Leserbriefe

Wer ist „die Kirche“?

Wenn ich das Titelbild der letzten Ausgabe sehe – der zuhörende Papst und davor der zuhörende Bischof (CIG Nr. 42, S. 1) –, frage ich mich, welches Kirchenbild wir eigentlich noch haben. Denn wer soll da wem zuhören? Wer ist „die Kirche“?

Oft denken wir noch im Gegenüber. Da gibt es Obere (die meistens reden) und Untere (die zuhören müssen). Dabei sagt Jesus doch: „Bei euch aber soll es nicht so sein“ (Mk 10,43). Ist nicht das eher Kirche: Wir hören alle aufeinander! Gewiss gibt es auch Letzt-Verantwortliche, die in Leitungspositionen handeln und steuern. Aber Kirche sind wir alle, und da steht niemand einem Anderen gegenüber, sondern wir alle sind eins in Christus. Deshalb: Wir hören alle dem Papst zu, er aber hört auch uns ernsthaft zu. Und bei den Bischöfen ist es genauso.

Bernhard Frey, Karlsruhe

Worum es geht

Als alter „Tagungsaktivist“ gebe ich zu bedenken, ob die vorzeitige Abreise von Synodalen (vgl. „Es geht um was!“, CIG Nr. 41, S. 3) nicht auch etwas damit zu tun hat, dass diese am Ende ihrer Arbeit ein unfreundliches „Nein“ aus dem Vatikan befürchten müssen.

Rudolf Kieser, Baldham

Es geht um was!, heißt es in der Überschrift. Ja, aber um was denn?, ist man geneigt zu fragen. Die derzeitigen synodalen Bemühungen rücken vielleicht Fragen nach Moral (Sexualmoral), nach Struktur und Organisation, Macht und Verantwortung, nach Weiheamt und Zölibat, nach der kircheninternen Rolle von Mann und Frau in den Fokus. Fragen um das eigentliche Credo der Kirche werden aber kaum noch zur Sprache gebracht.

Anscheinend hat man das Suchen nach plausiblen Antworten auf Fragen einer kritischen Rationalität, die den Gottesglauben in einer säkularen und wissenschaftsorientierten Welt herausfordert, resignierend aufgegeben. Man mogelt sich, „gesund“schrumpfend, an wesentlichen Aussagen des Glaubens vorbei. Statt Öffnung und Offenheit machen sich unterschwellig Affirmation und Fundamentalismus breit und fördern das Festhalten an überholten Welt- und Gottesbildern. So lassen unter anderem die Sprechgewohnheiten und zentralen Texte der Eucharistiefeier deutlich werden, dass der kirchlich formulierte Glaube weiterhin sehr traditionell daherkommt und seine Plausibilität im Rahmen des heutigen Weltbilds längst verloren hat.

Dr. Heribert Scheffler, Oberhausen

Tanz als Gebet

Ich freue mich mit der brasilianischen Tanzchoreografin und Sozialarbeiterin Lia Rodrigues über ihren Kunst- und Kulturpreis der deutschen Katholiken (vgl. „Schätze den Tanz!“, CIG Nr. 40, S. 2). Wenn Bischof Bätzing in dem Zusammenhang sagt, dies sei „eine längst überfällige Rehabilitation des Tanzes im kirchlichen Kontext“, dann mag das in der Breite stimmen. Doch es gibt durchaus Theologinnen, Theologen und Tanzpädagogen, die sich seit längerem darum bemühen, Bewegung und Tanz in der Kirche einzubringen.

Hier ist insbesondere die „Christliche Arbeitsgemeinschaft Tanz in Liturgie und Spiritualität“ zu erwähnen (www.christliche-ag-tanz.org). Ich habe selbst an einer der zweijährigen Fortbildungen teilgenommen, und diese intensive Zeit hat mein spirituelles Leben nachhaltig geprägt. Tanz als Gebet berührt mich tief, und ich fühle mich durch den inneren Frieden und die Freude, die ich dabei empfinde, reich beschenkt. Diesen Freudefunken kann ich auch in meiner Gemeinde teilen.

Ja, schätze den Tanz und lass dich darauf ein – das ist auch mein Wunsch an Klerus und „Kirchenvolk“.

Elisabeth Mitsch, Heppenheim

Anders und doch verwandt

Ich bin immer neu erstaunt darüber, wie im frühen 7. Jahrhundert die dritte monotheistische Religion – der Islam – inmitten jüdisch-christlicher, aber auch polytheistischer Religionen entstanden ist. Wir erleben ihn in unserer westlichen Kultur sehr irritierend, einerseits in seiner Frömmigkeit und andererseits bis hin zu seiner militanten dschihadistischen Form.

Es ist gut, dass CHRIST IN DER GEGENWART immer wieder wichtige und wegweisende Artikel zu diesem Thema veröffentlicht, so wie zuletzt Johannes Röser mit dem Beitrag „Dunkle Anfänge, lichte Zukunft“ (CIG Nr. 42, S. 3), in dem über die Forschungsarbeit von Ethnologen und Islamwissenschaftlern berichtet wird.

In der Kenntnisnahme und Auseinandersetzung mit dem ganz Anderen und doch Verwandten kann die Chance bestehen, den eigenen Glauben in unserer säkularen Kultur, die ja unter anderem aus dem Christentum geboren ist, neu zu entdecken, tiefer zu sehen und beherzter zu leben.

Dietmar Dreßler, Hardt

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