Trockene NächteManchmal geht es eben in die Hose

Wenn Kinder einnässen, raten Ärzte, gelassen zu bleiben und abzuwarten

Manchmal geht es eben in die Hose
Wann Kinder nachts trocken werden, ist sehr unterschiedlich © MIA Studio - Adobe Stock

Der fünfjährige Paul trägt schon länger keine Windel mehr, macht nachts aber manchmal noch ins Bett. Für seine Eltern war das anfangs kein Problem, doch nun rückt die Einschulung näher und sie machen sich Sorgen. Sollte das Trockenwerden nicht abgeschlossen sein, wenn das Kind in die Schule kommt? Kinderärzte sehen das etwas gelassener und raten Eltern, geduldig zu bleiben. Denn tatsächlich verschwindet das Problem häufig mit der Zeit von selbst.
Nach Angaben der Initiative Trockene Nacht – Guter Tag nässen 15 Prozent der Fünfjährigen nachts noch ein. Bei den Siebenjährigen sind es laut Statistik noch 10 Prozent und selbst bei den Zehnjährigen machen rund sieben Prozent noch ins Bett. Dabei sind vor allem Jungen betroffen, wie Prof. Jörg Dötsch, Direktor der Kinderklinik an der Uniklinik Köln, erklärt: „Die neurologische Reifung vollzieht sich bei ihnen langsamer als bei Mädchen. Ist die Blase nachts voll, bekommt das Gehirn nicht den nötigen Impuls zum Wachwerden. Das Kind schläft also weiter und merkt nicht, dass es auf Toilette muss.“
Wann Kinder trocken werden und es auch nachts bleiben, ist sehr unterschiedlich. Bei den meisten klappt es, zumindest tagsüber, zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr. Mit etwa fünf Jahren können viele Kinder auch nachts ihre Blase kontrollieren. Doch die Fähigkeit dazu muss erst erworben werden und das kann unterschiedlich lange dauern. „Eine Altersgrenze, ab welcher das Einnässen unnormal ist, gibt es nicht“, berichtet Dötsch. Er rät, den Kinderarzt aufzusuchen, wenn das Kind zum Beispiel über Schmerzen beim Wasserlassen klagt. Dann sollten organische Ursachen wie eine Blasenentzündung ausgeschlossen werden. Auch wenn das Kind mehrmals in der Woche einnässt, gerade tagsüber, oder nach langer Zeit plötzlich wieder, sollte der Kinderarzt hinzugezogen werden. In letzterem Fall kann es sein, dass das Kind durch bestimmte Ereignisse psychisch belastet wird. Die Geburt eines Geschwisterchens, die Trennung der Eltern oder Probleme in der Schule können es aus dem Gleichgewicht bringen. „Dann ist oft der Punkt erreicht, an dem das Einnässen die gesamte Familie belastet. Es sollte daher ärztlich begleitet werden.“

Wann und wie viel trinkt das Kind?

Eltern sollten ihr Kind also genau beobachten und viel mit ihm sprechen. Außerdem kann es hilfreich sein, ein Tagebuch zum Trinkverhalten zu führen. Darin wird notiert, wann und wie viel das Kind tagsüber trinkt, wann es auf die Toilette geht, wie viel Urin es ausscheidet und wann es einnässt. So entsteht ein aussagekräftiges Protokoll, auf das der Kinderarzt zugreifen und möglicherweise schon eine Ursache erkennen kann.
Sinnvoll ist es auch, sich das Trinkverhalten genauer anzusehen. Trinkt das Kind ausreichend und über den Tag verteilt, oder erst am Nachmittag und Abend? Die Initiative Trockene Nacht – Guter Tag empfiehlt, dass Kinder bis zum Nachmittag rund 75 Prozent ihres Tagesbedarfs trinken und die Mengen danach reduzieren. Spätestens eine Stunde vor dem Zubettgehen sollte idealerweise nichts mehr getrunken werden.
Eltern sollten zusätzlich auch den Toilettengang ihres Sprösslings beobachten. Besonders wichtig ist es, dem Kind zu vermitteln, dass es sich Zeit nehmen soll. Kleineren Kindern kann es helfen, ihre Füße auf einem Hocker abzustellen, damit die Beine sich in einem Winkel von 90 Grad befi nden. So kann sich die Blasenmuskulatur besonders gut entspannen. Mit etwas Hilfe, einer liebevollen Begleitung und viel Geduld wird jedes Kind irgendwann trocken.  

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