Leserbriefe

Kirchliche Umkehr

Die Predigt von Bischof Bätzing (vgl. CIG Nr. 39, S. 5) ist berührend, reumütig, demütig und aufrichtig. Sie stellt den Dienst der Kirche in das Licht der Verkündigung an die ihr anvertrauten Menschen und betont zugleich die Freiheit eines Christenmenschen. Hoffentlich ist sie auf „gute Erde“ gefallen, wie es im Gleichnis Jesu heißt.

Ja, es gibt nach wie vor Laien, die sich einbringen möchten – aber auf Augenhöhe, nicht bevormundet oder gar kontrolliert. Wenn es noch länger dauert mit Entscheidungen, wird es weiter abwärtsgehen mit der Kirche. Man müsste dem so oft beschworenen Heiligen Geist auch eine Chance geben. Löscht ihn nicht aus!

Anneliese Ising, Essen

Bischof Bätzing hat mit der Erzählung von der Reaktion des jungen Paars den Nagel auf den Kopf getroffen: Wir haben seinerzeit noch für Reformen in der Kirche gekämpft – aber viele, keineswegs nur jüngere Menschen, nehmen das Christentum heute gar nicht mehr ernst. Oder es interessiert sie überhaupt nicht mehr.

Was mir besonders Sorge macht, ist das Gefühl, dass einige Kirchenleitungen (beider Kirchen) den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt haben. Da hilft – neben der Beseitigung unnötiger „Baustellen“ – nur, wie einst schon Karl Rahner sagte, glaubendes und glaubwürdiges Vorleben. Dem Zeugen glaubt man eben mehr als dem Lehrer!

Gunther Britz, Saarwellingen

Das Klima und die Kosten

Wenn es in dem Kommentar „Apocalypse now“ (CIG Nr. 33, S. 2) heißt, dass „jede und jeder Einzelne von uns“ dazu beitragen muss, den CO2-Verbrauch so gering wie möglich zu halten, ist das selbstverständlich richtig. Es bedarf aber vor allem gesellschaftlicher Entscheidungen, die allgemeinverbindlich die Basis für zukünftiges Wohlergehen und eine intakte lebenserhaltende Natur schaffen. Spätestens seit der ersten Weltklimakonferenz in Berlin 1995 (und zwei Jahre später in Kyoto/Japan) wussten doch alle Verantwortlichen, dass unser Wachstumsdogma an Grenzen stößt, die zu überschreiten lebensbedrohlich sein kann. Die menschengemachten beginnenden und perspektivisch sich verstärkenden Katastrophen weisen zurück auf die Verantwortung und, wo diese geleugnet wird, die „Schuld“ des Menschen. Das muss die Kirche so benennen, und es gehört zu ihrem prophetischen Auftrag, auf die verheerenden Folgen uneinsichtiger und verhärteter Schuld hinzuweisen.

Pfarrer Peter Schneider, Bonn

Es ist wichtig und richtig, dass Sie auf den neuen Bericht des Weltklimarats aufmerksam gemacht haben. Ärgerlich und falsch ist aber, wenn es in Ihrem Beitrag heißt: „Jeder kann inzwischen ein Elektroauto fahren.“ Viele können das aus finanziellen Gründen gerade nicht!

Hermann Kast, Speyer

Das weibliche Prinzip

Vielen Dank für die Reihe „Der eine Gott und die Götter“ von Professor Schwienhorst-Schönberger, insbesondere für die Folge 66 über die Himmelskönigin (CIG Nr. 38, S. 7). Lange schon habe ich mich mit den theologischen Aussagen zur „Gottesmutter(!) Maria“ auseinandergesetzt, und ich freue mich über den Bezug zu „Aschera“, den der Autor hergestellt hat. Was die Theologie, was der Rosenkranz, was die Lauretanische Litanei über Maria aussagen, erfreut und erfüllt mich, aber zumeist fehlt mir genau diese religionsgeschichtliche, gewissermaßen „ganzheitliche“ Sichtweise.

Aus der Tradition der Sufi weiß ich von der Verehrung Mariens auch im Islam. Dort findet sich sogar die Aussage, Maria sei die „Matrix“, aus der alles hervorgeht. Und im Hinduismus gibt es vedische Traditionen, wonach die „Göttliche Mutter“ (vishva devi) den Schöpfergott (Brahma), den Erhaltergott (Vishnu) und den Veränderergott (Shiva) aus sich hervorgebracht und diese mit ihrer Kraft (shakti) ausgestattet habe.

Ich frage mich deshalb: Ist es abwegig, das weibliche Prinzip als grundlegend und das männliche Prinzip als nachrangig zu sehen? So kann dies als zeitliche Reihenfolge in der biologischen Evolution gesehen werden. Genauso scheint es ja auch gesellschaftlich derzeit im Trend zu liegen. Gleichsam als Paradigma für unsere sich grundlegend wandelnde Zeit.

Henrik Müller, Gröbenzell

Einmal mehr lese ich den Beitrag von Professor Schwienhorst-Schönberger mit Gewinn. Mehr zu erfahren über die Geschichte, in der das Alte Testament entstanden ist, weitet mein Verständnis von dem, was wir aus Tradition „Gott“ nennen. Wie sehr wünsche ich mir, dass in den Gottesdiensten die Lesung aus dem AT nicht einfach kommentarlos vorgetragen wird, sondern dass die Prediger vermehrt den Hintergrund aufzeigen, in dem diese Texte entstanden sind.

Philipp Hautle, Pastoralassistent, Rebstein /Schweiz

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