Moderne SklavereiDer Papst und Führungspersönlichkeiten anderer Weltreligionen wenden sich gegen Menschenhandel

Eine bemerkenswerte Premiere: Anlässlich des Welttages zur Abschaffung der Sklaverei haben Papst Franziskus und Spitzvertreter anderer Kirchen und Weltreligionen (darunter Muslime, Juden, Buddhisten und Hindus) Anfang Dezember eine Erklärung unterzeichnet. Darin wird jede Form von Menschenhandel als Verbrechen gegen die Menschheit und als moderne Form der Sklaverei verurteilt, eingeschlossen Zwangsarbeit, Zwangsprostitution und Organhandel. Die Religionsführer fordern von der Staatengemeinschaft ein entschlossenes Vorgehen und verpflichteten sich selbst, die Angehörigen ihrer Kirchen und Religionen ebenso wie alle Menschen guten Willens zu mobilisieren, um die moderne Sklaverei weltweit bis 2020 und für alle Zeiten abzuschaffen. Zig Millionen von Menschen lägen in Ketten, entmenschlicht und gedemütigt.

Zu den Unterzeichnern zählen neben dem Papst unter anderen das Ehrenoberhaupt der Anglikaner, Erzbischof Justin Welby, der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomaios, ein Vertreter der Kairoer Al-Azhar-Universität als führende Lehrstätte des sunnitischen Islam, der Rabbiner David Rosen für das American Jewish Committee.

Im März dieses Jahres hatten sich unter anderen der Vatikan, die Al-Azhar-Universität und die anglikanische Gemeinschaft zu einem „Global Freedom Network“ zusammengeschlossen. Nach Schätzungen einschlägig engagierter Hilfsorganisationen sind rund 36 Millionen Opfer moderner Sklaverei.

Anfang Dezember hat auch die Deutsche Bischofskonferenz mit Blick auf den Weltfriedenstag am 1. Januar eine Arbeitshilfe veröffentlicht, unter dem von Papst Franziskus ausgegebenen Leitwort „Nicht länger Sklaven, sondern Brüder und Schwestern”. In seinem Vorwort zur Arbeitshilfe schreibt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, es seien Anstöße aus dem Christentum und der Aufklärung gewesen, die die Sklaverei immer fragwürdiger und schließlich verabscheuungswürdig erscheinen ließen. Aber die Verdinglichung des Menschen zum Zweck seiner Ausbeutung setze sich unter allerlei Gestalten fort. 

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