Kirche und StaatDie Allianz Thron-Altar entwickelte auch das Recht

Die historisch gewachsene Verbindung zwischen weltlicher und geistlicher Macht, zwischen „Thron und Altar“, gilt als problematische Allianz, weil sie politische Herrschaft und Gewalt im Namen des Christentums gerechtfertigt habe. Die Konstantinische Wende als erster Versuch dieses Ineinanders wird aus heutiger Sicht oft als Verrat am Evangelium beurteilt. Zweifel an dieser Perspektive hat der Wiener Alttestamentler Ludger Schwienhorst-Schönberger angemeldet. Aufgrund der Verbindung geistlicher und weltlicher Macht ist Letztere vielfach auch geläutert, den Herrschenden ein Gewissensspiegel vorgehalten worden – wie er sich in Fürstenspiegeln niedergeschlagen hat. Dadurch seien Rechtsstrukturen entstanden, die Gewalt an das Gesetz binden und Willkür einbremsen. So wurde eine moderne Gewaltenteilung vorbereitet.

Das Christentum habe in seinen Anfängen loyal zum Staat gestanden und die staatliche Gewalt respektiert. Bereits die Schöpfungsgeschichte zeige, dass anstelle der willkürlichen Bestrafung der Menschen durch die Götter die Bibel auf ein Rechtssystem setzt, das blinde Gewalt in ihre Schranken weist, beispielsweise in der Sintfluterzählung. „Genau in jenen Ländern, in denen die beiden Gewalten … miteinander rangen und keine von beiden die andere vollständig verdrängen konnte, sollte sich ein Prozess entwickeln, der mit der Gewaltenteilung und der Herausbildung des Rechts und der Bindung der Gewalt an das Recht den Prozess der Zivilisation entschieden voranbrachte.“

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