AuftaktWechsel beim ZdK

Bei der Vollversammlung Ende November kommt es zu einer echten Wahl.

Es war keine Verlegenheitslösung, sondern eine mehr als gute Lösung angesichts einer Verlegenheit. Als vor sechs Jahren zum letzten Mal ein neuer Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) gewählt werden musste, lagen die Laien mit den Bischöfen überkreuz. Der unverhofft ins Amt gekommene Alois Glück, der schon mit dem Ruhestand geliebäugelt hatte, entpuppte sich als wichtige integrierende Kraft des deutschen Katholizismus in den vergangenen schwierigen Jahren seit 2009.

Jetzt wird er wie geplant abgelöst und es gibt, höchst ungewöhnlich im ZdK, mit Blick auf das höchste Amt eine echte Wahl – angesichts der oft genug beklagten Demokratiedefizite innerhalb der katholischen Kirche ist das ein gutes Signal. Mitte Oktober gab das ZdK bekannt, dass sich ein Kandidat und eine Kandidatin um den Posten bewerben.

Nachdem seit längerer Zeit darüber spekuliert wurde, ob eine Frau (und welche) das Amt anstrebt, hat Maria Flachsbarth den Hut in den Ring geworfen (vgl. HK, September 2015, 446). Die Tierärztin ist CDU-Bundestagsabgeordnete, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB). Auf der anderen Seite steht der Kunsthistoriker und Theologe Thomas Sternberg, Direktor des Franz-Hitze-Hauses, der katholischen Akademie des Bistums Münsters, und seit längerem bereits Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen und dort auch kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion (vgl. HK, März 2015, 119-124).

Vom Profil her gibt es also eine Reihe von Gemeinsamkeiten. Zu den Unterschieden zählt neben der Frage ob Mann oder Frau, dass Sternberg zu den ZdK-Urgesteinen mit einem vielfältigen Engagement gehört, während Flachsbarth seit 2011 Mitglied des Gremiums ist. In jedem Fall aber steht ein Generationenwechsel an, sowohl Flachsbarth (geb. 1963) als auch Sternberg (geb. 1952) sind deutlich jünger als die Riege der Präsidenten und der Präsidentin der vergangenen Jahrzehnte (Bernhard Vogel, Hans Maier, Rita Waschbüsch, Hans-Joachim Meyer und eben Glück), die im Großen und Ganzen einer Generation angehören.

Es ist nicht zu erwarten, dass die kommenden Jahre für die katholische Kirche in Deutschland ruhiger werden als die vergangenen. Trotz des Rückenwinds durch das Pontifikat von Franziskus wird man hierzulande wie in anderen westeuropäischen Ländern mit einer schwindenden Kirchenbindung und sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen haben. Aber auch mit Blick auf die innerkirchlichen Schwierigkeiten dürften die Flügelkämpfe einstweilen eine Belastung bleiben. Hier gilt immerhin: Mit der Diskussion einer Reihe von Themen auf der Bischofssynode im Vatikan zu Familienfragen ist der Vorwurf vom Tisch, hier handele es sich um „typisch deutsche“ Themen, gerne auch in Kombination mit abschätzigen Bemerkungen zum ZdK. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst von Glück – dieses Erbe ist aber auch eine gewaltige Aufgabe für die neue Präsidentin oder den neuen Präsidenten.

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