Sexueller MissbrauchEvangelische Kirche hinkt hinterher – und die Politik

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, ist unzufrieden mit der in seinen Augen zu zögerlichen Aufklärung sexuellen Kindesmissbrauchs in der evangelischen Kirche. Sie habe vielleicht eine Zeit lang gedacht, dass sie dabei „auf einheitliche Standards und Kriterien verzichten kann“. Er könne nicht ausschließen, dass einige evangelische Landeskirchen bis heute die Hoffnung hätten, um eine unabhängige Offenlegung von Missbrauch in ihrem Bereich herumzukommen, erklärte Rörig im Deutschlandfunk. Dagegen habe die katholische Kirche eine Vorreiterrolle übernommen.

Der evangelische Bevollmächtigte zur Aufklärung der Missbrauchsverbrechen, Martin Dutzmann, wies Rörigs Kritik zurück. Die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in Kirche und Diakonie werde nicht erst mit der Vereinbarung beginnen, welche die evangelische Kirche mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung in Kürze schließen will. Bis Ende September sollen Einzelheiten festgelegt werden. Bereits seit Herbst 2018 gibt es allerdings einen elf Punkte umfassenden Handlungsplan, der unter anderem eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung vorsieht. Ab kommendem Oktober will die evangelische Kirche Deutschlands in mehreren Teilstudien Ursachen und Strukturen sexualisierter Gewalt klären lassen.

Rörig wirft außerdem den Landesregierungen schwere Versäumnisse vor und verlangt, den Kampf gegen den sexuellen Kindesmissbrauch zur Chefsache zu machen. Anscheinend brauche die Politik immer erst Skandale, um Konsequenzen zu ziehen. Verwundert und verärgert sei er, „dass neben Nordrhein-Westfalen nicht alle anderen Bundesländer aktiver geworden sind nach den neueren Fällen in Staufen, Bergisch Gladbach, Lügde, Münster…“

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