Kochen in der KitaEin Interview mit der Köchin Nilda Bezerra

Kochen in der Kita
© Tay Moreira, Berlin

Sie kochen seit zehn Jahren für Kinder. Davor waren Sie Küchenchefin in brasilianischen Restaurants. Was lieben Sie an Ihrem Beruf?
Ich koche gern, um mit Lebensmitteln zu experimentieren - zum Beispiel mit neuen Gewürzen oder mit Gemüsesorten, die wenig genutzt werden. Dadurch komme ich auf neue Gerichte, Geschmacksnoten und Speisezusammenstellungen. Es gefällt mir, meine neuen Ideen und Experimente mit anderen zu teilen, die Meinung der Menschen zu hören, für die ich gekocht habe, und zu erfahren, dass es ihnen geschmeckt hat, dass sie zufrieden sind oder sogar glücklich über das Essen.

Ist es leichter für Kinder oder für Erwachsene zu kochen?
Kinder sind spontaner als Erwachsene. Ihnen hat das Essen entweder geschmeckt oder nicht. Fragt man sie danach, dann antworten sie ehrlich mit „Ja“ oder „Nein“. Erwachsene wollen die Köchin oder den Koch natürlich auch wertschätzend behandeln. Sie vergleichen das Gericht mit eigenen Erfahrungen und achten mehr darauf, wie die Speisen angerichtet wurden, oder versuchen, einzelne Gewürze herauszuschmecken. So kommt man dann über das Essen selbst ins Gespräch. Mir gefällt aber beides.

Welches Gericht gehört unbedingt auf den Speiseplan einer Kita?
Frisches Gemüse, frisches Obst, frische Kräuter, Hülsenfrüchte, Hirse, Bulgur, Reis und Getreide im weitesten Sinn gehören zu jeder Mahlzeit. Ich meine damit aber nicht ein einzelnes Gericht, sondern die Kombination dieser Zutaten, die sich auf dem Speiseplan jeder Kita finden sollten. Natürlich ergänzt durch gute Speiseöle und Milchprodukte wie Quark, Käse oder Sahne.

Welche Geschmacksrichtungen und Zubereitungsarten mögen Kinder besonderes? Was kommt nicht so gut an?
Gutes, schmackhaftes Essen zu erkennen, muss man erlernen. Natürlich werden die Kinder von Werbung, ihrer Umwelt, ihrer Familie und von Freund*innen beeinflusst. Manche Kinder kennen die Produkte überhaupt nicht, die ich gern verwende - wie z.B. Hirse oder etwa rote Beete als Rohkostsalat. Über ihr Geschmacksempfinden lernen sie aber, dass dies tolle und leckere Lebensmittel sind, auch wenn es sie zu Hause nie gibt. Ich hoffe und glaube, dass sie die erlernten Ernährungsgewohnheiten dann in ihr weiteres Leben mitnehmen.

Wie reagieren Sie, wenn einem Kind kaum etwas schmeckt oder es wenig isst?
Kinder wählen gern aus. Die meisten Salate bzw. Gemüse biete ich deshalb separat auf einem Teller an anstatt vermischt in einer Salatschüssel. Das eine Kind isst gerne Gurken, das andere lieber Mais und so können sie selbst auswählen, was sie essen. Bei uns haben sie natürlich auch das Recht, etwas nicht zu essen und auf dem Teller zurückzulassen. Eigentlich erlebe ich es nie, dass ein Kind etwas Neues gar nicht essen mag. Und dann ist da auch noch der Gruppeneffekt: Sie motivieren sich gegenseitig, neue Gerichte oder Zutaten auszuprobieren. Bisher gab es so gut wie gar keine Fälle, in denen sich Kinder ganz verweigert haben.

Worauf legen Sie großen Wert bei der Verköstigung von Krippen- und Kitakindern?
In erster Linie darauf, dass frische Lebensmittel angeboten werden, dass es ein möglichst breites Angebot gibt und dass auch mal etwas Neues ausprobiert wird, das die Kinder bisher nicht kannten. Darüber hinaus kann ich als Köchin solche Entscheidungen jedoch nicht allein treffen, sondern nur gemeinsam mit allen, die in der Krippe oder Kita arbeiten. Glücklicherweise sind wir uns im Team einig, dass gesunde Ernährung von den Kindern erlernt werden kann. Deshalb wird auch über die Essenszeiten hinaus mit ihnen über das Thema gesprochen.

Gibt es für Sie ein absolutes „No-Go“ in der Küche und beim gemeinsamen Essen mit Kindern?
Uns ist wichtig, dass alle gemeinsam essen, also die Kinder, Erzieher*innen und ich. Meine Regel ist, dass nicht schlecht über Lebensmittel oder Gerichte gesprochen wird. Im Vordergrund stehen das Achten und Wertschätzen von Lebensmitteln. Wir möchten vermitteln, dass jedes Produkt angebaut, geerntet, geschält und zubereitet werden muss, bevor es auf unsere Teller kommt. So gesehen gehören Kochen und gemeinsames Essen zum praktischen Teil der Erziehung, die unsere Kita leistet. Ich bin viel mehr als nur die Köchin, sondern Teil des Teams.

Verraten Sie uns Ihr Erfolgsrezept beim Kochen?
Das ist ganz einfach: Liebe und Leidenschaft für das, was man macht. Aber das ist bestimmt nicht nur das Erfolgsrezept von Köch*innen.

Interview: Susanne Weiss, Redaktion kindergarten heute

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