Warum Künstliche Intelligenz keineswegs so intelligent ist

„Intelligent“ – damit verbinden viele Menschen enormes Wissen, geniales Denken, sinnvolles Unterscheiden, eine positiv besetzte Wesenseigenschaft und Bewusstsein, Emotionserleben. Im Zusammenhang mit Maschinen – Computern – oder in der Bewunderung für Künstliche Intelligenz sei dieses Wort allerdings „fundamental irreführend“. „Maschinen sind im menschlichen Sinne nicht intelligent“, erklärte die Wiener Wirtschaftsinformatikerin Sarah Spiekermann in der „Süddeutschen Zeitung“. Fachleute aus der Informatik sollten den Begriff „Intelligenz“ lieber nicht benutzen. Eine Maschine könne Daten verarbeiten, die sie vordefiniert als Grundlage einprogrammiert bekommt. Die Entwickler entscheiden, welche Daten die Maschine sammelt. „Sie bauen diese oder jene Sensoren ein, diese oder jene Fotos, Textpassagen und Muster sollen der Maschine dienen.“ Mit komplexen hirnphysiologisch gesteuerten Wahrnehmungsprozessen von Menschen habe das jedoch nur begrenzt zu tun.

Bei der Rede von Künstlicher Intelligenz findet eine Projektion menschlicher Eigenschaften auf Maschinen statt, gerade wenn diese so gebaut sind, dass sie menschliche Fähigkeiten nachahmen: „Indem sie zum Beispiel eine den Menschen sehr ähnliche Sprache benutzen, indem sie … ähnlich aussehen wie wir, übertragen wir unsere Schemata auf diese Dinge und meinen, in ihnen das Menschliche wiederzuerkennen. Damit übertragen wir aber unsere eigene Leistungsfähigkeit auf die Maschinen“ – eine „Verwechslungsfalle“.

Sarah Spiekermann wandte sich gegen eine menschenähnliche Gestaltung von Robotern. „Für mich hat das Bauen von menschenähnlichen Wesen etwas vom Spielen mit Gott“, erklärte sie. „Da versuchen Techniker, in eine Schöpferrolle zu schlüpfen, die interessant sein mag, die ich aber nicht für klug halte.“ In solchen Dingen werde vielmehr vor allem der Wunsch der Entwickler nach technischer Kontrolle über die Welt deutlich.

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