EditorialPersönlich gefragt

Einige Journalistenkollegen haben sich in Leitartikeln mit dem Ostergeheimnis beschäftigt. Gefühlt waren es sogar mehr als früher.

Wer die Gesetzmäßigkeiten der Medien kennt, dürfte sich über diese Nachricht nicht wirklich gewundert haben. Ausgerechnet zu Ostern wurde gemeldet, dass nun erstmals weniger als die Hälfte der Deutschen Mitglied in einer der beiden großen Kirchen sind. Diese Entwicklung war abzusehen. Jedoch kann natürlich keiner auf den Tag genau sagen, wann der „Kipppunkt“ tatsächlich erreicht ist. War es wirklich letzte Woche? Ist es nächste Woche? Oder „erst“ in einem Monat?

Dass etliche Journalisten die Prognose just am wichtigsten Festtag der Christenheit erfüllt sahen, zeugt vor allem von der verbreiteten Sprachlosigkeit in Glaubensdingen: Was soll man bei diesem „unvorstellbaren“ Festinhalt auch sagen? Auferstehung, Auferweckung… Da flüchten sich viele lieber zum vermeintlich Sicheren, zu Zahlen und Statistiken. Aus demselben Grund enthält auch jede bischöfliche Feiertagspredigt exakt einen Absatz mit „harten“ politischen Aussagen: Denn genau damit – und nur damit – schafft es Kirche üblicherweise noch in die Nachrichten. Alles Theologisch-Spirituelle wird vom Aufmerksamkeitsradar der breiten Öffentlichkeit nicht mehr erfasst oder verstanden.

Bemerkenswert ist, dass jetzt aber auch das Gegenteil zu beobachten war. Einige Journalistenkollegen haben sich in der zurückliegenden Woche selbst, „auf eigene Faust“ gewissermaßen, in Leitartikeln mit dem Ostergeheimnis beschäftigt. Gefühlt waren es sogar mehr als früher – was verständlich wäre; denn in unserer Zeit der existenziellen Verunsicherung erscheint die Botschaft vom endgültigen Sieg des Lebens über den Tod besonders provokativ, unfassbar, ja anstößig. Sie fordert jede und jeden zur persönlichen Positionierung heraus. Kannst du damit etwas anfangen? Willst du wirklich darauf setzen? Dein Leben und mutmaßlich auch dein eigenes Sterben? Das sind Fragen, die auch in unsere Fastenserie über die „Versuchung, aus der Kirche auszutreten“, hineingespielt haben und deren Echo bis in diese Ausgabe nachhallt.

Natürlich wünscht sich niemand von uns, dass die Kirchenmitglieder weniger werden. Im Gegenteil. „Einer hat uns angesteckt mit der Flamme der Liebe“ – dieses heilende Feuer soll sich ausbreiten. Und dazu braucht es die Kirche. „Ich wünsche mir, dass es ... mehr werden, die das mit mir zusammen glauben“, hat die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus soeben erklärt. Aber Statistik-Meldungen sollten uns nicht verunsichern. Denn dass der Glaube lebendig bleibt, hängt in erster Linie an jedem, an jeder Einzelnen von uns.

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