Meine Lieblingsfarbe schmeckt mir nichtKnallbunte Experimente für alle Sinne

Eine schwarze Brombeere, orangefarbene Fröhlichkeit und ein silberner Ton – mit welchen Sinnen lassen sich Farben wahrnehmen? Das muss unbedingt ausprobiert werden.

Meine Lieblingsfarbe schmeckt mir nicht: Knallbunte Experimente für alle Sinne
© Kirsten Bender, Dortmund

Die drei Grundfarben: Gelb, Blau und Rot. Und dann gibt es die Mischfarben Orange, Grün und Lila sowie Braun, Schwarz und Weiß und die Lieblingsfarbe vieler Mädchen: Rosa. Fast allen Kindern fällt eine Farbe ein, selbst die 3-Jährigen kennen deutlich mehr als die Grundfarben. Mit der besonderen Bedeutung von Farben beschäftigten sich die Krippen- und Kitakinder der Kita „Das Kinderhaus“ in Dortmund. Während unseres farbenfrohen Projekts kommen wir zu folgenden Fragen:

  • Kann man Farben nicht nur sehen, sondern auch schmecken?
  • Kann man Farben riechen?
  • Lassen sich Farben hören?
  • Ist es möglich, dass man Farben fühlen kann?

Farben zuordnen

Zu allen Farben, die die Kinder aufzählen, geben wir ihnen Farbkarten. Nachdem wir alle Farben benannt haben, machen wir ein paar Spiele damit: Jedes Kind darf sich eine Farbkarte aussuchen und verstecken, während ein anderes Kind sich umdrehen muss. Das Kind, das sich umgedreht hat, soll nun erraten, welche Farbe fehlt. Den älteren Kindern sind diese Farben schon bekannt, aber die jüngeren können sich die Namen der Farben durch die Spiele besser einprägen.
Melina (2;8 Jahre) ist dran, sich umzudrehen. Sie will jedoch, dass die grüne Farbkarte versteckt wird, sodass sie diese gleich ihrem Freund Joel gibt. „Grün ist meine allerliebste, liebe Farbe. Die sollst du verstecken.“ Ein Anlass, um die anderen zu fragen, welche Farben ihnen besonders gut gefallen. Wir stellen fest: Auch die Jüngeren haben eine Lieblingsfarbe. Wir fragen nach, warum das so ist und was sie mit dieser Farbe verbinden. Für Joel ist es ganz klar Rot, weil sein Lieblingsfrontlader auch rot ist. Melina: „Ich habe da so ein ganz schönes grünes Kleid.“ Anabell ist BVB-Fan und ihre Lieblingsfarben sind natürlich Gelb und Schwarz, was bei allen ihren Bildern auch deutlich wird. Isabel (2;10 Jahre) mag Weiß: „Weil die Wolken weiß sind.“ Laura gefällt Rosa am besten. Sie hat auch fast nur rosa Pullis.
Mit den jüngeren Kindern malen wir große Plakate in den einzelnen Farben. Dabei geben wir für die Mischfarben nur die Grundfarben aufs Papier. Erst beim Malen vermischen sich die Farben, sodass die Kinder ihre Entstehung nachvollziehen können. Nun sammeln wir alle möglichen Dinge in einer entsprechenden Farbe und ordnen sie auf den Plakaten zu. Die gesammelten Gegenstände werden auf die passenden Farbplakate geklebt und im Gruppenraum aufgehängt. Auf diese Weise können wir uns noch eine ganze Weile mit den Farben auseinandersetzen. Die Kinder bekommen einen besseren Bezug zu den Farben und können sich deren Namen besser merken.

Farben mischen

Mit den Kindern, die in diesem Sommer in die Schule kommen, wollen wir noch einen Farbkreis gestalten. Sie bekommen ein großes weißes Blatt, auf dem zwölf Farbkarten liegen. Die erste Aufgabe ist es, zu überlegen, welche drei von diesen vielen Farben diejenigen sind, aus denen man alle anderen mischen kann. Wir haben ja nun schon öfter die Grundfarben von ihnen vermischen lassen und fragen jetzt mal Wissen ab. Sie stellen fest, dass es Rot, Blau und Gelb sind. Die Kinder malen die drei Grundfarben in den inneren Teil des Farbkreises. Nun geht es ans Experimentieren. Immer zwei dieser Farben werden zusammengemischt. So entstehen drei neue Farben. Die Kinder äußern auch hier schon vorher immer die richtige Vermutung bezüglich der Farbe, die entstehen wird. Diese wird in die entsprechenden Felder zwischen den ersten Farben gemalt. Unser Farbkreis hat aber noch sechs weitere Felder. So mischen wir auch die Mischfarben noch miteinander. Kein Problem für die Kinder, denn sie kennen sich schon gut mit den Farben aus. Außerdem wollen sie noch ausprobieren, wie viel von einer Farbe man in ein Schälchen geben muss, um genau den entsprechenden Mischton zwischen den beiden vorhandenen Farben zu bekommen. Halt! Das war zu viel. Also noch etwas mehr von der anderen Farbe. Am Ende haben wir einen wunderschönen Farbkreis und jede Menge angerührter Mischfarben.
Jetzt hole ich die Farbkarten wieder und bitte die Kinder, den soeben erarbeiteten Farbkreis nachzulegen, um das erworbene Wissen zu festigen. Die Kinder stellen fest, dass Menschen Farben sehen und erkennen können, wenn sie nicht gerade (farben-) blind sind.

Bittere Pampelmuse

Zum Mittagessen gibt es einen Obstteller. Wir beschließen, ihn in unser Thema mit einzubeziehen. Zunächst ordnen wir die Früchte den einzelnen Farben zu. Als wir das Obst am Ende der Runde aufessen, meint ein Kind „Meine Lieblingsfarbe schmeckt mir nicht.“ Wir fragen nach: „Wie schmeckt denn Rot?“
Die Kinder beschreiben, was sie schmecken. Wir stellen fest, dass die Farbe Gelb sehr viele unterschiedliche Geschmäcker haben kann: Der Geschmack reicht von der süßen Banane über die bittere Pampelmuse bis hin zur total sauren Zitrone. Bei Rot sind sich die Kinder weitestgehend einig. Egal ob Erdbeere, Kirsche, Tomate oder Paprika – es schmeckt immer etwas süßlich. Grün dagegen schmeckt immer etwas bitterer und säuerlicher.
Farben beeinflussen unseren Geschmack. Die Kinder greifen lieber zu den Obstsorten in Gelb, Orange, Rot und Pink als zu Grün und Blau oder Lila. Manchmal ist die Farbe Grün sogar eine Warnung: Das Obst ist dann einfach noch nicht reif und verursacht Bauchschmerzen. Schwarz und Braun wollen viele erst gar nicht probieren. „Wie schmeckt dir die schwarze Brombeere?“ – „Ich mag nicht so etwas.“ – „Das ist sauer.“ „Wie schmeckt euch die braune Dattel?“ – „Ich trau mich nicht.“ – „Ich mag die.“ – „Süß, richtig süß.“ Aber wenn man den Kindern beim Probieren die Augen verbindet, dann schmeckt Lila u. a. „saftig“, „bisschen sauer“, „gut“, „lecker“, „süß“.
Wir stellen also fest, dass Farben uns bei der Auswahl der Nahrung beeinflussen, wir sie aber nicht schmecken können. Das Schlusswort zu diesem Experiment hat Laura: „Rosa ist zwar meine Lieblingsfarbe, aber nicht alles, was rosa ist, schmeckt auch gut.“

Im Garten Farbe schnuppern

Nun wollen wir herausfinden, ob man Farben riechen kann. Wir gehen in den Garten und schnuppern an den Blumen, Bäumen und Gräsern. Wir stellen unterschiedliche Gerüche fest. Aber sind es die Farben, die wir riechen? Eine rote Rose riecht anders als eine rote Erdbeere. Und eine gelbe Zitrone riecht zwar, aber anders als eine gelbe Butterblume.
Wenn wir dagegen eine Farbflasche öffnen, riechen wir zwar die Farbe selbst, aber die unterschiedlichen Farbtöne riechen alle gleich. Nur um ganz sicher zu gehen, verbinden wir den Kindern noch die Augen und lassen sie so an verschiedenen Dingen schnuppern. Die Kinder sind sich einig: Menschen können keine Farben riechen.

Dunkle und silberne Töne

Farben hören? Eine Aufgabe, die es in sich hat. Zunächst holen wir wieder unsere Farbkarten und legen damit den Farbkreis mit den zwölf Farben. Den Begriff „Farbtöne“ haben ein paar Kinder schon gehört. Jetzt sollen die Kinder hohe und tiefe Farbtöne voneinander trennen. Als hoch empfinden die Kinder helle Farben, als tief die dunklen.
Wenn es Farbtöne sind, kann man dann auch Farben hören? Womit kann man Töne darstellen? Wir überlegen – die Kinder entscheiden sich für ein Xylofon. Vielleicht, weil sie das auch schon mal in Bunt gesehen haben. Unser Instrument hat nur silberne Stäbe.
Die Kinder ordnen nun die Farben einzelnen Tönen auf dem Xylofon zu; helle Farben den hohen und dunkle Farben den tiefen Tönen. Die hellen und dunklen Farben sind leicht zuzuordnen, schwieriger ist es dagegen bei den mittleren Farbtönen. Als alle Farben zugeordnet sind, legen die Kinder eine Reihenfolge aus den Farbkarten. Jetzt können wir die Melodie auf dem Xylofon nachspielen. Nun haben wir unsere Farben doch hörbar gemacht. Trotzdem sind die Kinder der Meinung, dass man Farben eigentlich nicht hören kann.
Anschließend wollen wir die Karten aus unserem Farbkreis neu sortieren, und zwar nach kalten und warmen Farben. Die Kinder empfinden die Farben, die mit Gelb gemischt sind, als warm und die, die mit Blau gemischt sind, als kalt. Doch beim dunklen Rot und dem hellen Grün sind sie sich nicht einig. Außerdem kommen auch noch andere Farben hinzu wie Schwarz, Grau, Weiß und Braun.

Blauer Schreck

Lassen sich denn Gefühle und Farben einander zuordnen? Jedes Kind erhält ein Blatt Papier, Farbflaschen und Pinsel stehen bereit. Es gilt nun, zur eigenen Stimmung eine passende Farbe auszuwählen. Dann überlegen sich die Kinder, wie sie ein Gefühl darstellen können. Dazu schlagen wir ihnen vor, sich ein Tier auszusuchen, das ihr Gefühl am besten verkörpert.
Diese Aufgabe ist für die Kinder offenbar recht leicht. Schnell hat jeder sein Tier gefunden und kann auch begründen, warum gerade dieses Tier sein Gefühl am besten darstellen kann. Tim hat sich für einen Säbelzahntiger entschieden, der das Gefühl Wut ausdrücken soll. „Wenn ich wütend bin, ist mein Kopf auch immer ganz rot.“ Mia möchte die Schildkröte nehmen und damit Traurigkeit darstellen. „Schildkröten sind ganz langsam und wenn ich traurig bin, bin ich auch langsam. An manchen Tagen schleiche ich so traurig rum wie die Schildkröte. Das sind graue Tage. Außerdem haben die einen Panzer, können sich da verstecken und verstecken will ich mich dann auch.“ Pauline entscheidet sich für einen Elefanten mit einer Maus, um das Gefühl der Angst darzustellen. „An manchen Tagen bin ich voller Schreck, wie der Elefant bei der Maus. Ich male das blau. Blau ist ganz kalt und mein Schreck auch.“ „Manchmal bin ich müde, wie ein Bär beim Winterschlaf“, erklärt Hendrik. „Ich bin so zufrieden wie die Ente auf dem Teich. Ich mag Lila“, begründet Lennart seine Wahl. Leo entscheidet sich für den Hund, um das Gefühl Mut darzustellen, weil der Hund seiner Großeltern für ihn das mutigste Tier auf der Welt ist. „Wenn ich fröhlich bin, springe ich wie ein Pferd. Orange ist auch fröhlich“, stellt Melissa fest.
Die Kinder haben sich recht unterschiedliche Gefühle ausgesucht und dazu auch unterschiedliche Farben. Grau für Trauer, Blau für Angst, Orange für Fröhlichkeit. Auch hier hat jedes Kind für sich entschieden, was seiner Meinung nach am besten passen würde. Als wir allerdings später andere nach ihrer Meinung fragen, welche Gefühle jeweils dargestellt wurden, stimmt die Antwort entweder genau überein oder geht zumindest in eine ähnliche Richtung. Die Kinder stellen fest: Wir können Farben nutzen, um Gefühle besser darzustellen.
Fazit: Wir hatten ein farbenfrohes Projekt mit einer Menge knallbunter Experimente. Dabei haben wir so einiges über Farben und die menschlichen Sinne erfahren.

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