Heinrich Bedford-Strohm will EKD-Ratsvorsitz abgebenNie selbstgenügsam

Zuletzt „nutzte sich Bedford-Strohm wegen seines Eigensinns intern ab“, heißt es. Er polarisierte, statt die „verhedderten Strukturen im Protestantismus“ zu entwirren.

Nach sechs Jahren im Amt hat Heinrich Bedford-Strohm angekündigt, nicht mehr als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland zu kandidieren. Der Religionsjournalist Reinhard Bingener stellt ihm in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ eine gemischte Bilanz aus. Mit seinem optimistischen Aktivismus schoss Bedford-Strohm „manchmal auch übers Ziel hinaus: Seine Hoffnung, aus dem Reformationsjubiläum werde eine Generation 2017 erwachsen, blieb ebenso ein Trugbild wie die Erwartung ökumenischer Durchbrüche“. Trotz bester persönlicher Kontakte zu hochrangigen Katholiken wie dem Münchener Kardinal Reinhard Marx konnten sich die Kirchen in seiner Amtszeit kaum weiter annähern.

Auch politisch „mangelte es Bedford-Strohm bisweilen an Realismus. Insbesondere in der Migrationspolitik bezog er Gegenargumente nie richtig mit ein. In der Meinungsblase der evangelischen Kirche stieß er damit kaum auf Widerspruch, unter den Mitgliedern schon eher.“ Zuletzt „nutzte sich Bedford-Strohm wegen seines Eigensinns auch intern ab“, so Bingener. Er polarisierte, statt die „verhedderten Strukturen im Protestantismus“ zu entwirren.

Andererseits werde Bedford-Strohm durch seinen Fleiß und seine Begeisterungsfähigkeit in Erinnerung bleiben, mit der er sogar kirchenferne Gruppen ansprechen konnte. Auch wenn sich nicht alle Visionen verwirklichen ließen, hoben sich seine ehrgeizigen Ziele doch angenehm „von der Selbstgenügsamkeit ab, die in beiden Kirchen um sich greift“.

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