SauberkeitsentwicklungTschüss, Windel!

Wann der Zeitpunkt für das Sauberwerden ist, entscheidet das Kind selbst. Eltern können die Entwicklung begleiten, aber nicht beschleunigen

Tschüss, Windel!
Sie tun sich und Ihrem Kind den größten Gefallen, wenn Sie Geduld mit ihm haben © Stephanie Rausser - gettyimages

Sind die Kinder zwischen zwei und drei Jahren alt, beginnt in vielen Elternhäusern der Wettbewerb: Mein Kind muss sauber werden. Eltern möchten den Windelwechselstress schnell beenden und sich außerdem nicht von der Freundin mit dem jüngeren Kind erzählen lassen, dass es bei ihnen „schon länger wunderbar klappt“. Auch wenn ein Fünfjähriges hin und wieder tagsüber einnässt, machen Eltern sich und dem Kind nicht selten Druck. Doch der ist für die Sauberkeitsentwicklung alles andere als förderlich.

Gelassen bleiben

Die gute Nachricht lautet, dass jedes gesunde Kind irgendwann von alleine trocken wird, auch ohne Trainingsprogramm und nächtliches Wecken. Da alle Kinder unterschiedlich sind, auch Geschwisterkinder, durchlaufen und bewältigen sie diese Entwicklungsaufgabe in ihrem eigenen Tempo. Der Prozess dauert etwa zwei bis vier Jahre. Und immer wieder gibt es Kinder, die einfach mehr Zeit brauchen, auch wenn organisch alles in Ordnung ist.

Der Reifungsprozess vollzieht sich in mehreren Schritten. Säuglinge entleeren ihren Darm etwa zwei- bis viermal täglich, die Blase rund dreißigmal am Tag. Beides geschieht unkontrolliert. Erst im Alter von zwei bis zweieinhalb Jahren entwickeln Kinder ein Gefühl dafür, dass ihre Blase gefüllt ist. Vorher können Sie ihren Schließmuskel und den Verschluss der Harnwege nicht willentlich steuern. Die dafür notwendigen Nervenbahnen müssen erst noch aufgebaut werden. Ab dem sechsten Lebensmonat etwa nehmen die Intervalle der Blasenentleerungen ab.

Blasen- und Darmkontrolle entwickeln sich nicht gleichzeitig. Eine grobe Orientierung bieten folgende Altersangaben:

  • bis 3 Jahre: nächtliche Darmkontrolle
  • bis 4 Jahre: Darmkontrolle am Tag
  • bis 4 Jahre: Blasenkontrolle am Tag
  • bis 6 Jahre: nächtliche Blasenkontrolle

Das Kind einfühlsam unterstützen

Die Herausforderung für Eltern liegt vor allem darin, dem Windelfrei-Werden keine allzu große Bedeutung beizumessen, schon gar nicht im Beisein ihrer Kinder. Versuchen Sie, den Rhythmus Ihres Kindes kennenzulernen und seine Signale zu deuten. Oft verraten Mimik und Gestik das dringende Bedürfnis der Kinder: Einige trippeln auf der Stelle oder zittern leicht, andere bekommen einen roten Kopf oder werden ganz still und ziehen sich zurück. Manche Kinder, die selbst spüren, dass der Darm drückt oder die Blase voll ist, wollen in diesem Moment von sich aus auf die Toilette gehen. Ermutigen Sie dann Ihr Kind dazu! Lassen Sie es möglichst zwischen Töpfchen oder Toilettensitz wählen, jeder hat schließlich seine Vorlieben.

Übertriebenes Loben bringt Sie und Ihr Kind nicht weiter, ebenso wenig wie Schimpfen oder gar Strafen, wenn etwas danebengeht. Reagieren Sie möglichst gelassen und geduldig, auch wenn es schwerfällt. Damit tun Sie sich und Ihrem Kind den größten Gefallen. Knüpfen Sie an seine Neugierde an, indem Sie mit ihm offen über die körperlichen Vorgänge sprechen oder Bilderbücher zum Thema anschauen.

Vereinzelt gibt es Kitas, die erwarten, dass Kinder bei der Eingewöhnung windelfrei sind. Formulieren Sie in dem Fall deutlich ihre Haltung und bitten Sie die ErzieherInnen, Ihren Weg gemeinsam mit Ihnen zu verfolgen. Ähnliches gilt, wenn sich Verwandte oder Bekannte einmischen. Lassen Sie sich nicht verunsichern und erklären Sie selbstbewusst, dass Sie beim Abschied von der Windel keine Eile haben. Ihr Kind wird sehr aufmerksam verfolgen, wie Sie über das Thema sprechen.

kizz Interview

Weniger ist oft mehr!

Was ist die Besonderheit von Babyhaut?

Die Haut ist für Babys ein wichtiges Sinnesorgan. Während alle anderen Sinne noch reifen, kann das Baby gleich nach der Geburt Berührungen, Kälte und Wärme empfinden. Im Vergleich zur Erwachsenenhaut ist die Haut von Babys jedoch bis ins zweite Lebensjahr viel dünner und durchlässiger. Das bedeutet, dass sie schneller austrocknet und Krankheitserreger und Schadstoffe leichter eindringen können.

Braucht Babyhaut regelmäßige Pflege?

Babys sollten täglich vor allem im Gesicht, in der Halsregion, hinter den Ohren, unter den Achseln und an den Händen gewaschen werden, besonders wichtig sind dabei die Hautfalten! Sie sollten immer gründlich gereinigt und anschließend getrocknet werden. Baden können Babys circa zweimal wöchentlich. Ich empfehle besonders bei trockener Haut einen milden, rückfettenden Badezusatz auf Pflanzenölbasis sowie nach dem Baden eine Babymassage mit Babylotion oder -öl.

Wie können Eltern Hautproblemen im Windelbereich vorbeugen?

Fast jedes Baby wird irgendwann mal wund. Um dies zu vermeiden, empfiehlt es sich, so viel Luft wie möglich an den nackten Po zu lassen. Außerdem sollte das Baby ausreichend oft gewickelt werden,wobei die Haut am besten mit Wasser in Verbindung mit Öl gesäubert wird und gut trocknen sollte. So lässt sich die Entstehung eines feuchten, warmen und mit Keimen besiedelten Milieus vermeiden. Außerdem genießen viele Babys das Nackigstrampeln und schulen dabei ihre Mobilität.

Was empfehlen Sie, wenn die Haut rot und wund ist?

Keine Panik! Jedoch sollte rasch gehandelt werden und noch häufi ger gewickelt und noch mehr Luft an den Po gebracht werden. Etwas Muttermilch antrocknen zu lassen, hilft manchmal wahre Wunder, genauso eine zinkhaltige Wundschutzcreme. Falls das Wundsein länger anhält, bitte undbedingt eine Hebamme oder einen Kinderarzt zurate ziehen, um eine mögliche Pilzinfektion auszuschließen.

Wie pflegt man trockene Haut?

Die Haut des Neugeborenen ist häufig durch das Fruchtwasser und die neuen Umgebungszustände sehr angegriffen und neigt dazu, sich zu schälen. Das ist ganz normal. Risse sollten mit einem Babyöl auf Pflanzenbasis behandelt werden. Auch später neigt die Babyhaut zum Austrocknen. Zu häufiges Baden kann dies verschlimmern. Entspannende Babymassagen oder eine Pflegelotion unterstützen den Hautaufbau.

Was ist beim Kauf von Pflegeprodukten zu beachten?

Die Inhalts stoffe. Synthetische Duft-, Farb-, und Konservierungsstoffe sollten vermieden werden. Empfehlenswert sind Produkte, die auf ihre Eignung für Babyhaut geprüft sind. Allgemein gilt für deren Pflege: so wenig wie möglich, jedoch so viel wie nötig!

kizz Elterntipp

Ist Ihr Kind bereit?

  • Äußert Ihr Kind von sich aus, dass es keine Windel mehr haben möchte und die Toilette benutzen will?
  • Interessiert es sich für den Toilettengang von Eltern und Geschwistern?
  • Kann es selbstständig seine Kleidung ausziehen?
  • Kann Ihr Kind mit entsprechenden Worten sagen, dass es Blase oder Darm entleeren möchte?
  • Ist es bereit, sein Spiel für den Toilettengang zu unterbrechen?
  • Möchte Ihr Kind am liebsten alles alleine machen (Autonomiestreben)?

Können Sie fast alle Fragen mit Ja beantworten, ist der richtige Zeitpunkt, um Ihr Kind beim Windelfrei-Werden zu unterstützen.

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