Die Identität der KircheGeistlicher Treibstoff

Der Zustand unserer Kirche macht klar: Auch uns Christen fehlen Lastwagenfahrer, die Sprit liefern.

Ein paar Eindrücke der vergangenen Woche: In Deutschland werden nach der Bundestagswahl Gemeinsamkeiten künftiger Koalitionäre gesucht, Brücken über Trennendes, man ist mittendrin in Details von Steuern, Klimaschutz und Rente. Aber was wird die Identität, die große Erzählung dieser neuen Regierung? Was wird sie verbinden, welches Deutschland soll jetzt entstehen, was wird die Menschen antreiben?

Die Vollversammlung des Synodalen Wegs fasert am letzten Tag aus, weil nicht mehr genügend Teilnehmer da sind, um über Änderungsanträge zum Handlungstext „Rahmenordnung für Rechenschaftslegung“ abzustimmen, für den Vorsitzenden Bätzing eine „sehr entscheidende Vorlage“.

Warum ist es gut, zu glauben?

Großbritannien ist am Rande des nationalen Notstands. Die stolzen Briten haben kein Benzin mehr und bald auch kein Bier. Manche Supermärkte sind halb leer. Es fehlen 100000 Lastwagenfahrer, die das Vereinigte Königreich sonst am Laufen halten. Die meisten aus Osteuropa stammenden Fahrer sind zurückgekehrt in ihre Heimatländer, klar, auch wegen Corona, vor allem aber wegen des Brexit, auch wenn das die Briten nicht wahrhaben wollen. Jetzt möchte die Regierung 5000 von ihnen zurückholen, mit einem vereinfachten Visum und befristet bis Weihnachten.

Warum schreibe ich das auf, warum steht das im CIG? Weil einiges davon engagierten Christen, die unter dem Zustand unserer Kirche leiden, bekannt vorkommt. Auch in der Kirche wird seit geraumer Zeit sondiert, werden Gemeinsamkeiten gesucht und Brücken über Trennendes. Aber auch viele Christen fragen sich längst: Was ist unsere Identität? Wer schafft die große verbindende Erzählung, warum es sich im 21. Jahrhundert noch lohnt, ein Christ zu sein? Warum ist es sinnvoll und gut zu glauben? Stattdessen stecken wir im Klein-Klein, und weil wir das über Jahrzehnte in unzähligen Gremien verfeinert haben, wurden die katholischen Koalitionsverhandlungen gerade bis Frühjahr 2023 verlängert.

Unsere Lastwagenfahrer

Ja, und auch das ist eine Assoziation, und vielleicht führt sie hin zur Antwort: Auch uns fehlen Lastwagenfahrer (mutige Theologinnen und Theologen), die den Sprit, der ja reichlich vorhanden ist, zu den (geistlichen) Tankstellen bringen. Die Theologie in unserem Land dünnt aus. Es gibt immer weniger Nachwuchs, und es gibt zu wenig geistlichen Treibstoff. Deshalb bringen wir die Leistung, zu der wir als Christen aufgerufen sind und ja auch fähig wären, immer seltener auf die Straße.

Sollten wir damit jemand zu nahe getreten sein, vielleicht einer Theologin oder einem Theologen, bei der oder dem wir auftanken können, dann melden Sie sich bei uns in der Redaktion. Wir teilen Ihre Gedanken gerne – ohne Visum und ohne Befristung.

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