Mafia„Evangelikale Dealer“ mit Jesus

Dass hochrangige Mitglieder, Clanchefs der italienischen Mafia sich betont katholisch-fromm geben und zum Beispiel Prozessionen gern mit einem Halt bei ihren Häusern empfangen, ist seit langem bekannt – und für Papst Franziskus ein Gräuel. Allerdings gibt es das Phänomen frommer Gangster auch auf protestantischer Seite: In Brasilien bekennt sich eine Drogenbande zu einer Freikirche. Im Volksmund werden die Kriminellen als „evangelikale Dealer“ bezeichnet.

Im Großraum von Rio de Janeiro haben Mitglieder dieser Gruppe eine Kultstätte, einen sogenannten Tempel der afrobrasilianischen Candomblé-Religion zerstört. Bereits früher soll die Drogenbande Anhänger dieses aus der Sklavenzeit stammenden und vor allem unter Schwarzen gepflegten Kultes, der Christliches mit Spiritistischem vermischt, bedroht und ihnen verboten haben, diese Zeremonien auszuführen.

Der Hintergrund des skurrilen Phänomens ist, dass Kriminelle in den Gefängnissen vermehrt mit Seelsorgern evangelikaler beziehungsweise pfingstlerischer Prägung in Kontakt kommen, die ihnen nahelegen, ihr Leben mit Jesus zu ändern. Gleichzeitig verwerfen die freikirchlichen Gruppierungen die afrobrasilianischen Kulte als heidnische Teufelsanbeterei, als Götzendienst. Diese Haltung überträgt sich auf die entsprechend beeinflussten Gefängnisinsassen, die dann, wenn sie wieder freikommen und rückfällig werden, ihren neuen Glauben nicht ablegen. Mit dem rasanten Wachstum der evangelikalen und pfingstlerischen Gemeinschaften in Brasilien, bei gleichzeitigem rapiden Schwund katholischer Kirchenzugehörigkeit, häufen sich auch die Angriffe auf afrobrasilianische Kultstätten.

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