PressefreiheitKritik? Alles Agenda!

Einige Bischöfe sehen sich als Opfer einer ungerechten Medienkampagne.

Wer es gewohnt ist, zeitlose Wahrheiten zu verkünden, tut sich manchmal schwer mit kritischen Nachfragen. Anders lässt sich die Empörung einiger deutscher Bischöfe nicht erklären, wenn Journalisten auch im kirchlichen Kontext Probleme anprangern, manchmal auch Skandale enthüllen, kurz: ihren Job machen. Eine besonders schlechte Figur machte gerade der Kölner Weihbischof Ansgar Puff in einem „Tagesimpuls“ auf YouTube. Von den Halbwahrheiten und Lügen, die Donald Trump in seinen letzten Tagen im Amt verbreitete, kommt Puff plötzlich zum „angeblichen Fehlverhalten von Bischöfen“, von dem er aus der Zeitung erfahre. „Wenn ich in bestimmten Medien Woche für Woche immer wieder das gleiche Thema lese, dann schaue ich genau hin“, schärft er seinen Zuhörern ein. „Ich überlege, was dahinterstecken könnte. Welche Agenda da verfolgt wird.“ Dass ständige Wiederholung ein gutes Mittel sei, um Lügen zu verbreiten, habe immerhin schon Joseph Goebbels gewusst.

Zwei Arten von Wahrheit

Seine Botschaft ist deutlich: Die Kirche sei unschuldiges Opfer einer Hetzkampagne. Die Tatsache, dass Zeitungen und Nachrichtensendungen quer durchs politische Spektrum immer wieder auf Skandale – auch in Puffs Heimatbistum Köln – aufmerksam machen, sei kein Beleg dafür, dass an den Beschwerden etwas dran sein könnte, sondern eine gezielte Agenda. Dass der Weihbischof inzwischen zurückgerudert ist und beteuert, mit dem unentschuldbaren Goebbels-Vergleich sei nur der schmutzige US-Wahlkampf gemeint gewesen, ist dabei nicht besonders glaubwürdig.

Das Video ist kein einmaliger Ausrutscher. Nur wenige Tage später wetterte der Augsburger Bischof Bertram Meier in einer Predigt gegen die „Dreistigkeit und Unverfrorenheit von alternativen Fakten und Lügengebäuden in den Medien“. Journalisten arbeiteten immer öfter mit reinen Vermutungen und Unterstellungen. Die Leser müssten aufpassen, nicht einer „verbreiteten Schwarz-Weiß-Malerei“ ins Netz zu gehen. Stattdessen gelte es, der Wahrheit im privaten Leben Raum zu geben. Und zwar nicht der „abstrakten“ Wahrheit – „sondern der Wahrheit in Person, Jesus Christus“. So einfach kann man es sich machen, wenn einem die Wahrheit in der Zeitung nicht gefällt.

Geht doch zum Presserat!

Natürlich gilt auch, dass Behauptungen nicht nur deswegen stimmen müssen, weil sie gedruckt werden. Manche Journalisten machen es sich mit ihrer Kirchenkritik sehr leicht, vermischen Entwicklungen, die getrennt betrachtet werden müssen. Aber: Wer bei jedem sich bietenden Anlass allgemeine Medienschelte betreibt, untergräbt das Vertrauen in einen der Grundpfeiler unserer freien Gesellschaft. Wir leben eben nicht in einem Propaganda-Staat wie zu NS-Zeiten, sondern haben objektive Stellen, die entscheiden, was journalistisch zu weit geht. Wenn Bischöfe konkrete Probleme mit der Berichterstattung haben, können sie sich gern an den Presserat wenden. Das dürfte auch deutlich mehr bringen, als von der Kanzel oder in YouTube-Videos von den nebulösen „Lügengebäuden der Medien“ zu schwadronieren.

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