Die Laien brauchen einen neuen PräsidentenEin Mann, ein Wort

Thomas Sternberg macht das, was er von Anfang an erklärt hat: Er zieht sich Ende November aus dem ZdK zurück. Die überraschten und erschrockenen Reaktionen zeigen, wie sehr er fehlen wird.

© Harald Oppitz/KNA-Bild

Sechs Jahre ist er schon im Amt. Wirklich sechs lange Jahre? Es spricht für Thomas Sternberg, dass man sich an seine Wahl zum Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) erinnert, als wäre es gestern gewesen. Tatsächlich jedoch war es der November 2015, als sich der damals 63-Jährige gleich im ersten Wahlgang gegen die hoch favorisierte Maria Flachsbarth, die Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes, durchsetzte. Alle waren damals überrascht von der Entscheidung, auch Sternberg selbst. Doch eins war ihm unmittelbar klar: „Ein vergnügliches Ehrenamt wird das sicher nicht.“

In der Umbruchsituation

Damit hat er Recht behalten. Thomas Sternberg übernahm die Führung des höchsten Laiengremiums in einer brutalen Umbruchsituation. Die volkskirchlichen Strukturen, für die er auch selbst steht, sind am Ende. Wo gibt es heute noch so eine Biografie: Nach der Bäckerlehre im elterlichen Betrieb absolvierte Thomas Sternberg am Abendgymnasium in Neuss sein Abitur. Er studierte in Münster, Rom und Bonn. 1983 wurde er im Fach Germanistik promoviert, 1988 im Fach Christliche Archäologie. Er saß für die CDU im Stadtrat von Münster, war Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen und von 1988 bis 2016 Direktor der Katholischen Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster.

Aber Thomas Sternberg verkörpert eben nicht nur die vermeintlich gute alte Zeit. Selbstbewusst und entschlossen stellte er sich von Anfang an den Herausforderungen der Gegenwart. Er ist einer, der die sprichwörtlichen Windmühlen – und eben keine Mauern – baut, wenn der Wind der Veränderung weht.

Wie geht Sauerteig heute?

Klassische innerkirchliche Frontstellungen spielen für Sternberg keine Rolle. Vielmehr sucht er nach Wegen, wie Kirche, wie die Christen insgesamt heute Sauerteig sein können. Und ist nicht genau das heute angesagt? Man kann deshalb nur erahnen, wie sehr einen wie Sternberg der Vorwurf schmerzt, er suche einen zu starken Schulterschluss mit den Bischöfen.

Ein Herzensanliegen ist ihm der Synodale Weg. Immer noch sieht er in dem Dialogprozess eine „einmalige Chance zu Reformen“ in der Kirche. Zugleich bringt Sternberg den Ernst der Lage ins Wort. „Wir sind zum Erfolg gezwungen.“ Ein Scheitern hätte katastrophale Folgen für die Kirche. Dass er selbst als treibende Reform-Kraft fehlen wird, verheißt an dieser entscheidenden Stelle nichts Gutes.

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