Ein Sternenhimmel in Stein geritztEine kreative Idee mit Porenbeton

Ein Sternenhimmel in Stein geritzt: Eine kreative Idee mit Porenbeton
Die Steine werden vorsichtig aufgenagelt und mit Draht zu einem Sternbild verbunden.© Anja Horn, Freiberg

Lottas Raspel gräbt weiße Rillen in ihren Stein. Mit jedem Schub werden sie tiefer und deutlicher. Hell leuchten sie aus dem Nachtblau heraus wie Flugzeugstreifen am Himmel. Jede Bewegung kratzt eine weiße Spur in die Oberfläche des Steins, die von den Kindern zuvor in Himmelfarbe bemalt worden ist. Vor und zurück – jedes Mal, wenn Lotta mit Kraft die Raspel führt, rieselt eine neue Staubschicht auf das weiße Häufchen.
Lotta greift zur Wassersprühflasche. Nass kann sie den Staub einfegen, ohne ihn einzuatmen. Diesen Schutzhinweis hat die Atelierleiterin gegeben. Neben Lotta ritzt Linda Linien in ihren Stein. Sie führt die Spitze einer Feile fast wie einen Stift. Auf ihrem Nachthimmel entsteht ein weißes Tier. Als alle Kinder die Sternenkarte betrachtet und den heutigen Nachthimmel eingestellt haben, war ihr sofort klar, dass sie ihr eigenes Sternbild abbilden will. Julian scheint das Weltall und die Linien, die er anfangs geplant hatte, vergessen zu haben. Er zieht Furchen und Gräben über seinen Stein und wechselt dabei von der Raspel zur Säge, die feine, tiefe Rillen hinterlässt. Als die Rundraspel frei wird, probiert er sie aus und arbeitet mit vollem Einsatz weiter.
Kraft hat dieser Arbeitsgang alle gekostet. Deshalb tut es gut, vor dem nächsten Schritt erst mal innezuhalten, die entstandenen Himmelsspuren zu betrachten und sich vorzustellen, wie darauf am späteren Abend Sterne aufleuchten. Die Sterne werden genagelt. Dabei ist wichtig, dass der Hammer nicht zum Abschlagen des spröden Materials verwendet wird. Kinder, bei deren Nageltechnik dieses Risiko besteht, ziehen eine Schutzbrille an. Versenkt man die Nagelköpfe nicht ganz, lassen sie sich mit Draht umwickeln und zu Sternbildern verbinden. Während Linda im Schlusskreis von ihrer Arbeit mit der Raspel erzählt, erklären ältere Kinder, wie sie ihr eigenes Sternbild nachgebildet haben. Auf der Sternkarte entdecken die Kinder weitere Sternbilder: Könige und Königinnen, heldenhafte Retter*innen und Meeresungeheuer. Perseus, Andromeda und Ketos – Namen aus alten Zeiten, deren sagenumwobene Geschichten am Sternenhimmel verewigt sind.

Bildungsaspekte

Porenbeton bedient das Bedürfnis der Kinder, an einem Material Spuren zu hinterlassen. Mit Werkzeugen ritzen, löchern, zerkleinern – oder selbst verursachen, dass ein großer Block zu staubigen Krümeln zerfällt. So entsteht ein Verständnis dafür, dass alle Dinge unserer Welt aus kleinsten Teilchen bestehen und in diese wieder zerfallen können. Auch Erwachsene befassen sich mit solchen Themen, zum Beispiel in der Atomphysik, in der Geologie oder beim Kornmahlen. Porenbeton lässt sich mit denselben Techniken und Werkzeugen bearbeiten wie Holz. Leichter als beim Material Holz gelingt Kindern das Aufbrechen der Oberfläche. Wird diese vorher farbig grundiert, sind die Linien und Kerben besonders deutlich sichtbar. Das motiviert die Kinder, bietet aber auch gestalterische Deutungen an, zum Beispiel Himmelsstreifen oder Wolken. Die Betrachtung der Sternbilder verbindet Menschen mit den antiken Namensgebern der Sternzeichen. Sie stellt aber ebenso, über das Geburtsdatum und das eigene Sternbild, eine Zuordnung des Einzelnen zum großen kosmischen Gefüge her. Das ist auch für Kinder spannend.  

Material:

Porenbeton ist ein kostengünstiger weicher Stein, der sich leicht bearbeiten lässt (zum Beispiel Ytong, der in Baumärkten erhältlich ist). Dafür eignen sich alle Werkzeuge, die man für Holz verwendet: Sägen, Raspeln, Bohrer, Nägel oder Schrauben. Setzen die Kinder Hämmer ein, um Material abzuschlagen, sollten sie Schutzbrillen tragen. Da beim Bearbeiten viel Staub entsteht, empfiehlt es sich, ausreichend zu lüften oder draußen zu arbeiten. Die Kinder werden vor Beginn darauf hingewiesen, dass der feine Staub nicht eingeatmet werden sollte. Deshalb ist Hineinpusten in Staubberge ebenso untersagt wie Staub aufwirbelndes Fegen. Bevor der trockene Staub eingefegt wird, besprühen die Kinder ihn mit Wasser.

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