Ausflug in die Natur - Wie halte ich die Kinder bei Laune?Wanderlust statt Wanderfrust

Wandern mit Kindern? Das kann klappen, wenn die Tour auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist. Der Herbst ist die schönste Jahreszeit dafür, denn es gibt für kleine Hände viel zu sammeln

Wanderlust statt Wanderfrust
Pilze, Kastanien oder kleine Tiere: Kinder wollen beim Wandern vor allem die Natur entdecken © LOOK

Sind Sie als Kind gerne gewandert? Wenn Sie diese Frage eindeutig mit Ja beantworten können, gehören Sie wahrscheinlich zu einer Minderheit. Kinder sind gerne draußen, sie entdecken gerne, sie balancieren gerne auf Baumstämmen – aber schnödes Wandern um des Wanderns willen mögen sie in der Regel nicht. Daher ein Tipp zu Beginn: Machen Sie große, lange Touren lieber ohne Nachwuchs. Eine Wanderung mit Ihren Kindern können Sie dann ganz auf deren Bedürfnisse zuschneiden. Dann wird der Tag für alle zum Erfolg.

Auf Entdeckertour

Bewegung in der Natur tut gut – auch und besonders Kindern. Die Muskulatur und der ganze Körper werden besser durchblutet, Glückshormone werden ausgeschüttet, unebenes Gelände trainiert das Gleichgewicht und im Gehirn bilden sich neue Verknüpfungen. Doch auch auf anderer Ebene ist eine gemeinsame Wanderung ein Gewinn: Das Erlebnis stärkt die Familienbande und fördert die Beziehung zwischen Kindern, Eltern und Geschwistern.

Bei einer Wanderung im Herbst gibt es für alle Sinne viel zu entdecken. Tiere stehen bei Kindern immer hoch im Kurs, ganz besonders, wenn man sie streicheln kann, zum Beispiel in einem Tiergehege. Aber auch Fische im Bach, Weinbergschnecken, Schmetterlinge, Eidechsen oder Salamander begeistern Kinder in ihrem Forscher- und Entdeckerdrang. Vielleicht kennen Sie sich gut mit Pflanzen, Kräutern oder Pilzen aus und können Wiesen und Wälder nach diesen „Leckerbissen“ durchforsten. Oder Sie sammeln die anderen Schätze, welche die Natur besonders im Herbst zu bieten hat: Bucheckern, Zapfen, Kastanien, Steine, Stöcke, Blätter und mehr. Zu Hause können Sie mit den Fundstücken kreativ basteln – auf diese Weise ist auch das Programm für den nächsten Regentag schon gesichert.

Kinder haben kurze Beine

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie haben nicht nur viel kürzere Beine, sondern auch andere Interessen. Beim Wandern geht es ihnen vorrangig um das Entdecken der Natur. Dazu braucht es Zeit, und bei den Eltern im wahrsten Sinne des Wortes Stehvermögen, denn Kinder wollen – und sollen – stehen bleiben und forschen können.

Wenn doch einmal der Moment kommt, an dem das Kind nicht mehr laufen will oder kann, braucht es kreative Eltern. Vielleicht reicht ein Motivations-Gummibärchen, vielleicht ist aber auch ein Spiel nötig: Legen Sie doch einmal die wichtige Aufgabe der Wegfindung in die Hände der Kinder (Wegmarkierungen suchen). Oder aber Sie denken sich den Anfang einer Geschichte aus und die Kinder entscheiden über den weiteren Verlauf. Auch der Klassiker „Ich sehe was, was du nicht siehst!“ kann das Ende einer Wanderung auf einem „langweiligen“ Schotterweg verkürzen.

Das richtige Wandergepäck

In den Rucksack der Eltern gehören eine abwechslungsreiche Brotzeit, einige Leckereien und ausreichend Getränke, vor allem Wasser. Zu jeder Jahreszeit sollten Kinder für Aktivitäten in der Natur oder in den Bergen in Schichten angezogen sein oder variable Kleidung tragen. Gut geeignet sind zum Beispiel Hosen mit abtrennbaren Beinen. Packen Sie auch immer eine Garnitur Wechselkleidung und eine Wind- oder Regenjacke ein, damit ein ungeplantes Bad im Bach oder ein Regenschauer den Ausflug nicht zum Desaster werden lassen. Im Spätherbst ist eine leichte Mütze zu empfehlen. Denken Sie trotz tiefer stehender Sonne an ausreichenden Sonnenschutz. Die Schuhe sollten dem Kind vor allem gut passen, nicht zu schwer und steif sein, aber eine stabile Sohle haben. Doch auch in den angenehmsten Schuhen können Blasen entstehen. Nehmen Sie daher immer Blasenpflaster in verschiedenen Größen und ein kleines Erste-Hilfe-Set mit. Es sollte Pflaster, Desinfektionsmittel, Pinzette und eine Schere enthalten. Ihr Kind möchte auch einen Rucksack tragen, wie die Großen? Kein Problem. Allerdings sollte er sehr leicht sein. Auch dann müssen Sie sich allerdings darauf einstellen, dass Sie nach kurzer Zeit (und für den restlichen Tag) den Rucksack tragen werden.

Fazit: Wer mit Kindern eine Wanderung machen möchte, muss sich ihrem Rhythmus anpassen. Wenn das gelingt, wird es sicher ein unvergesslicher gemeinsamer Tag.

Wandernde Kinder bei Laune halten

  • In Gesellschaft wandern: Wenn andere Kinder dabei sind, fällt das Laufen viel leichter und die Kleinen schaffen größere Strecken.
  • Spiele auf dem Weg: Ein Teil der Gruppe läuft vor und legt Pfeile, welche die anderen suchen müssen, oder eine Gruppe von „Räubern“ versteckt sich am Wegesrand und überfällt den Rest der Wandergesellschaft.
  • Ein Seil mitnehmen: Ein Seil sorgt für Abwechslung und ist flexibel einsetzbar, zum Beispiel als Zaumzeug fürs Pferdchen oder zum spielerischen „Abseilen“ am Hang.
  • Singen: Der Klassiker funktioniert immer noch und macht müde Kinder wieder munter.

kizz sprach mit Winni Kurzeder, Berg- und Skiführer im Deutschen Alpenverein und Vater von zwei Töchtern

Auf die richtige Tour kommt es an

Wie lang dürfen Touren für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter sein?

Genaue Richtlinien gibt es nicht. Das hängt sehr vom Kind ab und ob es die ganze Strecke schon selbst läuft. Man sollte Kinder langsam an Touren heranführen und den Spieltrieb als größte Motivation nutzen. Für Kinder bis etwa acht oder neun Jahre sind 300 bis maximal 500 Höhenmeter bzw. eine reine Gehzeit von höchstens drei Stunden die Grenze. Bei jüngeren Kindern ist es entsprechend weniger.

Wie sollte man eine Tour einteilen?

Grundsätzlich darf es beim Wandern mit Kindern nicht um den Ehrgeiz der Eltern gehen. Daher sollte man lieber eine zu kurze Tour wählen, damit kein Druck aufkommt. Pausen sollte man immer machen, wenn das Kind sie braucht. Es sollte auch immer genug Zeit sein, um stehenzubleiben und die Natur zu entdecken. Günstig ist es, wenn eine Tour verkürzt oder die Strecke geändert werden kann, sollte die Kondition nicht reichen oder das Wetter umschlagen.

Wie finden Eltern die richtige Tour?

Kinder lieben interessantes, abwechslungsreiches Gelände mit kleinen Wegen, Bächen oder Erlebnispfaden. Man kann sich zum Beispiel den Familiengruppen des Deutschen Alpenvereins anschließen, die gibt es bundesweit. Dann muss man sich nicht um die Planung der Tour kümmern und es sind mehrere Familien mit Kindern dabei.

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