Das christliche MenschenbildPolitischer Kompass für den Ernstfall

Die CDU ist die letzte Volkspartei der Bundesrepublik Deutschland. Dass es keineswegs ein Selbstläufer ist, diese Stellung zu behaupten und sich vor politischen Mitbewerbern mit Abstand zu positionieren, zeigt das Schicksal anderer europäischer C-Parteien, vor allem der traurige Niedergang der Democrazia Cristiana. Es sei entscheidend für das Verständnis des „C“, so Volker Kauder, „dass die Gründerväter und -mütter der CDU darin die Quelle jenes sittlichen Haltes sehen, der im Nationalsozialismus verloren ging“. In fünf klug miteinander verknüpften Kapiteln verfolgt der langjährige Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion den Gedanken, dass das christliche Menschenbild als Kompass auch jenseits eines „persönlichen christlichen Bekenntnisses Orientierung bieten kann“. Er lehnt es ab, in Zeiten verschliffener Profile plötzlich Kante zu zeigen und auf eine „Konservative Revolution“ zu setzen. Das Konzept des Integrierens und Zusammenführens unterschiedlicher politischer Richtungen – von liberal, christlich-sozial bis wertkonservativ – bleibt für ihn das Maß politischer Vernunft, das die CDU häufig dazu prädestiniert habe, die „klassische Regierungspartei“ der Bundesrepublik zu sein.

Nachdrücklich grenzt sich Kauder gegenüber neurechten Strömungen ab: „Es ist meine Überzeugung, dass das christliche Menschenbild eine entscheidende Ressource im Umgang mit den spalterischen Tönen des Rechtspopulismus sein kann“. Auch wenn der Autor erklärt, dass es „Rechtspopulismus, Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus“ bereits seit Gründung der Bundesrepublik gegeben habe, konstatiert er seit 2013 „eine erhebliche Zunahme rechtspopulistischer Töne im öffentlichen Raum“.

„Man muss nicht ‚religiös musikalisch‘ sein, um anzuerkennen, dass der Einsatz für Religionsfreiheit von großer Bedeutung ist.“ Für Kauder, der sich in besonderer Weise für weltweite Glaubensfreiheit einsetzt, erscheint dieses elementare Menschenrecht geradezu als Ernstfall einer Politik, die sich dem christlichen Menschenbild verpflichtet weiß. Daher müsse der Einsatz für Religionsfreiheit „eine Sonderrolle sowohl im Selbstbild als auch im politischen Handeln einer Partei haben, die sich auf das ‚C‘ beruft.“ Thomas Brose

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Volker Kauder

Das hohe C.Politik aus dem Christlichen Menschenbild.

Herder, Freiburg 2020, 233 S. 22,00 ¤ (D)

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