Leserbriefe

Neue Bilder von Maria

Ihre Gedanken über „Maria in Jeans und Schlabberpulli“ möchte ich als Religionslehrerin mit einer eigenen Erfahrung ergänzen. Ich hatte meinen Sechstklässlern bekannte Marien-Darstellungen aus verschiedenen Epochen und Kulturen gezeigt. Den Schülern war schnell klar, dass diese Bilder wenig mit der historischen Maria zu tun hatten – sondern dass es sich um Interpretationen handelt, je nachdem, wie es den Menschen jeweils verständlich war. Im Anschluss haben wir überlegt, welche Attribute wir heute Maria zuschreiben und welche Bilder wir für sie finden würden. Da gab es dann zum Beispiel eine mutige Maria im „Superwoman“-Kostüm (mit einem „M“ statt einem „S“ auf der Brust) oder eine „clevere“ Maria im Business-Kostüm. Die Kinder stellten ihre Bilder mit einer eigenen, sehr nachvollziehbaren Begründung vor. Immer wenn solch ein persönlicher Zugang spürbar war, der mich auch selbst überrascht hat, war das für mich die größte Freude im Religionsunterricht.

Christa Franck, Bretten

Von Apple lernen?

Von dem fulminanten Artikel „Das Apfel-Evangelium“ war ich hingerissen. Ihre Darstellung des quasireligiösen Marketings und Habitus des Tech-Giganten ist faszinierend. Das Apple-Motto „In allem, was wir tun, fordern wir den Status quo heraus. Wir denken anders“ hört sich fast wie ein Jesuswort aus apokrypher Quelle an. Könnten wir Christen nicht auch sagen, in Abwandlung der Losung der DDR-Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft von 1951: Von Apple lernen heißt siegen lernen?

Christoph F. K. Jäschke, Erlangen

Fronleichnams-Gedanken

Danke, dass Gotthard Fuchs in seinem Beitrag „Das Allerheiligste“ zu Fronleichnam schonungslos die „Abendmahlsnot“ und die „konfessionalistischen Grabenkriege“ beim Namen nennt. Es ist für mich unbegreiflich, dass es immer noch Priester gibt, die Eheleute in einer konfessionsverbindenden Ehe nicht gemeinsam zur Kommunion gehen lassen. Hier stellt die Kirche Lehre und Amt über die Gewissensfreiheit, ja, letztlich über das Sakrament der Ehe. Indem sie diese Paare vom Allerheiligsten fernhält, ist sie ihnen weder Mutter noch Heimat. Vielmehr trägt sie Mitschuld, dass sie sich weiter von ihr entfernen.

Elisabeth Böhm, Fremdingen

Warum wird so wenig über die apokalyptische Dimension von Fronleichnam gesprochen? Dadurch beraubt man es doch seiner Zukunftskraft. Für mich schwingen immer die Verse aus der Offenbarung mit (Kapitel 21 und 22): „Da: Das Zelt Gottes bei den Menschen! Ja, zelten wird er bei ihnen … Und sie werden sein Angesicht sehen … Und sie brauchen weder Licht einer Lampe, noch Licht der Sonne. Denn der Herr, Gott, wird über ihnen leuchten.“

Engelhard Troll, Kirchweidach

Im Beitrag „Wir Pilger des Glaubens“ gehen Sie darauf ein, dass das Fronleichnamsfest in der Zeit des Nationalsozialsmus bewusst auch begangen wurde, um Widerstand gegen Hitler zu zeigen.

Meine Mutter hat das auch so erlebt, allerdings mit Sankt Martin. Sie erzählte mir, wie sie als kleines Mädchen am 10. November 1938 im Martinszug an den rauchenden Überresten der Düsseldorfer Synagoge vorbeiging – es war der Abend nach der Reichspogromnacht. Meine Mutter war damals zu jung, um das alles zu begreifen. Sie hat sich aber immer wieder gefragt, warum der Zug nicht abgesagt worden war. Doch genau das ist die Antwort: Der Martinszug fand statt als Abgrenzung gegen eine barbarische gesellschaftliche Entwicklung.

Daniel Offermann, Wuppertal

Die Orden und der Staat

Im Kommentar zur Ablösung der Staatsleistungen sprechen Sie davon, dass „die Kirchen“ Entschädigungszahlungen für die Enteignungen der Kirchengüter während der Säkularisation erhalten. Diese Darstellung lässt die Ordensgemeinschaften als wesentlichen Bestandteil der römisch-katholischen Kirche unberücksichtigt. Klöster und Orden waren nie an den Verhandlungen zu Entschädigungszahlungen beteiligt und haben bis heute keine entsprechenden Leistungen erhalten. Alle Versuche seitens der Orden sind ins Leere gelaufen.

Bruno Robeck OCist, stellv. Vorsitzender der Deutschen Ordensobernkonferenz, Bonn


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