7 Thesen zur ästhetischen Bildung

Noch schnell eine Bastelvorlage im Internet suchen? Entspricht das den Kindern? Kaum. Denn zur ästhetischen Bildung brauchen Kinder vor allem zwei Dinge: kindgerechtes Material und den Freiraum, sich kreativ auszudrücken.

7 Thesen zur ästhetischen Bildung
© picture alliance - Shotshop Madhourse
  1. Ästhetische Bildung orientiert sich immer am Kind
    Ausgangspunkt allen pädagogischen Handelns ist das Kind. Für welche Themen interessiert sich das Kind? Wie erlebt und erkundet es die Welt? Ob beim Malen, Gestalten, Tanzen, Musizieren – kreative Aktivitäten gehen vom Erleben des Kindes aus und fördern es in seiner Entwicklung. Damit steht der Prozess im Vordergrund und nicht das vorzeigbare Produkt.
  2. Ästhetische Bildung ist intrinsisch motiviert
    Geht die ästhetische Aktivität vom Kind aus oder nimmt es einen Impuls der pädagogischen Fachkraft an, ist das wertvolle Selbstbildung. Aber nicht immer, wenn Kinder „basteln“ oder „malen“, ist es ästhetische Bildung. Für angehenden Erzieher*innen ist es wichtig, erkennen zu können, um welchen Bildungsbereich es gerade hauptsächlich geht.
  3. Ästhetische Bildung muss selbstbestimmt sein
    Kindgerechtes Material und Impulse, wie es eingesetzt werden kann – das gibt Kindern die Möglichkeit, sich auszuprobieren und sich kreativ auszudrücken. Dementsprechend sollten Studierende und Praktikant*innen dazu ermutigt werden, Bildungsarrangements zu wählen, die Kindern eine Chance geben: nämlich die, selbstbestimmt kreativ sein zu dürfen.
  4. Ästhetische Bildung ist mehrdimensional und kompetenzorientiert
    Ob mit Farbe, Kleister, Stoffen, Knete oder gar mit der eigenen Stimme – im Ausprobieren entwickeln Kinder ihre ästhetische Wahrnehmung. Das freie Gestalten gibt Raum für verschiedene Wege, mit Material umzugehen. Das Besondere an diesem Prozess ist: Er verschränkt Denken, Fühlen und sinnliches Tun. Solche Erfahrungen stärken langfristig die Selbstwahrnehmung und Ausdrucksfähigkeit von Kindern.
  5. Der Blick über den Tellerrand regt ästhetische Bildungsprozesse an
    Neben dem Internet als Quelle sollten pädagogische Fachkräfte immer wieder auf gute Fachbücher zugreifen. Denn gute Literatur liefert Ideen zu Materialien, stellt Techniken und Darstellungsformen vor, die von Kindern ausprobiert und variiert werden können. Auch Atelierbesuche, Exkursionen ins Kunstmuseum oder Kooperationen mit Künstler*innen unterstützen dabei, den Erfahrungsschatz von Kindern, Studierenden und (angehenden) Fachkräften zu erweitern.
  6. Ästhetische Bildung hat pädagogische Ziele
    Wenn Studierende und Praktikant*innen mit Kindern produktorientiert „basteln“, verdient das Anerkennung – wenn es und solange es die Kinder freut. Wichtig ist jedoch, die Ziele des pädagogischen Handelns nicht aus den Augen zu verlieren. Welche methodisch-didaktische Alternative gibt es zur produktorientierten Bastelvorlage? Das muss in Ausbildung und Praxis thematisiert werden.
  7. Beim Thema ästhetische Bildung müssen Fachschulen, Praxis und Eltern eng zusammenarbeiten
    Wie lässt es sich erreichen, dass Studierende die theoretische Basis für ästhetische Bildung in der Kita anwenden können? Und dies auch tatsächlich tun? Dazu ist ein intensiver Dialog zwischen Fachschulen und der Praxis notwendig. Nur so lässt sich absichern, dass der Effekt vieler Unterrichtsstunden nicht einfach verpufft. Zuletzt: Die Erwartungshaltung der Eltern spielt beim kreativen Handeln in der Kita ebenfalls eine Rolle. Kinder wollen, dass ihre Werke gefallen und den Erwartungen entsprechen. Daher muss sich vor allem in den Köpfen der Erwachsenen etwas ändern, damit das Kind in seiner Kreativität geschätzt und bestärkt wird.
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