Christologische Kontroversen in der GegenwartSchwere Kost

Dieser Sammelband zur Christologie bietet durchweg schwere Kost. Manche Beiträge sind dabei leider in einer Diktion gehalten, die dem Verständnis eher im Wege steht. Aber gleichzeitig widmet er sich den zentralen heutigen Herausforderungen einer theologischen Rede von Jesus Christus, und das durch katholische wie protestantische Theologen. Der katholische Mitherausgeber Georg Essen benennt in seinem Eröffnungsbeitrag diese Herausforderungen: die „Relevanz des Historischen für die Begründungsproblematik des Christusbekenntnisses“ und eine „verstehende Aneignung der Zweinaturenlehre“. Es geht also zum einen um die Bedeutung des exegetisch eruierten „historischen Jesus“ im Blick auf den Christus des Glaubens, die vor allem die protestantische Christologie seit dem 18. Jahrhundert in immer neuen Anläufen umgetrieben hat, zum anderen um die eher „katholische“ Diskussion über die Deutung der Person des menschgewordenen Sohnes Gottes und damit um ein heutiges Verständnis der klassischen Formel des Konzils von Chalkedon (451).

Auf beiden Feldern liefert der Band nicht nur interessante Denkanstöße, er vermittelt auch einen Einblick in die maßgeblichen christologischen Kontroversen in der katholischen wie protestantischen Theologie der Gegenwart. In Bezug auf die Zweinaturenlehre ist in der katholischen Dogmatik seit Karl Rahner vor allem strittig, wie die menschliche Freiheit des Gottessohnes zu bestimmen und zu gewichten ist. Bei der Frage nach dem Jesus der Geschichte stehen Ansätze protestantischer Theologen in der Diskussion, die als Lösung für eine heutige Christologie den „Rückzug des Glaubens aus der Geschichte in die eigene Geschichtlichkeit“ (so Martin Laube zum Entwurf von Christian Danz) empfehlen. Mitherausgeber Danz selber formuliert seine christologische Quintessenz mit dem Satz, die Aufgabe der Christologie könne vor dem modernen Problemhorizont nur darin bestehen, den „Vollzug von religiösen Selbstdeutungen zu strukturieren“. Man kann auf den weiteren Verlauf der Diskussion auf beiden, von dem Sammelband thematisierten Problemfeldern gespannt sein, weil dabei Grundfragen nach dem Ort des christlichen Glaubens in der Moderne auf dem Spiel stehen, sei es in mehr katholischer oder in mehr protestantischer Färbung. Ulrich Ruh

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Christian Danz und Georg Essen (Hg.)

Dogmatische Christologie in der ModerneProblemkonstellationen gegenwärtiger Forschung

Verlag Pustet, Regensburg 2019, 302 S. 39,95 € (D).