Kooperieren mit der Carlo-Mierendorff-SchuleGelungene Vernetzung im Sozialraum (4)

Der Vor-Schüler-Club gehört mittlerweile zum Kita- und Grundschulalltag im Wiesbadener Stadtteil Kostheim. Im 14-tägigen Turnus treffen sich die Vorschüler/-innen zu Projekten und können ganz nebenbei ein wenig „Schulluft “ schnuppern.

Gelungene Vernetzung im Sozialraum (4): Kooperieren mit der CMS
© Vera Witkowski, Wiesbaden

Seit fünf Jahren gibt es den Vor-Schüler-Club in der Carlo-Mierendorff- Schule in Alt-Kostheim. Die Schule kooperiert mit den angegliederten katholischen Kindertagesstätten St. Kilian und Maria-Hilf, den evangelischen Kindertagesstätten der Michaels- und Stephanus- Gemeinde sowie der AWO-Kita „Norbert- Sieben“. Anlass für die verstärkte Zusammenarbeit der Grundschule mit den Kitas war die „Wiesbadener Vereinbarung“1, eine Initiative der Stadt Wiesbaden, die zum Ziel hat, Kinder und deren Eltern besser auf den Übergang in die Grundschule vorzubereiten. Die aus den Kindertagesstätten und Grundschulen gebildeten lokalen Netzwerke erhalten hierfür finanzielle Unterstützung von der Stadt, die für gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen, Materialien oder Honorarkräfte eingesetzt werden kann. Eine eigens eingerichtete Koordinationsstelle unterstützt und begleitet die Netzwerke in ihren Planungen.

Fit für die Schule, von Anfang an – der Vor-Schüler-Club

Der Vor-Schüler-Club2 ist eines von über 150 Projekten, die an Wiesbadener Grundschulen und Kindertagesstätten umgesetzt werden. Das Konzept dazu haben die beteiligten Partner gemeinsam erarbeitet. Ihnen war es von Beginn an wichtig, dass das Projekt fortlaufend und regelmäßig angeboten wird und nicht nur an einem oder wenigen Tagen im Jahr. Und damit bekam der Vor- Schüler-Club einen festen Eintrag im Kalender: Die eineinhalbstündigen Treffen in den Räumlichkeiten der Schule finden in einem 14-tägigen Turnus statt, immer im Vorschuljahr zwischen den Herbst- und den Sommerferien.
Die Vorschüler/-innen werden von pädagogischen Fachkräften aus dem Netzwerk – vorschulisch und schulisch – sowie von einer Honorarkraft betreut. Bei jedem Clubtreffen unterstützt eine Fachkraft aus einer der Kindertagesstätten – je nach Anzahl der Kinder aus der Einrichtung. Die Schule wiederum stellt zwei Lehrkräfte frei, damit diese die Leitung und die Organisation des Clubs übernehmen können. Auch ältere Schülerinnen und Schüler der Carlo-Mierendorff-Schule helfen ganz selbstverständlich mit.

Das Clubleben

Alle Vorschüler und -schülerinnen erhalten einen Clubausweis mit Namen, Foto und dem Clublogo. So können sich die Kinder leichter mit dem Club identifizieren und die Erwachsenen haben die Möglichkeit, die Kinder direkt mit Namen anzusprechen. Um die Anwesenheit zu überprüfen und die Jungen und Mädchen zur regelmäßigen Teilnahme zu motivieren, erhält jedes Clubmitglied zudem einen Stempelplan.
Während der Treffen bearbeiten die Vorschüler/-innen kleinere Projekte, die in der Regel über zwei bis drei Sitzungen laufen. Vor dem Start wird die Beteiligung der einzelnen Kindertagesstätten an den verschiedenen Themen festgelegt. So haben diese die Möglichkeit, sich mit Ideen, konkreten Angeboten oder Materialien einzubringen. Die finale Planung übernimmt dann die Schule. Die Eltern erhalten eine Auflistung der Termine und der Themenplanung. Auch über die Schulhomepage und Aushänge in den Kindertagesstätten können sie sich über die einzelnen Sitzungen informieren.
Gestartet wird das Clubjahr stets mit dem Kennenlernen der anderen Kinder, der Schule sowie mit den Schulwegen („Meine Schule und ich“). Es folgen jahreszeitlich orientierte Themen („Es weihnachtet sehr“, „Der Frühling kommt“) ebenso wie Naturwissenschaftliches („Wir forschen und entdecken“, „Was wächst denn da?“) und Literarisches („Lesen macht Spaß!“, „Ein Bilderbuch entsteht“). Bei „Gesund und fit – wir machen mit!“ geht es um Bewegung, gesunde Ernährung und Zahnpflege: Unter anderem wird eine „Wintersport-Bewegungslandschaft“ in der großen Schulturnhalle angeboten und die Kinder bereiten Obstquark oder bunte Brotgesichter zu. Zu Beginn oder zum Abschluss eines jeden Treffens werden Club-Lieder gesungen. Zum Ende hin findet das große Vor-Schüler- Club-Abschlussfest statt. Als Erstklässler dürfen die Kinder dann eines der gelernten Lieder bei der Einschulungsfeier auf der Bühne präsentieren.
Die Teilnehmer/-innen halten sich übrigens nicht nur in den Räumlichkeiten der Schule auf, sondern besuchen auch regelmäßig außerschulische Lernorte. So gehen sie unter anderem die Schulwege mit einem Schutzmann vor Ort ab, machen in den Osterferien einen Tagesausflug in den Tierpark oder auf den Abenteuerspielplatz, besuchen die Stadtteilbibliothek und den Kindertreff in Kostheim.

Angebote für die Eltern

Um auch die Eltern als Erziehungspartner noch stärker miteinzubeziehen, findet seit letztem Jahr ein- bis zweimal jährlich ein Vor-Schüler- Club-Elternstammtisch statt. Hierzu sind alle beteiligten Fachkräfte sowie alle Eltern eingeladen. Von Beginn an werden die Eltern in Gesprächen, Zwischen- und Abschlussumfragen sowie am Abschlussfest in die Gestaltung und Evaluation mit eingebunden. Diese frühe Vernetzung ermöglicht eine unbürokratische Kommunikation zwischen Elternhaus und Schule. Außerdem können die Familien bereits ein Jahr früher am Schulleben, z. B. an Festen oder Elternfortbildungen, teilnehmen.

Herausforderungen

Da die Treffen am Nachmittag stattfinden, gestaltet sich der Transport der Ganztagskinder zur Schule immer wieder problematisch. Die berufstätigen Eltern können dies nicht immer so ohne Weiteres leisten. Die meisten Einrichtungen haben aufgrund ihrer personellen Strukturen nicht die Möglichkeit, den Hol- und Bringdienst für alle Termine zuverlässig zu übernehmen. Doch wann immer es geht, unterstützen die frühpädagogischen Fachkräfte die Eltern in der Organisation.
Fällt ein Erzieher oder eine Erzieherin zur Unterstützung des Clubtreffens aus, ist es Aufgabe der Schule, das Programm kurzfristig umzugestalten oder eigenes zusätzliches Personal für den Nachmittag zu organisieren. Alternativ sprechen auch einige Kindertagesstätten Kita-Eltern im Vorfeld an, die kurzfristig bei Personalengpässen einspringen können und unterstützend tätig werden. Durch eine gute Kooperation aller Beteiligten und eine direkte Kommunikation im persönlichen Gespräch oder per Mail lassen sich aber auch diese Herausforderungen gut meistern.

Vorteile und Nutzen

Zweimal im Jahr finden Kooperationstreffen statt, bei der die Partner das Projekt bewerten und Ideen zur Verbesserung entwickeln. Trotz mancher organisatorischer Schwierigkeiten profitieren alle Beteiligten von den regelmäßigen Treffen. Denn:

Die Kinder

  • erleben einen fließenden Übergang in die Schule,
  • können sich in der näheren Schulumgebung (Schulwege) sowie auf dem Schulgelände orientieren (Schulhof, Schulgebäude),
  • lernen vor Schuleintritt die Lehrer/-innen kennen,
  • machen sich mit schultypischen Regeln und Ritualen vertraut (Pausen, Hausaufgaben, Schulmaterialien),
  • knüpfen Kontakte zu ihren zukünftigen Mitschülerinnen und Mitschülern, auch außerhalb der eigenen Kindertagesstätte (insbesondere bei Zuzug im Vorschuljahr),
  • üben sich darin, mit anderen Lernenden zusammenzuarbeiten und sich in eine Großgruppe einzugliedern,
  • werden zunehmend verantwortungsvoller und selbstständiger (An- und Ausziehen, Aufpassen auf persönliche Dinge, Anfertigen und Vorzeigen der Hausaufgaben),
  • nehmen aktiv an der Einschulungsfeier teil.

Die Eltern

  • machen sich frühzeitig mit schultypischen Regeln vertraut (Abholen des Kindes zu einem festgelegten Zeitpunkt auf dem Schulhof, Packen des „Ranzens“…),
  • treten vor Schuleintritt mit der Schulleitung in Austausch,
  • lernen die Lehrer und Lehrerinnen der Grundschule kennen,
  •  lernen die anderen Eltern des zukünftigen Jahrgangs vor Schuleintritt kennen,
  • nehmen vor Schuleintritt am Schulleben teil (Teilnahme an Festen und Projekten, Mitgliedschaft im Schulförderverein, Informationen rund um die Schule),
  • lernen die Schule und deren Profil besser kennen, fühlen sich der Schule schneller zugehörig und trauen sich, Fragen zu stellen.

Die Erzieher/-innen

  • können ihre vorschulische Arbeit besser mit der Schule abstimmen,
  • können ihre Ideen und Erfahrungen mit einbringen,
  • erleben die Kita-Kinder in einem anderen Rahmen als der eigenen Einrichtung,
  • haben die Möglichkeit, die Lehrer/-innen der Grundschule kennenzulernen; dadurch wird die Kommunikation untereinander gewährleistet.

Die Lehrer/-innen

  • können mit Kindern und Eltern schon vor Schuleintritt in den Austausch treten
  • können die Kinder in ihrer Persönlichkeit, in ihren Stärken und Schwächen einschätzen und dies zur Einschätzung der Schulfähigkeit, zur Klassenzusammensetzung sowie zur gezielten und optimalen Förderung nach Schuleintritt nutzen.

Fazit

Was ursprünglich als einjähriges Pilotprojekt startete, ist aus unserem Schulalltag mittlerweile gar nicht mehr wegzudenken. Auch für die Kindertagesstätten ist der Vor-Schüler-Club ein fester Bestandteil in der Vorschularbeit, der die gute Zusammenarbeit mit der Grundschule festigt. Für die Kinder in Alt-Kostheim sind die Brücken für einen gelungenen Übergang vom Kindergarten in „ihre“ Grundschule gebaut. 

Kooperationen gesucht!

Lassen Sie andere Fachkräfte an Ihrer gelungenen Kooperation teilhaben und schicken Sie uns Ihre Dokumentation zusammen mit den passenden Fotos. Wir freuen uns auf Ihre Einsendung an redaktion@kindergarten-heute.de

Was der Kooperationspartner zum gemeinsamen Projekt sagt:

"Der Vor-Schüler-Club ist eine gute Sache. Durch die Zusammenarbeit sind wir alle ein wenig ‚zusammengerutscht‘. Schule, Kitas, Eltern – alle sind miteinbezogen. Der Übergang von Kita und Schule funktioniert nun problemlos: Die Kinder sind mittlerweile ganz ‚heiß‘ auf die Schule. Die Eltern kennen schon mal die Lehrer/-innen. Ängste wurden abgebaut und Brücken geschlagen. Von Anfang an waren wir Kitas in das Projekt eingebunden und konnten unsere Ideen einbringen. Bevor der Vor-Schüler-Club jedes Jahr startet, überlegen wir, zu welchem Thema eine Mitarbeiterin was beisteuern kann. Beispielsweise hatte eine Kollegin im vergangenen Jahr die Idee, Experimente mit Farben anzubieten. Das ist total gut angekommen und soll in diesem Jahr wiederholt werden. Auch wenn die Kolleginnen zu Beginn des Kooperationsprojekts den zusätzlichen Aufwand ein wenig scheuten, sind sie mittlerweile überzeugt. Das hat auch damit zu tun, dass wir bei den Treffen die Möglichkeit haben, auch die anderen Vorschulkinder kennenzulernen. Wir sehen dann unsere im Vergleich. Das erleichtert uns die Einschätzung der Schulfähigkeit und wir können den Eltern besser Auskunft geben.
Die Kinder waren übrigens ebenfalls ein wenig skeptisch, weil sie nicht wussten, was auf sie zukommt. Dadurch jedoch, dass die Vorschüler/-innen den anderen von den Treffen erzählen, sind die Kinder mittlerweile ganz stolz, wenn sie zum Vor-Schüler-Club gehen dürfen. Am ersten Kitatag nach den Ferien kam zum Beispiel ein Mädchen zu mir und meinte: ‚Ich bin jetzt schon eine Große und gehe nächstes Jahr in die Schule. Jetzt darf ich auch zum Vor-Schüler-Club!‘ Auch für die Eltern ist das Projekt wichtig geworden. So fanden in den ersten Jahren die Treffen an einem Wochentag statt, an dem der örtliche Turnverein Kinderturnen anbietet. Nachdem die Eltern uns darauf aufmerksam gemacht haben, haben wir dies dann bei der Planung im nächsten Jahr berücksichtigt.
Als langjährige Kitaleiterin kann ich außerdem sagen, dass durch die enge Zusammenarbeit die Kommunikation mit dem Rektorat offener geworden ist. Wir sprechen mittlerweile auf einer Ebene, das ist sehr positiv. Bei den jährlichen Auswertungsgesprächen überlegen wir gemeinsam, was verbessert werden kann.
Ein solches Projekt kann ich auch anderen Kitas empfehlen, da es die Einschulung der Kinder enorm erleichtert. Doch ich muss auch sagen: Ohne den finanziellen Zuschuss der Stadt wäre es für uns als Kita schwierig, das Kooperationsprojekt zu stemmen."

Ulrike Weißenberger, Leiterin Kita St. Kilian, Mainz – Kostheim 

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