Prager Mariensäule steht – im Streit

Nun ist sie also doch aufgestellt: eine Kopie der 1918 geschleiften Mariensäule auf dem Altstädter Ring in Prag. Die Initiative war von jahrelangen politischen Kontroversen und Protest-Kundgebungen begleitet. Die ursprüngliche Säule war 1650 zum Dank für den Sieg über die Schweden im Dreißigjährigen Krieg errichtet worden. 1918 wurde das fünfzehn Meter hohe Werk von Bürgern als ein Symbol der Habsburger-Herrschaft zerstört, fünf Tage nachdem sich die Tschechoslowakei von Habsburg losgesagt hatte.

Nach der „Samtenen Revolution“ 1989 gründete sich eine Initiative zur Wiedererrichtung. Die Prager Stadtoberen verweigerten aber wiederholt die Zustimmung. Erst Ende Januar 2020 gab es dafür eine Mehrheit im Gemeinderat.

Der Streit um die Mariensäule hat in Tschechien grundsätzliche Bedeutung. Befürworter sehen sie als Symbol der Verteidigung Prags während des Dreißigjährigen Kriegs und als wichtiges barockes Kunstwerk. Die Gegner, darunter viele, die der katholischen Kirche gegenüber strikt ablehnend, ja feindlich eingestellt sind, verbinden mit jenem „Denkmal“ nicht nur eine üble Erinnerung an die Habsburger-Herrschaft, sondern auch an eine – so diese Sicht – intolerante Rekatholisierung des Landes im 17. Jahrhundert.

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