USAGeschlechter„revolte“ bei den Baptisten

In der Southern Baptist Convention, dem Verband baptistischer Gemeinden und Kirchen in den Vereinigten Staaten, hat eine Reformdebatte über die Beziehung und die Rolle von Mann und Frau in Kirche, Familie und Gesellschaft begonnen. Beim jüngsten Jahrestreffen in Dallas ist die vor allem betont konservative ideologische Ausrichtung dieser größten evangelischen Konfession Amerikas heftig diskutiert worden. Die 9000 Delegierten haben eine Erklärung verabschiedet, in der vor allem die Würde und der gleichberechtigte Wert der Frauen thematisiert werden und verlangt wird, deren Rolle in Kirche und Familie aufzuwerten.

Die Stimmung sei explosiv gewesen, berichtet die Katholische Nachrichten-Agentur. Aufruhr hatte schon zuvor der langjährige Präsident der fünfzehn Millionen Mitglieder zählenden Vereinigung, Paige Patterson, wegen zahlreicher sexistischer Äußerungen verursacht. Einer von ihrem Mann schwer misshandelten Frau hatte er geraten, zu ihrem Mann zurückzukehren und ihm zu verzeihen. Auch verschiedene Fälle sexuellen Missbrauchs soll es unter den Baptisten gegeben haben.

Das alles ließ mehrere tausend baptistische Frauen sowie insbesondere jüngere Mitglieder der Glaubensgemeinschaft gegen Patterson aufbegehren. Sie verlangen eine grundlegende Neuausrichtung der kirchlichen Haltung und der kirchlichen Führung in Fragen der Geschlechterbeziehung. „Jede Bewegung, die mehr rückwärtsgewandt als vorausschauend ist, hat die Stabilität eine Kartenhauses“, beschreibt die Anglistin und Literaturwissenschaftlerin Karen Swallow Prior von der Liberty University in Virginia die aktuellen Umbrüche in ihrer Glaubensgemeinschaft. Die Führungsebene hätte „weniger Zeit für die Kulturkriege“ und mehr Energie für den Aufbau einer eigenen biblisch-christlichen Bewegung aufbringen sollen. Zwar wird von den aufbegehrenden Frauen und jüngeren Baptisten nicht die Geschlechterdifferenz und eine gewisse Rollenverteilung von Mann und Frau in Familie und Kirche infrage gestellt, aber es müsse jetzt endlich anerkannt sein, dass beide Geschlechter vor Gott gleichwertig sind.

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