Klingende Schnecken aus Holz und MetallEine Werkstattarbeit aus Holzresten

Mit dem Akkuschrauber versenkt Jannik eine Schraube nach der anderen im Holz. So entsteht eine Klangschnecke. Ein kreativer Arbeitsprozess zum Hämmern, Schrauben, Malen und Hören.

Klingende Schnecke aus Holz und Metall
© Anja Horn, Freiberg

Die Kinder im Prozess

Jannik sieht prüfend nach rechts. Die beiden Mädchen tauchen ihre Pinsel in die Wassergläser und rühren die Wasserfarbnäpfe an, bis die Farbe kräftig tropft. Leuchtende Spuren hinterlässt der Pinsel auf dem Holz, kratzig läuft er nur dann, wenn er zu trocken ist. Jannik wendet sich ab: „Meins soll lieber so bleiben.“
Ihn fasziniert nicht die Farbe, sondern vielmehr das Nageln und Schrauben. Schraube um Schraube versenkt er mit dem kleinen Akkuschrauber ins Holz – anfangs in Teamwork mit der pädagogischen Fachkraft, später selbstständig. Immer wieder prüft er genau, ob die Murmel zwischen die Schrauben passt – schließlich soll sie vom Eingang der Schnecke bis in die Mitte rollen.
Er sägt noch zwei Stöckchen zurecht und klebt sie am Brett so fest, dass ein Trichter entsteht, der die Murmel in die Bahn führt, aber ein Zurückrollen verhindert. Stolz lässt er im Abschlusskreis seine Murmel laufen. Ihr Klackern vermischt sich mit dem der anderen Klangschnecken zu einem besonderen Lied.

Vorübungen

Murmeln laden zum Spielen ein: In Töpfen und Schüsseln bringen die Kinder sie ins Rotieren. Lässt man einen Bleistift in großen Bewegungen aus dem ganzen Arm heraus über Papierbogen (DIN A2) kreisen, entstehen runde Formen. Wer eine solch riesige Spirale geschafft hat, kann auch eine kleinere Schnecke auf ein Holzbrett zeichnen, aber nicht zu eng, damit die Murmel durch die Windungen passt.

Die Fachkraft oder auch hilfsbereite Eltern haben mit der Stichsäge am Vortag Bretter (circa zwei Zentimenter dick) aus dem Baumarkt zersägt oder Holzreste aus der Zimmerei besorgt. Abgeschliffen werden die Brettchen von den Kindern selbst. Hämmer und längere Nägel werden bereitgestellt. Verfügt die Fachkraft über kleine Akkuschrauber, wählt sie am besten Torx-Schrauben aus, da der Bit während des Schraubens fest im Schraubenkopf sitzt und nicht „hüpfen“ kann.

Tipp

Um sicher zu arbeiten, das Brett mit Schraubzwingen an der Unterlage befestigen, damit es sich beim Schrauben nicht mitdrehen kann.

Bildungsaspekte

Nageln oder Schrauben sind die basalen Verbindungstechniken für die Holzbearbeitung. Wer sie beherrscht, kann eigene Konstruktionen umsetzen. Das Hämmern bedarf Übung. Je weiter hinten am Stiel man greift, desto mehr Schwung entsteht. Nageln die Kinder zum ersten Mal, hilft es, wenn die Fachkraft den Nagel mit einem ersten Hammerschlag im Holz fixiert. Das Halten des Nagels in der einen und das Zuschlagen mit dem Hammer in der anderen Hand sind schon anspruchsvoller. Sie verlangen die Koordination zweier gleichzeitiger, aber unterschiedlicher Bewegungen. Auch das Jonglieren der Murmel durch die fertige Bahn stellt eine Koordinationsübung dar.
Beim Bemalen dient der Nagelrand der Bahn als Pinselgrenze: Innen- und Außenform können unterschiedlich eingefärbt werden und Denkkonzepte wie innen/außen, Figur/Untergrund werden erfahrbar. Verblüffend auch, wie schnell Holz die Wasserfarbe aufsaugt – warum wohl? Jedes Holz war einmal Wasserleitsystem eines Baumes.

Blick in die Kunst

Schau dir Nagelbilder des Künstlers Günther Uecker (siehe kindergarten heute 4_2022, S. 26 f.) an. Nagle selbst los. Wenn dir Spiralen gefallen, schau mal, was der Künstler und Pädagoge Hugo Kükelhaus damit macht.

Blick in die Welt

Die Spirale ist eine faszinierende Form und ein uraltes Symbol. Wo entdeckst du sie? Schau dir eingerollte Farnblätter, Spiralnebel, Wirbelstürme, keltische Muster an.

Materialbaustelle Nageln

Ein Balken, Nägel und Hämmer verschiedener Größe. Die Analogie „kleines Kind  – kleiner Hammer“ führt in die Irre, denn ein kleiner Hammer erfordert viel mehr Kraft als ein großer.

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