Stress im KindergartenSoll man beißende Kinder aus der Gruppe nehmen?

Hier sagen eine pädagogische Fachkraft und ein Elternteil ihre Meinung zu einem brisanten Thema aus dem Kitaalltag.

kita kontrovers
© Florian Nütten

Das sagt die Erzieherin

Beißende Kinder stellen im Krippenalltag eine große Herausforderung für Fachkräfte dar. Als Erzieherin muss man alle Kinder schützen, somit auch die beißenden. Wenn es tatsächlich zu Verletzungen kommt, ist auch die Akzeptanzschwelle der Eltern schnell überschritten. Dann gilt es, die Gefühle und Bedürfnisse der Eltern sowohl des beißenden als auch des gebissenen Kindes ernst zu nehmen. Auf die Frage nach einem Ausschluss aus der Gruppe kann ich nur mit einem vehementen Nein antworten. Das beißende Kind befindet sich in dem jeweiligen Moment auch in einer Notsituation und benötigt unsere achtsame Unterstützung. Hier ist es notwendig, gut zu beobachten, die Gründe herauszufinden und entsprechend deeskalierend zu handeln. Dies bedeutet allerdings nicht, dass beißendes Verhalten vermieden werden kann. Kommt es dazu, ist ein klares „Stopp“ angebracht – aber auch Verständnis für das handelnde Kind. Das Erzieherteam sollte sich regelmäßig über die Haltung zum Thema, vorbeugende Maßnahmen und angemessene Reaktionen austauschen. Wenn darüber in einem Team Klarheit herrscht, fällt das Handeln im akuten Fall leichter.

Karin Kostyra ist Erzieherin, Kindheitspädagogin und Mediatorin und arbeitet in einer Krippe in Freiburg

Das sagt die Mutter

Wenn mein eigenes Kind gebissen wird, bin ich erst einmal entrüstet. Weil das Personal offensichtlich nicht rechtzeitig eingreift, bevor ein Kind sich nicht anders zu helfen weiß, seine Grenzen aufzuzeigen. Ohne Sprache die eigenen Bedürfnisse zum Ausdruck zu bringen ist schwierig. Dann denke ich an die Eltern des betreffenden Kindes. Sie tun mir leid. Ich möchte ungern hören, dass mein Kind sich gewaltsam durchsetzt. Ich habe drei Kinder und beobachte, dass jedes seine eigene Methode hat. Alle erleben die gleiche Erziehung, trotzdem löst das eine oder andere Konflikte mit mehr oder weniger körperlichem Nachdruck. Ich hoffe, dass die Eltern ihrem Kind klarmachen, dass es nicht in Ordnung ist, sich durch Beißen zu behaupten. Gleichzeitig weiß ich, dass das viel Geduld braucht. Am Ende lernen alle Kinder, sich zu artikulieren und auf den Körpereinsatz zu verzichten. Hier tritt wieder die Rolle der Kita in den Vordergrund: das Fördern der sprachlichen Entwicklung, ein enges und vertrauensvolles Verhältnis mit qualifizierten Fachkräften, klare Regeln und ein deutliches Nein zu körperlichen Attacken. Das hilft in meinen Augen viel mehr, als Kinder aus der Gruppe auszuschließen.

Larissa Mink ist Zahnärztin und lebt mit ihrer Familie in Freiburg  

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