Jetzt auch Missbrauch im Sport: jede(r) dritte Athlet(in)

Sexueller Missbrauch im Sport könnte ähnliche Ausmaße haben wie in der Kirche. Das befürchtet die Vorsitzende der Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch, Sabine Andresen. Sie verweist auf Forschungsergebnisse, die darauf hindeuten, „dass etwa jede dritte Athletin, jeder dritte Athlet Erfahrung gemacht hat mit sexueller Gewalt“. Im Sport gibt es vielfältige Gelegenheiten für sexuelle Übergriffe vor allem durch körperliche Nähe, etwa wenn Trainer bei Übungen Hilfestellungen geben.

In den letzten drei Jahren hat die unabhängige Aufarbeitungskommission bereits 1700 Berichte von Betroffenen erhalten. Menschen, die zum Beispiel im Sportverein Gewalt erfahren hätten, erlebten häufig, dass ihnen nicht zugehört und dass keine Verantwortung übernommen wird. Damit stehe der Sport für die gesamte Gesellschaft. Die Arbeit der Aufarbeitungskommission soll Betroffenen eine Perspektive bieten: „Wir werden gesehen, wir werden gehört, und das, was wir zu berichten haben, wird anerkannt und wertgeschätzt, und hoffentlich werden daraus auch in der Politik Schlussfolgerungen gezogen.“ Der Sport dürfe sich nicht hinter Prävention verstecken, sagt Andresen weiter: „Eine gute Prävention ist darauf angewiesen, Aufarbeitung zu machen“. Eine verpflichtende Absichtserklärung zur Aufarbeitung bezeichnet sie als „deutliches Bekenntnis, dass man gewillt ist, Verantwortung zu übernehmen und dass zu dieser Verantwortung auch eine unabhängige Aufarbeitung gehört“.

Die Aufarbeitungskommission wurde vom Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, einberufen. Sie ermöglicht es unter anderem den Opfern, die beim Freizeit-, Breiten- oder Leistungssport sexualisierte Gewalt erlitten haben, in einem vertraulichen Rahmen zu sprechen.

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