Kirchenstatistik 2018: Schlimmer als befürchtet

Dass die kirchliche Statistik wieder schlecht aussehen würde, war erwartet worden. Vor allem die neuen Erkenntnisse über die sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen, der Kommunionstreit der deutschen Bischöfe und die Reformverweigerung bei Themen wie Gleichberechtigung und Sexualmoral prägten das verheerende Erscheinungsbild. Dass 2018 aber derart viele Menschen den Kirchen den Rücken gekehrt haben, scheint selbst die im Schönreden geübten Kommunikationsprofis in den kirchlichen Pressestellen an ihre Grenzen zu bringen. Aus der katholischen Kirche traten hierzulande mehr als 216000 Menschen aus, das ist fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. 220000 Menschen verließen die evangelische Kirche. Hinzu kommt: Die Zahl der Beerdigungen liegt weit höher als die Zahl der Taufen, Eintritte und Wiedereintritte.

In der Summe haben die beiden Kirchen im letzten Jahr rund 700000 Mitglieder verloren. Das entspricht fast der Einwohnerzahl von Frankfurt am Main. Damit ist gerade mal noch gut die Hälfte (53 Prozent) der Gesamtbevölkerung Mitglied in einer Kirche. Bereits vor ein paar Monaten haben Freiburger Forscher eine Schätzung für das Jahr 2060 vorgelegt: Dann, so prognostizieren sie, werden aufgrund der Austritte und der demografischen Entwicklung nur noch 22,7 Millionen Männer und Frauen Kirchenmitglied sein. Derzeit sind es 44,1 Millionen.

Zwei Stimmen aus dem Chor der üblichen betroffenen und beschwichtigenden Reaktionen lassen aufhorchen. Da ist zum einen die resigniert klingende Stellungnahme des Berliner Erzbischofs Heiner Koch. „Ich bin auch für Reformen der Kirche, aber ich glaube nicht, dass durch noch so viele Reformen die Menschen in Massen wiederkommen“, sagte er dem Kölner „Domradio“. „Das sieht man auch in der evangelischen Kirche.“ Der allgemeine Trend sei wohl nicht aufzuhalten, „selbst wenn wir alles neu machen würden, um dem Mainstream zu folgen, und eventuell tun, was die Menschen von uns erwarten“.

Auch der Münsteraner Religionssoziologe Detlef Pollack nimmt an, „dass die Kirchen den Abwärtstrend nicht stoppen oder gar umkehren können“. Er empfiehlt, diejenigen anzusprechen, die noch Mitglied in einer der Kirchen sind. Sie müssten bestärkende Botschaften erhalten, damit sie bleiben. „Es sollten sich auch die zu Wort melden, die jede Woche zur Messe gehen und darunter leiden, dass die Kirche so ein schlechtes Image hat. Sie sollten darüber reden, was sie an die Kirche bindet. Warum sie sie gut finden und was sie für sie bedeutet.“

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