Kirchenreform in der DiskussionNur ein Traum

Vorschläge für eine Kirchenreform scheitern allzu oft an eingefahrenen Strukturen und unwilligen Traditionalisten. Erst im Traum kann man all diese Hürden ausblenden und fragen: Was wäre, wenn ...

Vielleicht wird man in ein paar Jahren oder Jahrzehnten ehrfurchtsvoll an diesen Sommer zurückdenken. Da werden dann die katholischen Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Weihekurs 2032 zusammensitzen und sich erinnern: Wisst ihr noch? Es sah seinerzeit so düster aus für unsere Kirche. Nach dem Bekanntwerden des massenhaften Verbrechens sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen, nach Finanzskandalen, nach Machtmissbrauch, nach fortgesetzter Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen hatte sie jede Glaubwürdigkeit verloren. Die Menschen kehrten ihr in Scharen den Rücken.

Und wisst ihr noch, wie Papst Franziskus dann endlich gehandelt hat? Er hat sich nicht mehr um die Traditionalisten gekümmert, sondern er ging einfach nicht mehr ans Telefon, wenn gewisse Nummern aus Rom, Köln und Bayern auf dem Display erschienen. In einem ersten Schritt war es dann die Amazonas-Synode, die den Weg frei machte für regionale, subsidiäre Antworten. Katholische Kirche wird seither nicht mehr als uniforme Einheit verstanden, sondern als vielfältige Gemeinschaft, die trotzdem miteinander auf dem Weg ist. Und wie entschlossen gingen es viele deutschen Bischöfe danach an! Sie machten Laien zu Gemeindeleitern, weihten „bewährte“ Männer zu Priestern, Frauen zu Diakoninnen und bald auch zu Priesterinnen. Und dann kam ja auch schnell das Dritte Vatikanische Konzil, 2025–2027 … Ja, das waren die Zeiten, als die Menschen wieder anfingen, etwas von der Kirche zu erwarten – und da haben auch wir uns auf den Weg zur PriesterInnenweihe gemacht.

Wisst Ihr noch, werden zeitgleich aber auch ein paar alte Männer in einem Kloster in den italienischen Bergen sagen. 2019 war wirklich ein Schicksalsjahr für unsere Kirche. So ziemlich alles wurde angezweifelt. Kaum einer wollte zum Beispiel mehr einsehen, dass die kultische Reinheit verlangt, ausschließlich ehelose Männer als Priester zu haben. Und dann all die anderen Anbiederungen an den Zeitgeist! Aber was ist mit der Wahrheit und Heiligkeit? Als ob wir frei wären, die Kirche selber zu gestalten. Dass wir uns abgespalten haben, ja abspalten mussten, haben allein die „Revolutionäre“ zu verantworten. Wir sind jetzt zwar wenige, aber wir bewahren die reine Lehre …

Ja, so könnte es sein. Doch dann schreckt man auf und merkt, dass man nur eingenickt war. Wie es an so heißen Tagen schon mal passieren kann. Es war nur ein Traum beziehungsweise – je nach Standpunkt – ein Albtraum. Aber was heißt da „nur“? In der Bibel sind Jakob, Josef und wie sie alle heißen überzeugt davon, dass Träume keine „Schäume“ sind, sondern dass Gott im Traum zu ihnen spricht. Was ist mein Traum von Kirche? Und was wäre, wenn viele gemeinsam träumten?

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