Ein Schutzkreis für SchneeglöckchenWiesenleben im Spätwinter

Regenwürmer in Not, Gänseblümchen für Bienen – in einem naturbelassenen Kita-Garten inmitten der Stadt entdecken Kinder die ersten kleinen Tiere und Wildblumen. Wie das eine mit dem anderen zusammenhängt und was die Natur Wundersames erfindet.

Ein Schutzkreis für Schneeglöckchen
© Maria Sieberer-Semo, Wien

Im Regen waren Regenwürmer auf die Steinplatten unseres Außengeländes gekrochen. Dort lagen sie und wären vertrocknet, hätte Lia sie nicht entdeckt. Sie legt Valentina und Elena einen Wurm auf die Hand, zusammen tragen sie sie vorsichtig zurück ins Gras. Einige Kinder halten sich auf der Wiese auf und pflücken die Blüten von Gänseblümchen. Eine Erzieherin ruft ihnen zu, nicht so viele abzureißen, denn sie seien nach dem Winter das erste Futter für Bienen. Lia ergänzt: „Nur wer sagt: ‚Stopp, nicht abreißen, das ist die Natur‘, der ist ein Naturschützer.“ Simon stimmt ihr zu: „Ein Naturschützer macht, dass die Natur nicht kaputt wird, sonst gibt es keine Pflanzen mehr.“ Daraufhin beginnt eine Sammelaktion. Die Kinder stellen „Bienenfutter“ her, wie Fabienne es nennt. Sie laufen durch den Garten und suchen die abgefallenen Blütenstände der Hexenhasel zusammen. Es bilden sich kleine Gruppen. Eine sammelt, eine bringt die Sammelstücke an bestimmte Plätze. Dort werden die Samenstände abgerieben. Die „Geheimzutaten“ werden vermischt und für Bienen bereitgelegt.

Ein Frühblüher und wie er sich vor Frost schützt

Bei diesem emsigen Treiben entdecken die Kinder Schneeglöckchen auf dem Nachbargrundstück. In einem eingezäunten Bereich stehen viele davon; drei Schneeglöckchen haben sich anscheinend bis in unseren Garten vermehrt. Die Kinder beginnen, Zweige um die Schneeglöckchen zu legen, um die Stelle besser sichtbar zu machen. „Wir machen einen Schutzkreis, damit niemand aus Versehen draufsteigt“. Und wirklich: Bis die Schneeglöckchen verblüht waren, ist niemals jemand auf sie getreten. Das ist sehr beeindruckend, denn manchmal sind bis zu 90 Kinder gleichzeitig im Garten.
Die Schneeglöckchen in unserem Garten machen es notwendig, über die Giftigkeit mancher Blumen zu sprechen. Zu diesem Zweck graben wir ein Exemplar aus und schauen es genauer an. Die Kinder beeindruckt, dass das Schneeglöckchen eine Art „Schutzmittel“ gegen die Kälte in sich hat, damit es nicht erfriert. Eisige Kälte können sich die Kinder gut vorstellen. Wenn sie im Winter ihre Handschuhe ausgezogen haben, wurden ihre Hände sehr schnell sehr kalt. Das kann richtig wehtun. Für die Kinder ist das eigene giftige „Frostschutzmittel“ der kleinen Blume eine richtig gute Idee. Das Schneeglöckchen wird mit der Lupe vom Blütenkopf bis zur Wurzel genau untersucht und gezeichnet. Warum kommt die kleine Blume so zeitig aus dem Boden? Wie kommt sie überhaupt durch die feste Erde? Am nächsten Tag bringen wir das Schneeglöckchen wieder an seinen ursprünglichen Platz.

Hinweis: Schneeglöckchen zu berühren ist im Normalfall ungefährlich. Danach sollten die Hände trotzdem gründlich mit Seife gewaschen werden. Werden die Pflanzenteile, insbesondere die Zwiebel, jedoch gegessen, kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen.

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