FastenzeitSchutt und Asche

Wie man das Aschekreuz als Inspiration in die Fastenzeit trägt.

Was faste ich dieses Jahr? Lange habe ich in der letzten Woche über diese Frage nachgegrübelt. Soll ich in der österlichen Bußzeit auf Schokolade verzichten? – Ich bin ohnehin kein großer „Süßigkeiten-Mensch“. Soll ich die sozialen Medien meiden? – Allerdings bieten diese Plattformen gerade jetzt einen direkten Einblick in das dramatische Weltgeschehen, und sie dienen auch zur Organisation von Friedensgebeten und Solidaritätsaktionen. Soll ich ein kirchliches Bleiben-oder-Gehen abwägen (vgl. hier und hier)? – Mit den katholischen Abgründen und dem ständigen (Ver-)Zweifeln bin ich ja eigentlich schon das gesamte Kirchenjahr beschäftigt.

Dann brachte ich am Abend des Aschermittwochs meine Tochter ins Bett, dachte nach und konnte in meinem Haar immer noch die Reste des Aschekreuzstaubes spüren – und auf einmal hatte ich die Bilder der zu Schutt und Asche zerstörten Häuser in der Ukraine vor Augen und die Fotos der Menschen, die angstvoll zusammengekauert in den staubigen Kellern ausharren müssen.

Das Kreuz bleibt

„Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ (Gen 3,19). Der Satz klang in mir nach und veränderte seine Gestalt: Gedenke der Ukrainerinnen und Ukrainer, deren Häuser durch die Bombenangriffe in Schutt und Asche zerbombt wurden. Gedenke der Erwachsenen und der Kinder, die sich voller Furcht in den Bunkern und Kellern verbergen. Gedenke der Männer und Frauen, deren Zukunftshoffnung gewaltsam zu Staub zerstoben wird. Gedenke der Millionen, die über staubige und steinige Wege vor dem Krieg fliehen. Gedenke der Menschen, die in diesem Krieg verletzt werden oder sterben müssen.

Auf einmal wusste ich, wie mein Fasten-Vorsatz in dieser österlichen Bußzeit lauten würde: Ich will die Asche (auch wenn sie inzwischen äußerlich längst weggewaschen ist) symbolisch weiter in meinen Haaren mit mir tragen, als ständige Erinnerung und Ermahnung, das Schicksal der Menschen in der Ukraine nicht zu vergessen – und auch all die anderen, die unter Krieg und Verfolgung leiden.

Hoffen, beten, spenden

Gemeinsam mit meiner Familie habe ich mir nun für die kommenden Fastenwochen vorgenommen, nicht mehr als die wirklich notwendigen Güter anzuschaffen und stattdessen lieber Dinge zu kaufen und weiterzugeben, die die ankommenden Ukraine-Flüchtlinge am dringendsten brauchen. Außerdem wollen wir gemeinsam mit Freunden, die sich der Idee angeschlossen haben, weite Teile unseres Monatsgehaltes an entsprechende Hilfsorganisationen spenden. Und natürlich werden wir auch weiter jeden Abend unsere Ukraine-Kerze (siehe letzte Ausgabe) anzünden für die Menschen im Kriegsgebiet sowie für ein möglichst schnelles Ende dieses schrecklichen Krieges beten und mit ganzer Kraft hoffen, dass auch aus diesem Schutt und aus dieser Asche bald die Auferstehung hindurchschimmern möge.

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