EKDWer rettet die Bootsflüchtlinge?

Zurückhaltend hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) auf die Forderung reagiert, ein eigenes Rettungsschiff für Flüchtlinge ins Mittelmeer zu schicken. Eine entsprechende Resolution war auf dem Kirchentag in Dortmund verabschiedet worden. „Die Kirche ist weder eine Reederei noch eine Rettungs-NGO (Nichtregierungsorganisation; d. Red.)“, erklärte jetzt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm in der „Frankfurter Allgemeinen“. Auch der Wiener Theologe Ulrich Körtner sprach sich dagegen aus. Zwar verdiene der Einsatz privater Retter Respekt und Anerkennung, aber letztlich sei dies nicht mehr als Symbolpolitik: „Eine schlüssige und als gleichermaßen gerecht wie human empfundene Flüchtlingspolitik lässt sich nicht allein auf der Ebene individuellen Hilfshandelns begründen.“

Mehrere private Rettungsschiffe – „Sea Watch 3“, „Alex“, „Alan Kurdi“ – hatten zuletzt Flüchtlinge vor dem Ertrinken gerettet. Sie durften die Menschen jedoch lange nicht an Land bringen, weil Italien seine Häfen gesperrt hatte. Mit diesem Schritt reagierte die Regierung in Rom darauf, dass der Rest Europas sich nach wie vor nicht auf neue, gerechte Verteilungsregeln für Geflüchtete einigen kann. Vor allem in Mittel- und Osteuropa ist der Widerstand gegen eine solidarische Lösung groß. Zuletzt nahmen nur noch vier EU-Länder Bootsflüchtlinge auf: Deutschland, Frankreich, Portugal, Luxemburg.

Im selben Maß. wie sich die Situation auf dem Mittelmeer zugespitzt hat, verschärfte sich auch die öffentliche Debatte. Etwa 30000 Menschen gingen am letzten Wochenende europaweit auf die Straße, um für eine unbehinderte Seenotrettung zu demonstrieren. Sie kritisierten insbesondere die Kriminalisierung der Helfer. Der Frust Italiens, von den europäischen Partnern alleingelassen zu werden, sei zwar verständlich. Es gehe aber nicht an, die Retter wegen Begünstigung illegaler Einwanderung anzuklagen. Wie sehr dies das öffentliche Klima vergiftet, zeigte ein Vorfall in Norditalien. Dort hatte ein Pfarrer einen Gottesdienst für „Sea Watch“-Kapitänin Carola Rackete angekündigt. Nachdem ein Politiker der rechtspopulistischen Partei „Lega“ dagegen gehetzt hatte, wurde die Messe abgesagt.

Papst Franziskus ließ sich indes nicht einschüchtern. Er feierte im Petersdom einen Gottesdienst mit 250 Geflüchteten und ehrenamtlichen Betreuern.

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