Das Bild des Islam in den MedienRassismus im neuen Gewand

Islamfeindlichkeit in der deutschen Öffentlichkeit ist seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten eine stabile Größe. Wie verhält sich die Medienlandschaft zum Thema Islam: Wird neutral berichtet oder werden fremdenfeindliche Stereotypen manifestiert? Inwiefern wird Islamfeindlichkeit medial verschärft?

Alle demoskopischen und sozialwissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung den Islam als Bedrohung, als gewaltbereit und als nicht passend zum Westen betrachtet. Vorurteile existieren in manifester und latenter Form, das Islambild ist deutlich schlechter als das anderer Weltreligionen.

Natürlich gibt es Differenzierungen zwischen weniger vorurteilsbelasteten jüngeren und stärker vorurteilsbelasteten älteren Menschen. Die vielfach diskutierte stärker ausgeprägte Islamfeindlichkeit auf dem Gebiet der ehemaligen DDR (rund 10 Prozent) ist nicht wegzudiskutieren, allerdings zeigen statistische Bereinigungen, dass die Nord-Süd-Differenz in Deutschland gleich stark ausfällt, wobei die südlichen Bundesländer in Deutschland in etwa 10 Prozent höhere Werte im Bereich der Islamfeindlichkeit aufweisen.

Wissenschaftler gehen heute ganz überwiegend davon aus, dass es sich bei dem gesamten Komplex weniger um Ängste als vielmehr um sogenannte gruppenbezogene „Menschenfeindlichkeiten“ handelt, da dem Islam und den Muslimen eine erhöhte Gewaltbereitschaft und kulturelle Unverträglichkeit unterstellt wird, die einen neuen sogenannten „kulturellen Rassismus“ begründet. Etwas mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung gelangt in die Nähe eines rassistischen Islambildes. Deutschland ist damit der amtierende „Europameister“, auch wenn Islamfeindlichkeit ein gesamteuropäisches Phänomen und keineswegs beschränkt auf Deutschland ist.

Tröstend lässt sich vermerken, dass Islamfeindlichkeit in der Regel virulent bleibt, sie muss nicht zwangsläufig zu Diskriminierungen im Alltag, zur Unterstützung rechtsradikaler oder rechtspopulistischer Parteien oder gar zur Ausübung von islamfeindlicher Gewalt führen: Phänomene, die allesamt in unserer Gesellschaft vorhanden sind, wobei Umfang und Ausmaß aber nicht identisch mit islamfeindlichen Einstellungen sein müssen, da Einstellung und Handlung nicht immer Hand in Hand gehen.

Mediale Beeinflussung?

Welche Rolle spielen die Medien im Bereich der Islamfeindlichkeit? Die Rassismusforschung kennt diverse klassische Einflussbereiche: Werte und Ideologiemuster der Sozialisation, soziale Faktoren, Bildung und persönlicher Kontakt gehören dazu. Die Medien sind in diesem Panorama nicht klar zu verordnen, aber man kann wohl mit Fug und Recht sagen, dass sie eine Rolle auf allen genannten Ebenen spielen. Medienbilder beeinflussen die Entwicklung von politischen Einstellungen und Ideologien.

Wir müssen uns von einem Bildungsbegriff verabschieden, der Bildung allein in den klassischen Institutionen der Schulen und Hochschulen verankert, die Medien spielen in der sogenannten „Mediengesellschaft“ eine große Rolle. Mediendiskurse haben sogar einen Einfluss auf die soziale Befindlichkeit der Bevölkerung, da in dem soziologischen Konstrukt der relativen Deprivation heutzutage weniger reale Einkommensverhältnisse als vielmehr subjektive Wohlstandsbefindlichkeiten gemessen werden: Die Frage also, wie gut oder schlecht glaubt der Einzelne, dass es ihm oder ihr im Vergleich zu anderen Teilen der Gesellschaft geht? Medieninformationen beeinflussen zudem den persönlichen Austausch zwischen Mehrheiten und Minderheiten, da Medienbilder auch im persönlichen Kontakt auf der sogenannten Beziehungsebene Einfluss auf die interpersonale Kommunikation nehmen können.

Die große Wirkung von Medien im Bereich des Rassismus wird auch deutlich, wenn man sich die Genese des Antisemitismus in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg anschaut: Der Rückgang des Antisemitismus wäre ohne die Aufklärungsarbeit der Massenmedien seit den sechziger Jahren wohl kaum denkbar gewesen. Daher nimmt es insgesamt nicht Wunder, dass die Erforschung des Islambildes in westlichen Ländern heute ein etablierter Forschungszweig in den meisten westlichen Staaten ist.

Es ist nicht ganz leicht, einen Durchschnittswert der Islambilddarstellung in den Medien zu formulieren, aber insgesamt lässt sich sagen, dass das Islambild in den meisten westlichen Medien ebenso negativ ist wie das öffentliche Meinungsbild. Öffentliche und veröffentlichte Meinung korrelieren also in hohem Maße miteinander, sodass eine starke Wirkung der Medien oder aber auch eine Wechselwirkung zwischen beiden Bereichen angenommen werden kann. Natürlich ist methodisch hier auf bestimmte Grenzen der Stereotypen- und Vorurteilsforschung hinzuweisen. Das Medienbild ist keineswegs nur rassistisch geprägt, Mediendiskurse enthalten mehr als Feindbilder, auch sachliche, faktische und neutrale Informationen. Dennoch lassen sich in Mediendiskursen heutzutage Mikro- und Makrostrukturen finden, die Islamfeindlichkeit befördern können. Die Kunst der Analyse besteht nun darin, diese gefährlichen Strukturen zu erkennen, ohne gewisse Leistungen der Medien im Bereich der Informationsvermittlung gänzlich leugnen zu wollen.

Mediale Semantik und Feindbilder

Zu den Mikrostrukturen des Islambildes in den Medien gehören sprachliche Begriffe, sprachliche Stereotype und visuelle Stereotype. Eine fehlerhafte Benutzung von Begrifflichkeiten kann unterschwellig Islamfeindlichkeit befördern, ohne dass den Nutzern immer klar ist, worin diese Zusammenhänge bestehen. Ein Begriff wie „islamistischer Terror“ scheint einerseits eine Differenzierung zwischen Islam und Islamismus vorzunehmen, andererseits gibt es bei näherer Betrachtung kein Pendant für den Bereich des Christentums (Christizismus?).

Außerdem entsteht der Eindruck, es handele sich beim „Islamismus“ um den „-Ismus“ des Islams, obwohl es zahlreiche Varianten politischer Ideenbildung im islamischen Bereich gibt, darunter auch einen völlig gewaltfreien Reformislam. Ältere Sprachkonventionen der achtziger und neunziger Jahre wie „islamischer Fundamentalismus“ sind insofern geeigneter, als sie erstens durch ihre Ähnlichkeit zum „christlichen Fundamentalismus“ eine Gleichrangigkeit signalisieren und zweitens nicht einfach ein Derivat vom Wortstamm „Islam“ sind. Der Begriff „Dschihadismus“ ist noch korrekter, weil ja schließlich auch Formen des Fundamentalismus gewaltfrei sein können, siehe die Klassifikationen der „International Crisis Group“ (ICG), aber dieser Begriff ist überwiegend in Fachkreisen und weniger in Massenmedien verbreitet.

Insgesamt sollte man vorsichtig sein, den Islam mit Begriffen wie Terrorismus in Verbindung zu bringen: Es ist das Selbstbild solcher Organisationen wie dem sogenannten Islamischen Staat (IS), politische Repräsentanten des Islams zu sein, der Mainstream der islamischen politischen Ideologie ist aber nicht extremistisch, sondern pflegt einen ethischen Gewaltbegriff, der dem historischen Gewaltbegriff des Christentums sehr ähnlich ist.

Sprachliche Stereotypen wie „der Islam ist gewalttätig“, „der Islam ist fanatisch“ sind in den bürgerlichen Massenmedien heute selten zu finden, allerdings sind sie in der rechtsradikalen Szene und in vielen Zusammenhängen des Internets heute stark verbreitet. In den Massenmedien werden solche Aussagen heute kaum noch getätigt, auch wenn ein großer Teil der Bürger, dies zeigen die oben angedeuteten Umfragen im Bereich der öffentlichen Meinung, genau so denken und den Islam für pauschal gewaltbereit und nicht passfähig zum Westen betrachten.

Dennoch ist man in den Medien heute etwas vorsichtiger mit essenzialistischen Kulturdefinitionen geworden. Aber es gibt Ausnahmen und sprachliche Stereotype finden sich in abgewandelter Form auch heute noch in den Medien. Die Kulturzeitschrift „Cicero“ zum Beispiel titelte jüngst „Ist der Islam böse?“, in der „Zeit“ oder auch im „Spiegel“ konnte man ähnlich angstmachende Formulierungen in der Vergangenheit immer wieder finden. Die vom Cicero formulierte Frage ist nur ein Wimpernschlag von der klassisch stereotypen Aussage „Der Islam ist böse!“ entfernt. Die Frage lässt die Möglichkeit offen, dass dem so sei, obwohl 1,5 Milliarden Muslime auf der Welt schlechterdings nicht böse sein können. „Ist der Islam böse?“ ist somit die politisch korrekte und pseudoaufgeklärte Version eines uralten Stereotyps in den modernen Medien; man könnte sie auch als eine Form des aufgeklärten Rassismus bezeichnen.

Durch Bilder zu Vorurteilen

Islamfeindlichkeit kommt auch in der Bildsprache der Medien zum Ausdruck. Seit der Iranischen Revolution 1978/1979 existiert in unseren Medien eine nahezu identische Ikonografie, es sind immer dieselben wiederkehrenden Motive und Bildkompositionen zu finden. Das Hamburger Nachrichtenmagazin der Spiegel hat in den letzten Jahren mehrfach den Islam vor schwarzen Bildhintergründen auf dem Titelcover verewigt, eine angstmachende Farbgebung hatte hier System. Tief verschleierte Frauen, Koran und Kalaschnikow, die Bilder von fanatisierten demonstrierenden Massen in der islamischen Welt gehören zu den immer wiederkehrenden Stereotypen in unseren Medien.

Tückisch sind in diesem Zusammenhang Bilder der heiligen Stätten wie etwa der großen Moschee von Mekka und dem heiligen Schrein der Kaba, zu dem die Muslime pilgern und dessen Abbildung häufig im Zusammenhang mit Geschichten zum dschihadistischen Terrorismus zu finden ist. Unterschwellig transportieren solche Bildkompositionen aber die Idee einer verallgemeinerten Übertragung von Gewalt und Terrorismus auf den gesamten Islam. Die Abbildung von Pilgerszenen im Kontext mit dschihadistischen Terrorismus ist ungefähr so sinnvoll wie eine Fotografie des Petersdoms in einem Beitrag über den Terrorismus der irisch-republikanischen Armee (IRA).

Nicht nur die Bildkompositionen selbst, sondern auch das Bild-Text-Verhältnis ist für die Analyse von Bedeutung. Wo sprachliche Stereotype heute vermieden werden, schleichen sich Vorurteile als visuelle Stereotype häufig durch die Hintertür wieder ein. Auch dies ist eine Lehre des sogenannten „Iconic Turn“: Wir leben in einer Zeit der Bildkulturen und der Bildermacht, wir wissen aber aus der visuellen Kommunikationswissenschaft, dass Bilder häufig in vereinfachte Botschaften transportieren, die sich bei den Menschen festsetzen.

„Vereinseitigung“: Positive Facetten werden ausgespart

Neben den Mikrostrukturen sind vor allen Dingen die Makrostrukturen prekär für das Islambild der Medien. Makrostrukturen sind textübergreifende Merkmale, die über Begriffe und Stereotype hinausweisen, hier sind namentlich Argumentmuster und Themenstrukturen zu nennen.

Die Themensetzung der Medien steuert unsere Beachtungsökonomie. „Agenda Setting“ gilt heute als zentrales Theorem der Kommunikationswissenschaft. Medien steuern nicht unbedingt, was wir denken, sondern sie steuern in hohem Maße, worüber wir nachdenken. Und hier zeigen Untersuchungen eindeutig, dass zum Beispiel ARD und ZDF beim Thema Islam rund 80 Prozent negative Themen aufgreifen. Im Tageszeitungsbereich ist der Islam eines der negativsten Themenbereiche überhaupt. Gewalt, Terror, Frauenunterdrückung und Intoleranz, Ehrenmorde und Integrationsprobleme beherrschen unser Bild des Islams.

Die Medien steuern durch diese Agenda unsere negative Blickrichtung. Positive Facetten gehen verloren: Der Islam als Religion, als Inspiration, der Islam in seiner Fähigkeit zu gewaltfreien Aktivitäten, die heute bei vielen islamisch fundamentalistischen Organisationen viel stärker dominieren als die oft berichteten Gewalttaten. Man erfährt in den Medien heute viel über den Islamischen Staat oder Terrororganisationen wie Al-Qaida, aber wenig über betende Demonstranten im Arabischen Frühling, die doch beispielsweise auf dem Tahrirplatz in Kairo ein wesentlicher Bestandteil der ägyptischen Revolution gewesen sind. Man erfährt viel über die Attentate auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, aber nur wenig über Islamfeindlichkeit gegen Muslime, auch wenn die „Pegida“-Bewegung dieses Thema im Übergang zum Jahr 2015 zumindest zeitweise auf die Medienagenda gesetzt hat.

Von Deutschen zu verlangen, sie sollten darüber aufgeklärt sein, dass neben Mahatma Gandhi ein pakistanischer Moslem wie Badschah Khan gewaltfreien Widerstand im großen Maßstab gegen die englische Kolonialherrschaft voran getrieben hat, scheint völlig absurd zu sein, zeigt aber, wie wenig vielfältig die Themenagenda des Islams in westlichen Medien ist. In der Regel lässt sich festhalten, dass rassistische Stereotype des Islams nicht nur in der Sprachgebung in verbaler und visueller Form, sondern auch in der Struktur der Medientexte erkennbar sind. Wir sagen nicht mehr „Der Islam ist böse“, wir beachten aber fast nur seine bösen Erscheinungsformen. Für den einzelnen Journalisten mögen solche Makrostrukturen schwer zu durchschauen seien, dennoch gibt es auch im deutschen Journalismus zahlreiche Kritiker dieser einseitigen Beschäftigungskultur mit dem Islam, die ihre Meinung auch schon umfangreich gerade in Büchern dargelegt haben.

Eine Zweitform der Makrostrukturen sind die Argumente, die bei der Diskussion der einzelnen Themen vorgebracht werden, in der Kommunikationswissenschaft spricht man hier von sogenannten „Frames“. Wir müssen uns generell verabschieden von der Idee gänzlich aufgeklärter Öffentlichkeiten.

Schon Michel Foucault wusste, dass wir Gefangene des Zeitgeistes sind. Es gibt hegemoniale Denkstrukturen, und dies trifft auf Fragen wie Homosexualität, Antisemitismus oder Sterbehilfe ebenso zu wie auf den Islam. Jede Zeit kennt ihre angesagte vorherrschende Sicht der Dinge, auch wenn gerade in Krisenzeiten kurzfristige Debatteneröffnungen und die Veröffentlichung von Mindermeinungen durchaus möglich sind. Aber im Tagesjournalismus mit seinen begrenzten Platzkapazitäten lassen sich häufig sehr einseitige Mediendiskurse erkennen. Ein Beispiel mag hier einmal mehr die aktuelle Debatte über den Islamischen Staat sein. Bei dieser Organisation handelt es sich ohne Zweifel um religiöse Fanatiker und terroristische Desperados. Im Vergleich mit anderen historischen totalitären Erscheinungsformen vom Nationalsozialismus bis zum Pol Pot-Regime in Kambodscha erinnert hier alles an Hannah Arendts Definition des Totalitarismus als systematischem Terror. Aber: Solche Phänomene haben immer auch rationale Gründe, und die sind auch beim IS neben der vorherrschenden psychopathologischen Dimension einzelner Akteure dieser Organisation im allgemeinen Zerfall der Staatsgewalt in Ländern wie Syrien und Irak zu suchen, womit letztendlich auch der Kolonialismus und daher wir selbst in der Verantwortung zu sein scheinen, denn beide Länder waren nach dem Ersten Weltkrieg koloniale Schöpfungen. Die Ursachen des Terrorismus, die in der wissenschaftlichen Literatur umfänglich und komplex analysiert werden, werden in den Medien kaum reflektiert. Auch dies stützt die Idee eines irrationalen fanatischen Islams. Dabei kennt jede Religion die Formen des Terrorismus, man denke nur an den tamilischen Terrorismus vergangener Jahrzehnte. Letztlich gibt es noch eine Reihe weiterer Makrostrukturen, Diskursverschränkung und Akteurstypologien, die sich analysieren ließen, um die starke Wirkung herauszuarbeiten, die Massenmedien auf die in Deutschland vorherrschende Islamfeindlichkeit ausüben dürften.

Die Multikausalität darf nicht aus dem Blick geraten

Massenmedien sind lediglich ein Baustein einer kompletten Wissensgesellschaft. Die Medien wirken nicht nur auf die Gesellschaft, sondern die Gesellschaft wirkt auch in vielfältiger Weise auf sie ein. Das Agieren der Medien ist eingebettet in sogenannte Umweltsysteme, hier wirkt der politisch-wirtschaftliche Komplex ebenso wie ungeschriebene Regeln einer gesellschaftlichen Kultur oder gesellschaftliche Institutionen wie Schulen und Hochschulen. Die Rolle des politischen Systems ist im Zusammenhang von Medien und Islamfeindlichkeit besonders wichtig, da es häufig als Stimmengeber öffentlicher Diskurse fungiert. In der deutschen Politik existiert heute kein Konsens zum Islam. Es gibt zahlreiche inkludierende wie auch exkludierende Äußerungsformen, die den Islam einmal als Bestandteil der deutschen Gesellschaft und Kultur anerkennen, um ihn andererseits als unverträglich zu charakterisieren. Bei der Schaffung staatlicher Strukturen im Bereich der Islampolitik sind Fortschritte im schulischen Islamunterricht, bei der Anerkennung von Religionsgemeinschaft oder auch in verschiedenen Parteiprogrammen zu erkennen, die heute Islamfeindlichkeit als Phänomen thematisieren. Allerdings existieren nach wie vor auch Parteiprogramme, die bei dieser Thematik wenig sensibilisiert sind, und Aussagen von Politikern mit populistischen Äußerungen zum Islam lassen sich immer wieder finden.

Politik muss mehr für Islamfreundlichkeit tun

Was den Verfassungsschutz und die Innenbehörden angeht, würde man sich wünschen, dass noch stärker zwischen legalem Radikalismus und Terrorismus unterschieden würde. Der aktuelle Fall der sogenannten „Salafisten“ zeigt, wie notwendig es ist, hier auch von staatlicher Seite eine Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, die aufklärt und nicht unterschwellig die Islamfeindlichkeit in unserer Gesellschaft anheizt. Salafisten sind ein sehr heterogenes Lager, längst nicht jeder Salafist ist auch ein Terrorist. Dies sollte auch von den Innenbehörden anerkannt und kommuniziert werden. Versteckte Differenzierungen im Verfassungsschutzbericht reichen hier nicht aus. Sicherheitspolitische Wachsamkeit ist gut; aus einem Haufen Radikaler aber einen inneren Feind zu machen, ist etwas anderes.

Insgesamt sollte, aus meiner Sicht, die Politik die symbolpolitische Dimension ernster nehmen. Die Einrichtung einer deutschen Islamkonferenz als Nische oder auch die Abhaltung solcher Konferenzen wie der heutigen reichen nicht aus, um aufklärerische Signale in die Öffentlichkeit und an die Medien zu senden. Erforderlich ist eine politische Haltung, die die Tagespolitik prägt und den Bürger nicht über die Maßen verängstigt. Aber die Politik ist sicherlich nicht allein, Schulen, Kirchen und andere Institutionen müssen helfen, die Islamfeindlichkeit zu bekämpfen. Ohne einen selbstkritischen Umgang der Medien mit diesem Komplex, den ich bisher nur am Rand und bei einzelnen Journalisten erkennen kann, wird aber ein Abbau von Islamfeindlichkeit auch in Zukunft nicht möglich sein. Die Medien sind die Hüter eines Dialogs zwischen dem Islam und dem nichtislamischen Teil der Gesellschaft – man kann nur hoffen, dass sie sich dieser Tatsache bewusst werden.

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