OsterfilmeChristus in der Gegenwart

Wie bringt man Jesu Botschaft zeitgemäß ins Fernsehen? Über zwei sehr unterschiedliche Versuche.

Am Abend vor Gründonnerstag wurden im deutschen Fernsehen gleich zwei moderne Passionsversionen ausgestrahlt: RTL zeigte das Live-Event „Die Passion“ (eine von Thomas Gottschalk moderierte Mischung aus Bibel-Musical und interaktivem Kreuzweg) und Arte Milo Raus Film „Das neue Evangelium“ (eine Kombination aus Bibelfilm und politischer Sozialdoku, vgl. CIG Nr. 1/2021, S. 19). Beide Projekte hatten sich vorgenommen, die Leidensgeschichte Jesu in die Jetztzeit zu übertragen und einen „Christus in der Gegenwart“ zu zeigen – mit völlig unterschiedlichem Ergebnis! Während der RTL-Jesus, gespielt vom Musical-Sänger Alexander Klaws, als glatter und erfolgreicher Influencer daherkommt, der mal mehr, mal weniger passende Popsongs zum Besten gibt, wird der Arte-Jesus vom schwarzen Polit-Aktivisten Yvan Sagnet gespielt, der im Film auch als Vorkämpfer für die Rechte von Flüchtlingen zu sehen ist.

Wohlfühl-Passion

Die Jünger werden beim Live-Event von diversen Pop- und Schauspielsternchen verkörpert – in Raus Film sind sie afrikanische Geflüchtete. Das letzte Abendmahl findet bei der RTL-Variante (nach Jesus-Selfies in der Shoppingmall) in einem hippen Restaurant statt – bei der Arte-Version versammeln sich Jesus und seine Jünger in den Ruinen einer von der Polizei geräumten Flüchtlings-Unterkunft.

Und wie ist es mit der Kreuzigung? Am Ende wird ausgerechnet bei „Die Passion“ eben jenes titelbildende Leiden Jesu weitestgehend ausgespart: Eine junge Maria singt einen anrührenden Schlager, ein von Zuschauern durch Essen getragenes Leuchtkreuz wird auf die Showbühne gehievt, Pilatus beschreibt kurz die Hinrichtung und schon singt der auferstandene Jesus lichtumstrahlt das Schlusslied. Dagegen wird der kunstvoll arrangierte Arte-Film der Passion mehr als gerecht: Jesus schleppt schmerzvoll sein Kreuz durch die Straßen, wird unter Qualen ans Kreuz genagelt und eine vom Leben gezeichnete Mater-Dolorosa-Maria bricht weinend darunter zusammen. Nach dem „Cut“-Ruf der Dreharbeiten wird die hoffnungsspendende Zusage des Auferstandenen (Mt 28,19f.) aus dem Off gesprochen.

Lieder statt Leiden?

Was lernen wir aus diesen Passionsversionen? Jesu Leidensgeschichte wird nicht dadurch zugänglicher, dass man Jesus in hippe Kleider steckt, ihn als Selfies machenden, singenden Influencer zeigt und das Leid ausblendet. Es geht eben nicht um die glänzende Oberfläche, sondern um die inneren Werte dahinter, um die Botschaft Jesu, die definitiv die Kraft hat, in immer neuen Zeiten immer neue Wellen zu schlagen. Der „Christus in der Gegenwart“ wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auf einer Musical-Bühne zu finden, sondern gerade an der Seite der Verwundeten, der Ausgegrenzten und der Entwürdigten – zum Beispiel bei den Flüchtlingen. Zugespitzt formuliert: Jesus hätte Arte geschaut.

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