"Dune"Im Namen des Wurms

Bodenschätze, Extremismus und ein heiliger Krieg: Regisseur Denis Villeneuve erzählt in „Dune“ eine sehr aktuelle Geschichte – versetzt in die ferne Zukunft eines pompösen Weltraum-Epos.

Riesige, menschenfressende Würmer ziehen durch den Sand und wer zu viel von der heißen Wüstenluft einatmet, kann furchtbare Visionen bekommen. Der Planet Dune, den die Eingeborenen Arrakis nennen, ist kein einladender Ort. Doch ausgerechnet hier findet sich die wertvollste Ressource des Universums: Ein geheimnisvoller goldener Staub, der über die Dünen flimmert. Der ist den Einheimischen heilig, doch fremde Kolonialherren bauen ihn mit ungeheuren Maschinen ab, um ihr Imperium am Laufen zu halten – und sie sind bereit, dafür über Leichen zu gehen. Das merken auch die Mitglieder des Weltraum-Adelshauses Atreides, als sie den Auftrag erhalten, die Kontrolle über den Planeten zu übernehmen. Offiziell sind sie in einer Friedensmission unterwegs, doch hinter den Kulissen dreht sich alles um die Bodenschätze der Wüstenwelt.

Religion ist Frauensache

Der amerikanische Science-Fiction-Autor Frank Herbert schrieb diese Geschichte vor bald sechzig Jahren – und es ist gleichzeitig faszinierend und tragisch, dass sie nach all der Zeit noch so modern klingt. Vielleicht kann es keinen besseren Zeitpunkt für diese Verfilmung geben als das Jahr der gescheiterten Afghanistan-Mission. Regisseur Denis Villeneuve lässt dabei keinen Raum für Missverständnisse, wer hier für wen steht: Die Neuankömmlinge marschieren in ihren tarnfarbenen Sicherheitsanzügen wie eine moderne Besatzungsmacht auf dem Planeten ein. Die einheimische Bevölkerung trägt wallende Gewänder, lebt nach alten Riten und tuschelt von einem heiligen Krieg – im amerikanischen Original tatsächlich von einem „Dschihad“ – gegen die hochgerüsteten Fremden. Durch diese klare Einteilung kann der Film dann auch auf große Erklärungen verzichten. Der Zuschauer wird in eine Zukunftswelt geworfen, in der doch alles seltsam vertraut vorkommt. Gleichzeitig spielt „Dune“ aber auch geschickt mit den Erwartungen und unterläuft sie im richtigen Moment: Nicht alle Besatzer sind raffgierige Schurken, nicht alle Einheimischen religiöse Fanatiker.

Auch Hauptfigur Paul (gespielt von Timothée Chalamet) will nicht ganz ins Schema des typischen Filmhelden passen. Dem Erben vom Haus Atreides scheint alle Macht in den Schoß zu fallen, doch er sträubt sich, den Weg zu gehen, den andere für ihn vorgesehen haben. Neben dem täglichen Kampftraining lässt er sich von seiner Mutter auch in die Geheimnisse der Religion einführen – in der Welt von „Dune“ ein Sakrileg. Hier haben eigentlich nur Frauen Zugang zu den höchsten Weihen. Eine Schwesternschaft von düsteren Weltraum-Nonnen wacht über die offizielle Lehre, und die Damen haben keine Lust, ihren Einfluss zu teilen. Der wissbegierige Paul muss sich vor der Obersten Mutter des Ordens rechtfertigen. „So viel Macht“, grummelt die. „Verschwendet an einen Mann.“ Die Geschlechterfrage ist offenbar auch in dieser fernen Zukunft noch nicht gelöst.

Messias wider Willen

Bei den Einheimischen auf Arrakis kommt Paul besser an. Die halten ihn direkt für den lang erwarteten Messias, der sie aus der Wüste in ein Paradies führen soll. Noch eine Rolle, auf die der junge Adelige lieber verzichtet hätte. Zumal diese Prophezeiung in der Glaubenswelt der Eingeborenen eng mit dem Beginn des großen heiligen Krieges verknüpft ist. Ein unbedachtes Wort, ein falsch gedeutetes Zeichen könnte reichen, um eine zerstörerische Kettenreaktion in Gang zu setzen. Der Film findet dafür ein eindrucksvolles Bild: In den Dünen von Arrakis darf man sich nur in einem ganz bestimmten Tempo bewegen, jeder Schritt muss wohlüberlegt sein. Wer einfach so losmarschiert, lockt die gigantischen Sandwürmer an die Oberfläche, die von den Einheimischen wie Götter verehrt werden. Spätestens wenn sich diese Ungetüme in einer Fontäne aus Sand und Goldstaub erheben, kann man sich der Macht der Bilder nicht mehr entziehen.

Da macht es dann auch nicht viel, dass die Handlung nach zweieinhalb Stunden schließlich recht abrupt endet, der Regisseur offenkundig auf eine Fortsetzung spekuliert. Kenner der Vorlage dürfte das nicht überraschen. Autor Frank Herbert schrieb sechs Romane über den Wüstenplaneten. Seit seinem Tod erschienen weitere 14 Bände, die „Dune“ zum Jahrtausende überspannenden Epos machen. Die Geschichte von Kolonialismus, Rohstoff-Kriegen und religiösem Fanatismus ist noch lange nicht auserzählt.

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