Wegen rechtsextremer VerstrickungenSächsischer Landesbischof Rentzing kündigt Rücktritt an

Sachsens evangelischer Bischof Carsten Rentzing hat seinen Rücktritt angekündigt. Grund sind Verstrickungen des 52-jährigen Theologen in die rechte Szene. Wie Recherchen der ARD offenlegten, war Rentzing als Student Redakteur einer Zeitschrift, die dem Rechtsextremismus zugerechnet wird. Zudem ist er Mitglied einer schlagenden Verbindung und hielt 2013 einen Vortrag in der dem neurechten Spektrum zuzuordnenden „Berliner Bibliothek des Konservatismus“, von dem er sich später distanziert hatte.

Alle diese Dinge waren bei seiner Wahl zum Landesbischof 2015, bei der Rentzing im sechsten Wahlgang mit einer Stimme Vorsprung vor dem letzten verbliebenen Gegenkandidaten gewählt wurde, noch nicht bekannt. Die Tätigkeit als Redakteur für die Zeitschrift „Fragmente“ wurde sogar erst einen Tag nach Rentzings Rücktritt öffentlich. Darin hatte Rentzing Texte veröffentlicht, die die Kirchenleitung seiner Landeskirche in einer Stellungnahme nach Bekanntwerden als „verstörend“ und „elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich“ sowie „aus damaliger und aus heutiger Sicht unvertretbar“ bezeichnete. In der in kleinster Auflage erschienenen Studentenzeitschrift hatten zudem bereits in den Neunzigerjahren, also vor dem Zeitalter der Verschwörungstheorien des Internets, Organisationen aus dem Umfeld der damals noch weitgehend unbekannten Reichsbürger-Bewegung inseriert. In seiner Rücktrittsankündigung erklärte Rentzing, dass er Positionen, „die er vor 30 Jahren vertrat“, heute nicht mehr teile – ohne dass der Theologe freilich die Zeitschriftenbeiträge nannte. Bereits im September hatten Leipziger Pfarrer im Internet eine Petition gestartet, die Rentzing aufforderte, sich von der neurechten Szene zu distanzieren. Sie störten sich auch daran, dass Rentzing in seiner vierjährigen Amtszeit – anders als etwa der scheidende Berliner Bischof Markus Dröge – kaum je klare Stellung zur Alternative für Deutschland bezogen hatte, die bei der Landtagswahl am 1. September in Sachsen 27,5 Prozent der Zweitstimmen geholt hatte.

Zum Rücktritt Rentzings gab es deswegen keine Alternative. Mehr noch: Für die Evangelische Kirche ist eine derartige Nähe einer ihrer Führungspersönlichkeiten zum Rechtsextremismus ein handfestes Problem, zumal es auch ein Fragezeichen hinter die Fähigkeit von Synoden setzt, Personalentscheidungen zu treffen. Schließlich scheint sich vor der Wahl niemand intensiver mit Rentzings Lebenslauf befasst zu haben. Von der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, die im November zu ihrer nächsten Tagung zusammenkommt, ist wohl ein deutliches Zeichen zum Rechtsextremismus zu erwarten. Denn der Tagungsort des evangelischen Kirchenparlaments ist ausgerechnet Dresden. Benjamin Lassiwe

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