Zentralafrikanische RepublikBalaka – Séléka

Der eskalierenden Gewalt zwischen Christen und Muslimen in der Zentralafrikanischen Republik liegen nicht in erster Linie religiöse Spannungen zugrunde. Eigentlich gehe es um Macht und um den Zugang zu Diamanten, vermutet Ulrich Delius, Direktor der „Gesellschaft für bedrohte Völker“: „Milizen mobilisieren entlang der Konfessionen, um sich als christliche oder muslimische Kämpfer auszugeben.“ Delius befürchtet das „Abgleiten des Landes in einen neuen Bürgerkrieg“. In der Hauptstadt Bangui wurden zuletzt während einer Eucharistiefeier in der Kirche „Notre Dame von Fatima“ mindestens sechzehn Menschen getötet und bis zu hundert verletzt. Aufgebrachte Gläubige trugen den Leichnam des getöteten Priesters zum Palast des Staatspräsidenten und zündeten eine Moschee an. Dabei sollen zwei Muslime verbrannt sein.

Eigentlich seien es die Zentralafrikaner gewöhnt, „mit Angehörigen verschiedener Religionen friedlich zusammenzuleben“, sagt Peter Meiwald, Afrika-Experte bei „Misereor“. Das beweisen gemeinsame Friedensgebete muslimischer und christlicher Würdenträger. Wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage seien die Menschen „leicht manipulierbar, und deswegen driftet das Ganze auch immer wieder in religiöse Bereiche ab“. Zudem destabilisierten strategische Rohstoffinteressen Chinas, Russlands und Frankreichs das Land. In einem Memorandum, das auf katholischer Seite vom Erzbischof von Bangui, Kardinal Dieudonné Nzapalainga, unterschrieben ist, verurteilten Religionsgemeinschaften die „gezielten Versuche einiger Nachbarländer“, Unruhe zu streuen, besonders die Komplizenschaft einiger Landsleute mit Söldnern aus dem Tschad und dem Sudan.

Im März 2013 hatte die muslimische Rebellenkoalition Séléka („Allianz“) den amtierenden Präsidenten François Bozizé gestürzt und ihren Anführer Michel Djotodia als Übergangspräsidenten eingesetzt. Seitdem liefern sich Rebellengruppen der Séléka mit rivalisierenden Gruppen der Anti-Balaka („Gegen die Macheten“), bestehend aus christlichen Milizen und ehemaligen Anhängern von Bozizé, blutige Kämpfe.

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