns einfach beides bauen. Okay?“
Philipp: „Okay.“ 

Freihändig über Lava balancieren

Drei Mädchen im Alter von 5 und 6 Jahren spielen auf einem Balanciergerät im Außengelände. 

Renata: „Schau mal, wie gut ich schon balancieren kann.“
Alexandra: „Ja, ich kann das auch schon. Schau mal.“
Renata: „Bist du auch im Ballett und im Kinderturnen?“
Alexandra: „Nein, das kostet zu viel Geld.“
Renata: „Du machst das aber trotzdem so gut. Wo hast du das gelernt, wenn du nicht im Ballett bist?“
Alexandra: „Von zu Hause und vom Spielplatz und vom Kindergarten hier.“
Renata: „Sollen wir es mal versuchen zu balancieren, ohne mit den Händen festzuhalten?“
Alexandra: „Au ja! Und unter uns ist Vulkan-Lava, die dürfen wir nicht berühren mit den Füßen.“
Renata: „Der ganze Sand ist Lava und wir dürfen überhaupt den ganzen Sand nicht berühren. Wir dürfen nur auf den Seilen oder dem Holz laufen.“
Alexandra: „Ja, sonst verbrennen wir uns die Füße.“
Renata: (ruft ein drittes Mädchen dazu) Claudia, spielst du auch mit?“
Claudia: „Ja, warte. Ich renne schnell auf das Holzpodest, damit meine Beine nicht brennen!“
Renata: „Lava ist wirklich sehr heiß, da müssen wir ganz doll aufpassen.“
Claudia: „Warum ist das eigentlich so heiß?“
Alexandra: „Weil es aus dem Vulkan kommt und wenn er spuckt, dann wird es heiß.“
Renata: Jetzt lasst uns mal balancieren ohne Hände. Ich rufe „Los!“. Und dann laufen wir!

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