LeitartikelStreit der Kardinäle

Die Nachbereitung des Ökumenischen Kirchentags in Berlin gerät zum Schlagabtausch, geradezu symptomatisch für die gegenwärtige Stimmungslage in der Kirche: Zwei der „deutschen" Kardinäle, der Kölner Erzbischof Joachim Meisner und der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Josef Ratzinger, hatten zum Doppelschlag ausgeholt: Meisner bezichtigte das gerade einen Monat zurückliegende Großereignis von Berlin, einen „großen Desorientierungs- und Verwirrungsschub" unter den Gemeinden ausgelöst zu haben. Kardinal Ratzinger beklagte die „Konturlosigkeit" des Kirchentags. Beiden war der Ökumenische Kirchentag aber vor allem willkommener Anlass, Ärger und tiefreichender Unzufriedenheit über den generellen Kurs des deutschen Kirchenschiffs Luft zu verschaffen.Überraschend an diesem ganzen Vorgang ist, dass der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann - mit seiner vielfach betonten Wertschätzung des Berliner Großereignisses vornehmliches Ziel der kölnisch-römischen Attacke - öffentlich den Fehdehandschuh aufnahm. In einem Beitrag für die nord-ostdeutschen Kirchenzeitungen griff der sonst nimmermüde Moderator und Vermittler seine Kollegen in ungewöhnlich scharfem Ton an und verteidigte den Ökumenischen Kirchentag, besonders aber auch sein persönliches Engagement in Berlin.Hinter dem Streit der Kardinäle steckt aber mehr. Öffentlich und auf höchster Ebene hat offenbar die direkte Auseinandersetzung über den künftigen Kurs der Kirche in Deutschland begonnen - wenn auch nur im Schutz des Sommerlochs.

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