Milch in der KritikMilch macht's!?

Unnatürlicher Dickmacher oder wichtige Kalziumquelle? Kaum ein Lebensmittel löst so viele Emotionen aus wie Milch

Milch macht's
Auch die Kleinen helfen fleißig beim melken © Getty Images

Milch macht dick und krank, so die Vorwürfe der Milchgegner. Unter anderem wird sie für Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Krebs, Fettleibigkeit oder Diabetes verantwortlich gemacht. Außerdem soll sie die Atemwege verschleimen sowie Infekte und Asthma begünstigen. Kritisiert werden auch die Zustände in der Milchindustrie – für viele die Motivation, sich für eine vegane Lebensweise zu entscheiden. Menschheitsgeschichtlich betrachtet ist Milch ein relativ neues Nahrungsmittel. Erst vor rund 8000 Jahren, mit dem Einzug von Ackerbau und Viehzucht, begannen unsere Vorfahren, Milch zu trinken. Die längste Zeit galt sie als ungenießbar, da der Verdauungstrakt erwachsener Menschen den Milchzucker (Laktose) kaum zerlegen konnte. Im Gegensatz dazu konnten Babys die in der Muttermilch ebenfalls enthaltene Laktose seit jeher problemlos verdauen. Heute bilden bei uns die meisten Menschen das zur Zerlegung des Milchzuckers benötigte Enzym Laktase, von einer Laktoseintoleranz sind lediglich 15 Prozent der Deutschen betroffen. Wissenschaftlich nachgewiesen ist der Zusammenhang zwischen Milch und den genannten Krankheiten nicht. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist Kuhmilch zwar ein häufiges Allergen, aber eben auch fast immer das erste Fremdeiweiß. Eine Kuhmilchallergie klingt meist innerhalb weniger Monate ab. In Familien mit erhöhtem Allergierisiko wird geraten, möglichst lange zu stillen oder spezielle HA-Nahrung zu geben, bei der das Milcheiweiß bereits aufgespalten wurde.

Milch ist ein Nährstofflieferant

Milch ist ein Lebensmittel mit vielen guten Inhaltsstoffen, dies bestätigt auch die Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Sie liefert viel Eiweiß und Kalzium für Knochen, Zähne und das Wachstum allgemein und ist zudem eine gute Jod- und Vitamin-D-Quelle. Nach dem ersten Geburtstag empfiehlt das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) täglich 300 Gramm Milchprodukte, also etwa 150 Milliliter Milch, 120 Gramm Joghurt und 30 Gramm Käse. Ab zwei Jahren dann 330, ab vier Jahren 350 Gramm bzw. Milliliter.

Milch ist aber auch sehr kalorienreich, deshalb sollte sie nicht als Durstlöscher herhalten. Das FKE favorisiert ab dem ersten Geburtstag die fettarmen, teilentrahmten Varianten (Fettgehalt bis 1,8 Prozent). Wissenschaftler der Harvard University wiesen jedoch kürzlich darauf hin, dass Kinder, die fettarme Milchprodukte zu sich nehmen, oft an andere Stelle mehr essen. Sie vermuten, dass Vollmilch (Fettgehalt mindestens 3,5 Prozent) satter macht. Von gezuckerten Milchgetränken wie Kakao raten sie gänzlich ab, da flüssige Kalorien die Entstehung von Übergewicht begünstigen.

Generell ist Milch von Öko- oder Berglandhöfen vorzuziehen: Mit viel Grünfutter versorgte Kühe geben eine andere Milch als mit Kraftfutter aufgepäppelte Tiere. In Ökomilch sind zum Beispiel mehr fettlösliche Vitamine enthalten. Außerdem hat sie ein günstigeres Fettsäuremuster, das heißt, sie beinhaltet mehr von den gesunden Omega-3-Fettsäuren.

Ob Kinder ganz ohne Kuhmilch auskommen, etwa im Rahmen einer veganen Ernährungsweise, ist selbst unter Experten umstritten. Sicher ist, dass Eltern sich gut auskennen müssen, um eine ausreichende Kalzium-, Vitaminund Eiweißzufuhr zu gewährleisten.

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Milch ist nicht gleich Milch

Rohmilch: Kommt direkt vom Hof, wird nach dem Melken lediglich gefiltert und gekühlt und ist maximal drei Tage haltbar. Kinder, die viel Rohmilch trinken, sind weniger anfällig für Heuschnupfen, Neurodermitis, Asthma und Infekte. In der Milch können aber auch krankmachende Keime enthalten sein.

Homogenisierte Milch: Beim Homogenisieren werden die Fettbestandteile der Milch zerkleinert, um die natürliche „Aufrahmung“ (der fette Rahm trennt sich vom Wasser und schwimmt oben auf) zu verhindern. Sämtliche Milch aus dem Supermarkt ist homogenisiert, lediglich demeter verzichtet auf dieses Verfahren.

Pasteurisierte Milch: Milch aus dem Supermarkt ist pasteurisiert, das heißt sie wurde für wenige Sekunden erhitzt, um Keime abzutöten. Die Milch wird bis zu zehn Tage haltbar, Nährwert, Geschmack und Konsistenz der Milch werden nur unbedeutend verändert.

H-Milch: Ultrahocherhitzte Milch ist ungekühlt mehrere Monate haltbar. Sie enthält weniger Vitamine, der Eiweiß und Kalziumgehalt bleiben gleich.

ESL-Milch: Wird durch ein spezielles Verfahren (ESL= extended shelf life) länger haltbar gemacht und ist rund drei Wochen genießbar, der Nährstoffgehalt unterscheidet sich nicht von frischer Milch.

Juniormilch: Das im Handel auch als Kindermilch bezeichnete Produkt ist ein reiner Marketing-Gag und laut der DGKJ überflüssig.

Fermentierte Milchprodukte: In fermentierten Milchprodukten wie Joghurt oder Kefir befindet sich kaum noch Laktose, da diese bei der Herstellung umgewandelt wird.

Milchersatzprodukte: Soja-, Getreideoder Mandelmilch werden oft schon mit Kalzium angereichert angeboten, enthalten aber kaum Eiweiß.

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