Spiritualität und DüfteWeihrauch ade?

Wie können Düfte einen Zugang zu Kirche und Glauben schaffen? Dazu forschen Wissenschaftler der Bochumer Ruhr-Universität.

Was unsere Nase erschnuppert, wird blitzschnell vom Gehirn verarbeitet. „Geruchserlebnisse können mitunter viel tiefer berühren als Worte“, heißt es in diesem Buch der Bochumer Ruhr-Universität. Im dort angesiedelten Zentrum für Angewandte Pastoralforschung befassen sich unter anderem Theologen, Parfümeure, Historiker und Biologen interdisziplinär mit der Rolle des Dufts im Kirchenraum.

Geruchserlebnisse spielen in vielen Religionen eine wichtige Rolle: Zum Ende des Sabbats wird etwa im Judentum an der Besamimbüchse mit duftenden Gewürzen gerochen. Auch im Christentum sind Düfte in zentralen Momenten gegenwärtig. „So begleitet Weihrauch die Transsubstantiation in der traditionellen katholischen Messe, verwandelt etwas Profanes in etwas Göttliches“, schreibt die Religionswissenschaftlerin Anna Neumaier. Weihrauch gilt als kirchlicher Erkennungsduft schlechthin. Doch – so sind die Wissenschaftler überzeugt – das muss nicht immer so bleiben. Sie wollen im wahrsten Sinne des Wortes frischen Wind in die Kirche bringen.

Die Kirchenluft solle „anders, frischer, vielfältiger und spirituell thematischer beduftet werden“, findet der Theologe Matthias Sellmann. Vier moderne Raumdüfte hat er mit seinem Projektteam in Kooperation mit Parfümeuren kreiert, um zum Beispiel mit Vanillin, Mandarinen-, Zimt- oder Zitrusnoten die Feste des Kirchenjahrs spirituell zugänglich zu machen. Was 2016 mit einer multisensorischen Veranstaltung im Kölner Dom begann, ist heute zu einem innovativen, wenn auch nicht ganz unkommerziellen Angebot geworden. Ob es eine große Konkurrenz für die altbewährte Weihrauch-Tradition wird? Das muss die Zukunft zeigen.

Spannende Einblicke gewährt der reich bebilderte und anschaulich gestaltete Band. Fundiert sind die wissenschaftlichen Erläuterungen zu Abläufen des Riechens aus der Sicht von Naturwissenschaft, Religionswissenschaft und Frömmigkeitsgeschichte. Die für die pastorale Praxis ausgelegten Anregungen zum Einsatz von Düften in Liturgie, Gebet und Gemeinde haben ein gemeinsames Anliegen: „Ein Kirchenraum, der faszinierend riecht, und ein Gottesdienst, der mit allen Sinnen Gottes Gegenwart feiert, haben Ausstrahlung und können über das Staunen ins Gebet führen.“

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