Laus raus!Geheime Gedanken einer Kitaleitung

Geheime Gedanken einer Kita-Leitung: Die Zaubertür
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Wahrscheinlich werden Sie sich bei diesem Thema instinktiv am Kopf kratzen. Trotzdem komme ich leider nicht um das Thema „Läuse“ herum. Denn wir müssen uns regelmäßig gegen Jahresende damit beschäftigen. Vermutlich fängt das Ganze aber schon nach den Sommerferien an. Nur: Die Eltern sagen ja nichts, weil sie Angst haben, dass ihr Kind von der Kita ausgeschlossen wird. Heimlich versuchen sie, das Elend zu Hause in den Griff zu bekommen. Doch meistens unterschätzen sie den Mitteilungsdrang ihres Kindes. Kürzlich beschwerte sich Lisa, dass sie die Nase voll hätte: Jeden Abend würde sie gekämmt. „Das tut weh und manchmal findet Mama so ein Vieh. Dann wird sie sauer und ich kriege stinkendes Shampoo auf den Kopf.“ Oh, oh! Spätestens jetzt wissen wir: Es ist wieder so weit.

Lisas Eltern hatten wohl seit Tagen gegen die Tierchen gekämpft, uns aber nichts verraten. Als ich gegenüber Lisas Mutter meine Vermutung äußerte, das Kind habe vielleicht Läuse, wurde sie puterrot und druckste: „Sie muss sie sich hier eingefangen haben, sind aber schon wieder weg. Da sind nur noch ein paar Nissen.“ Unser Schild „ACHTUNG LÄUSE!“ harrte schon im Schrank seiner jährlichen Verwendung. Kaum hatte ich es aufgehängt, war die Aufregung groß. Die Eltern der älteren Kinder stöhnten nur, blieben aber gelassen, denn sie kannten das schon. Die „neuen“ Eltern waren schier außer sich. „Das ist ja unerhört“, schimpfte ein Vater. „Läuse! Wo sind wir denn hier?“ Seine Vorstellungen waren wohl leicht antiquiert. Hätte er doch nur unseren Flyer, den wir am Anfang des Kindergartenjahres verteilt hatten, sorgfältiger gelesen oder am Elternabend zum selben Thema teilgenommen. Vor der Kita bildeten sich Trauben diskutierender Eltern, die aufgeregt mit den Armen fuchtelten und sich zugleich unauffällig am Kopf zu kratzen versuchten. Besagter Vater lief aufgebracht von Traube zu Traube, um die Eltern zu überzeugen, dass man etwas tun müsse.

„Passt auf“, sagte ich zu den Kolleginnen, „dieses Jahr wird die Läusezeit eine echte Challenge!“ Und tatsächlich: Die aufgeregten Eltern schmiedeten einen Plan. Morgens drauf erreichte mich eine E-Mail des Elternrats: „Die Eltern haben beschlossen, eine Läuse-Patrouille einzurichten. Je zwei Eltern kontrollieren die Kinder im Flur. Wird bei einem Kind Läusebefall festgestellt, ist es umgehend abzuholen. Alle Eltern stimmen dieser Maßnahme zu.“ Das konnte ja heiter werden! Andererseits: Eine Läusekontrolle vor Betreten der Gruppen war eigentlich nicht so verkehrt. Schon am selben Morgen übernahmen zwei Eltern den Job, Punkt sieben Uhr standen sie auf der Matte. So schnell hatte ich gar nicht mit ihnen gerechnet. Doch ich hatte viel zu tun. Also begrüßte ich die Eltern nur kurz und bedankte mich für ihr Engagement. Ich sah noch, wie sie einen Tisch aufstellten und Utensilien auspackten. Die Kinder mussten sich erst hintereinander aufstellen und dann zum Kopf-Check einzeln auf einem Stuhl Platz nehmen. Die Eltern schienen bestens organisiert. In der Zwischenzeit gingen wir unseren eigenen Maßnahmenplan an. Die Verkleidungsecke wurde geschlossen, alle Kleider wurden in Säcke gepackt und im Keller verstaut. Eine Kollegin staubsaugte gründlich alle Böden. Im Schlafraum wurde sämtliches Bettzeug abgezogen, in Tüten verpackt und mit Waschauftrag an das Fach jedes Kindes gehängt, und, und, und …

Wir waren so beschäftigt, dass wir uns gar nicht mehr um die Läuse-Patrouille gekümmert hatten. Gegen neun Uhr ging ich nachschauen, ob alles geklappt hatte. Die beiden Mütter hatten offensichtlich mit großem Eifer alle Köpfe in Augenschein genommen. Stolz erzählten sie, dass sie jedes Kind untersucht hätten. Mit EINER Bürste und mit EINEM Kamm! Am nächsten Tag kamen nur wenige Kinder in die Einrichtung und so hatten wir Zeit, unseren Läuse-Flyer zu überarbeiten.

Herzlichst
Petra Mönter

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