Ostern im Zeichen von Corona: Kommunion zum Mitnehmen

Für viele Christen ist es schmerzhaft, dass sie wegen Corona ausgerechnet zum christlichen Hochfest der Auferstehung Christi auf die Feier der Eucharistie und die Kommunion verzichten müssen. Gibt es eine Alternative? Der Innsbrucker Theologe Jozef Niewiadomski schlägt vor, sich an der „Tradition der Kommunion für und mit den Kranken“ zu orientieren. Familienmitglieder könnten die Gaben der Eucharistie für die Angehörigen in der Kirche abholen und die Kommunion im kleinen Kreis zuhause empfangen in einer kleinen Feier mit Gebet und Liedern. Hauskirche also, wie es in der Frühzeit des Christentums üblich war. Die jetzige Situation sei auch eine Chance, über „neue Modelle kirchlich-sakramentaler Präsenz“ nachzudenken. Gottesdienstübertragungen im Fernsehen oder Internet sind für den Theologen auf Dauer keine Lösung, weil sie kein Ersatz für die körperliche Anwesenheit der Gläubigen beim eucharistischen Mahl seien: „Die Dimension der Sakramentalität verlangt das Essen des eucharistischen Brotes.“

Auch anderswo werden Alternativen erprobt. Der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken bietet zum Beispiel an, dass Gläubige als Einzelne vor dem Altar die Kommunion empfangen können, mit dem notwendigen Sicherheitsabstand zu anderen Gläubigen. Zu dem Schritt habe man sich entschieden, weil Gemeindemitglieder eine „seelische Notlage“ empfinden, wenn sie länger auf die Kommunion verzichten müssten. „Die Besucher waren tief bewegt, zum Teil standen ihnen die Tränen in den Augen.“ Auch für die Seelsorger waren es „sehr bewegende Momente“.

Inzwischen gehen immer mehr Priester dazu über, für sich allein den Gottesdienst zu feiern und andere etwa übers Internet daran teilhaben zu lassen. Diese als „Geistermesse“ bezeichnete Praxis wurde von Liturgiewissenschaftlern kritisiert, weil da eine klerikale Gewohnheit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil wiederbelebt werde. Das widerspreche aber dem Communio-Gedanken und Auftrag Jesu: Wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, ist er mitten unter ihnen. Der Wiener Kirchenrechtler Andreas Kowatsch meint allerdings: „Auch die allein durch den Priester gefeierte Eucharistie ist eine Feier Christi und der ganzen Kirche. Sie geschieht in Gemeinschaft mit der konkreten Ortskirche und ihrem Bischof ebenso wie mit der Universalkirche mit dem Papst als Hirten.“

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