Die Lust am GeistAnthropozän

Apokalyptische Stimmungen überschatten die Gegenwart. Eine Gegen-Erinnerung.

Mit den ökologischen Debatten kam das Anthropozän ins Spiel. Gemeint ist das erdgeschichtliche Zeitalter, in dem der Mensch maßgeblich die „natürlichen“ Abläufe beeinflusst. Manche Wissenschaftler sehen den Beginn bei der Industrialisierung, um 1800. Andere vermuten Anfänge bei den Entdeckungsreisen des 15./16. Jahrhunderts. Aber schon zwischen 5000 und 7000 vor Christi Geburt hat menschliches Wirken auf Umwelt und Atmosphäre abgestrahlt. Mit dem Anthropozän verbindet man überwiegend negative Erscheinungen wie Ressourcenverbrauch, Luftverschmutzung, Erosion, Übernutzung von Böden, Bevölkerungswachstum, Artensterben, Ausbreitung von Krankheiten, Überfischung, Erwärmung der Meere, deren Verseuchung etwa durch Plastikmüll, Waldsterben, Lichtverschmutzung, Gletscherschwund, radioaktive Verunreinigungen, Konflikte bis zu Weltkriegen. Erweckt wird der Eindruck: Wie schön wäre es doch, wenn der Homo sapiens nie ins Dasein getreten wäre. Denn er produziert Sterben, Sterben, Sterben. Manche meinen, den blauen Planeten durch „Gebärstreik“ bewahren zu müssen. Wie heil und schön wäre es, wenn wir nicht wären…

Lieber Psalm 8

Welch ein Kontrast dazu die Lebenslust des Menschen! Trotz allen Übels, aller Sündigkeit richtet er sich immer wieder staunend auf an der Freude, dass überhaupt etwas ist und nicht vielmehr nichts. Dass wir sind in der sexuellen Liebespolarität von Mann und Frau, fruchtbar, um Leben zu zeugen und die Freude an Nachkommen weiterzugeben. Die apokalyptischen Anwandlungen der Anthropozän-Jetztzeit können die tiefreichende weltliche Schöpfungslust nicht auslöschen, die auf den ersten Seiten der Bibel mit Gottes evolutiver Schöpferlust verbunden ist. Auch in schweren Zeiten können wir Psalm 8, der die Größe des Geistwesens Mensch als Gottes Geschenk preist, lesen und beten: „Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.“

Die Erd-Sphäre des Geistes

Kein anderes Wesen ist derart geistbegabt wie der Mensch. Seine rationale wie emotionale Intelligenz, unaufhörlich entwicklungsfähig, hat die Menschheit fortschrittsfreundlich mit Erfindungsreichtum inspiriert, um das Leben zu verbessern, Unheil in Heil zu wandeln – von den Leistungen der Medizin und Pharmakologie über die Neurologie, Bio-, Nano- und IT-Technologie bis zur Forschung an den Grenzen des Universums, des Denk- und Verstehbaren. Dazu der Reichtum der Kunst, Literatur, Musik, Architektur, Philosophie… Das Anthropozän, die Erd-Sphäre des Menschen, ist darüber zu einer – wie sie der Paläoanthropologe und Jesuit Pierre Teilhard de Chardin mystisch meditierte – Noosphäre mutiert, zu einer Epoche des auf Zukunft hin offenen Geistes. Das schließt fortschreitende Gotteserkenntnis mit ein, Hoffnung auf den Punkt Omega: die Vollendung der Welt, der Geistes-, Leibes- und Wahrheitslust im kosmischen Christus.

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